Der Bücherschrank auf dem Riedbergplatz.
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Der Bücherschrank auf dem Riedbergplatz.

Riedberg

Ärger über Müll im Bücherschrank

  • Denis Hubert
    vonDenis Hubert
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Weil die Einrichtung auf dem Riedbergplatz regelmäßig zugemüllt wird, tritt der Bücherpate zurück. Um ein generelles Problem handelt es sich laut Stadt aber nicht.

Wenn Winfried Lampe den Bücherschrank auf dem Riedbergplatz öffnet, kommt ihm das blanke Entsetzen. Veraltete und zerfledderte Literatur, kreuz und quer hineingestellt, dazu gebrauchte Taschentücher und Essensreste. Drei Jahre lang hat Lampe sich als einer von zwei Paten um den Schrank gekümmert, der seit 2014 an der Ecke von Altenhöfer- und Riedbergallee steht. Doch jetzt hat er genug.

Noch bis Ende Februar pflegt Lampe die Literatur, dann tritt er als Bücherpate ab. „Ich bin nicht derjenige, der Restmüll wegräumen soll“, sagt der 72-Jährige, der für die CDU im Ortsbeirat 12 sitzt. Zwei- bis dreimal die Woche habe er den Schrank in Ordnung gebracht, doch nachhaltig geholfen habe das nicht.

Lampe erzählt, dass er mit einem Einkaufswagen mehr als 100 unbrauchbare Bücher entsorgt habe – von betriebswirtschaftlicher Fachliteratur über Schulbücher und Lexika, teilweise noch aus den 80er Jahren. Das will er sich nicht mehr zumuten. „Nach drei Jahren kann das fortan jemand anderes machen.“

Im Amt für Straßenbau und Erschließung bedauert man den Rücktritt Lampes als ehrenamtlicher Pate. 47 Bücherschränke unterhält die Behörde derzeit; im März eröffnet sie zwei weitere Standorte. Ein generelles Problem mit den Tauschstationen gebe es aber nicht, teilt Amtsleiterin Michaela Kraft auf Anfrage mit. „Nach unseren Erfahrungen sind die Schränke in der Regel in einem gutem Zustand, sauber und aufgeräumt.“

Hinweise auf Vermüllung oder ausgediente Bücher habe das Straßenbauamt bislang nur sporadisch erhalten, sagt Kraft. Es liege im Ermessen der Paten, welche Bücher sie als zu alt ansehen und aussortieren. Dass das vorkomme, liege in der Natur der Sache, da sehr neue Bücher oftmals nur eine kurze Verweildauer in den Schränken hätten.

Ortsbeiräte benennen Paten

Das Aufstellen eines Bücherschranks kostet rund 6000 Euro. Die jeweiligen Ortsbeiräte bezahlen das aus ihren Jahresbudgets. Den Stadtteilgremien obliegt es auch, die ehrenamtliche Paten zu benennen, die sich um die Tauschstationen kümmern. „Die Paten melden sich bei uns in der Regel nur, wenn Reparaturen oder größere Reinigungsarbeiten notwendig sind“, sagt Kraft.

Dass Bücherschränke Vandalen zum Opfer fallen, ist die Ausnahme. So geschehen zum Beispiel vor vier Jahren auf dem Frankfurter Berg. In einer Nacht- und Nebelaktion zündeten Unbekannte den Bücherschrank am Malvenweg vor dem Rewe-Markt an. Sowohl die Bücher als auch der Schrank wurden beschädigt. Die Polizei ermittelte und schätzte den entstandenen Schaden auf etwa 3000 Euro.

Einen Abend zuvor hatte ein Bücherschrank in der Alten Falterstraße in Griesheim gebrannt. Allerdings bemerkte Vereinsringvorsitzende Ursula Schmidt das Feuer rechtzeitig und löschte es.

Auch auf dem Höchster Andreasplatz wurde bereits ein Bücherschrank angezündet. In der Leipziger Straße in Bockenheim wurde die Bücher-Tauschstation im Winter 2012 einmal umgeworfen.

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