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Sägenhaft: Die Frankfurter Baumschutzsatzung gibt es jetzt auch in leicht verständlicher Sprache.

Einfache Sprache

Amtsdeutsch für alle

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Ein Frankfurter Pilotprojekt übersetzt Behördentexte in leicht verständliche Sprache. Aber nicht jede Satzung ist damit zu knacken - manche sind zu komplex.

Zum ersten Mal hat die Stadt einige ihrer Dokumente in sogenannte leichte oder einfache Sprache übersetzen lassen. Das Pilotprojekt von Sozial- und Umweltdezernat soll allen Menschen barrierefreien Zugang zu behördlichen Informationen verschaffen.

Barrierefrei – viele verstehen darunter, dass ein Ort ohne Stufen und Schranken zu erreichen ist. Barrieren können aber auch auf einem Blatt Papier auftauchen: Stufen und Schranken fürs Verstehen. Die Stadt möchte das nicht. „Wir wollten Texte haben, die alles Wichtige erklären. Für alle Bürgerinnen und Bürger leicht verständlich“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). „Auch ohne fremde Hilfe. Das ist uns hier gelungen.“

Den Unterschied zwischen amtlicher und einfacher Sprache zeigt etwa der Satz aus der Baumschutzsatzung: „Wird ein geschützter Grünbestand entgegen den Verboten des §2 und ohne dass die Voraussetzungen für eine Genehmigung nach §3 vorliegen, beseitigt oder beschädigt, so ist der Verursacher zu einer Ersatzpflanzung nach Maßgabe des §4 Abs. 1 verpflichtet.“ Abgespeckte Fassung: „Sie haben einen Baum auf dem eigenen Grundstück beschädigt oder ohne Genehmigung gefällt? Dann müssen Sie einen Ersatzbaum nachpflanzen.“

Wozu komplizierte Satzungen, wenn’s auch einfach geht? Zur Rechtssicherheit seien sie oft sperrig formuliert, erklärt Umweltamtssprecher Martin Müller. Wer Deutsch nicht als Muttersprache hat oder mit geistigen Einschränkungen lebt, bleibt auf der Strecke. „Einfache und leichte Sprache sind wichtig für barrierefreie Kommunikation“, betont Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). „So versteht es jeder und niemand wird ausgeschlossen.“

Satzungen teils zu komplex

Doch auch leicht kann schwer sein. Das auf Barrierefreiheit spezialisierte Netzwerk Capito scheiterte an zwei von sechs Übersetzungen aus dem Frankfurter Amtsdeutsch: Die Abfallsatzung und die Grüngürtel-Verordnung seien so komplex, dass die Vereinfachung zu falschen oder missverständlichen Aussagen geführt hätte, heißt es aus dem Umweltamt. „Es hat sich gezeigt, dass in solchen Fällen Zusammenfassungen wohl besser geeignet sind als Übersetzungen“, sagt Amtsleiter Peter Dommermuth.

Immerhin: Baumschutz- und Straßenreinigungssatzung sind übersetzt, online zu lesen unter umweltamt.stadt-frankfurt.de, zu bestellen beim Umwelttelefon unter 212 / 391 00. In zwei Fassungen liegt das Flugblatt „Drohnen über Frankfurt? Bitte nicht!“ vor. Sprachstufe B1: „Immer mehr Menschen kaufen sich eine Drohne, um damit Luftaufnahmen von ihrer Umgebung zu machen.“ Sprachstufe A2: „Immer mehr Menschen in Deutschland kaufen sich eine Drohne. Sie machen damit Filme und Fotos aus der Luft.“ Und weiter: „Wenn Sie eine Drohne benutzen wollen, müssen Sie auf viele Regeln achten. Sonst können Sie Probleme kriegen.“

Barrieren sind also weiter erwünscht – aber nur für Drohnen.

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