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CDU in Frankfurt: Probleme mit der Verjüngung

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Von: Florian Leclerc

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Die CDU in Frankfurt will sich nach verlorenen Wahlen wieder aufrichten. Foto: Rolf Oeser
Die CDU in Frankfurt will sich nach verlorenen Wahlen wieder aufrichten. © Rolf Oeser

Die Frankfurter CDU muss sich verändern, wenn sie wieder Wahlen gewinnen will. Eine Analyse.

Die Frankfurter CDU hat zuletzt wichtige Wahlen verloren. Der Parteivorsitzende Jan Schneider (40) zog die Konsequenz und tritt nicht erneut als Kreisvorsitzender an. Er will nach dem Parteitag am 12. März als Beisitzer eine Rolle in der zweiten Reihe der Parteiführung spielen. Um den Parteivorsitz bewerben sich Europastaatssekretär Uwe Becker (52) und die frühere Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann (55). Weitere Kandidaten können sich noch melden.

Becker kündigte an, die CDU wieder zur gestaltenden Kraft machen zu wollen. Damit zielt er auf die Landtagswahl in Hessen im Herbst 2023, vor allem aber auf die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt im Frühjahr 2024. Als Parteivorsitzender würde Becker aller Voraussicht nach selbst OB-Kandidat werden, was ihm schon zwei Mal verwehrt wurde.

Mehrheit sind Männer

Auch Bettina Wiesmann will für die CDU wieder Wahlen gewinnen. Sie hat ein Reformprogramm vorgelegt und wirbt um Unterstützung. Dabei ist sie, anders als Becker, parteiintern nicht unumstritten, was manche auch freimütig verkünden. Ihr wird unter anderem die Niederlage in ihrem Wahlkreis gegen Omid Nouripour (Grüne) und Kaweh Mansoori (SPD) nachgetragen.

Entscheidend für die verlorenen Wahlen sind aber nicht einzelne Personen wie Jan Schneider, Bettina Wiesmann oder Uwe Becker, der stellvertretender CDU-Vorsitzender in Frankfurt ist. Ausschlaggebend sind der Bundestrend und die Inhalte, für die die Partei steht - und ob diese noch als zeitgemäß wahrgenommen werden. Relevant ist auch, wie die Partei aufgestellt ist und welche Wählerinnen und Wähler sie anspricht.

Es zeigt sich, dass die CDU ein Problem mit ihrer Alterstruktur hat - und das ist nicht leicht zu beheben. Die CDU-Mitglieder sind im Durchschnitt älter als die Frankfurter Bevölkerung und es sind mehrheitlich Männer.

Das durchschnittliche männliche CDU-Mitglied in Frankfurt ist nach Parteiangaben 54,6 Jahre alt. Das durchschnittliche weibliche Parteimitglied ist sechs Jahre älter, exakt 60,8 Jahre. Allerdings sind die Männer deutlich in der Mehrheit, sie machen 70 Prozent der Mitglieder aus. Die übrigen 30 Prozent sind Frauen. Dem gegenüber steht eine Frankfurter Bevölkerung, die im Durchschnitt 40,9 Jahre alt ist. Etwas mehr als die Hälfte sind Frauen. Bei der CDU-Fraktion im Römer und bei dem Tableau für den neuen Kreisvorstand wurde die Verjüngung schon erreicht, auch gibt es eine Parität bei der Verteilung der Aufgaben, Bei den Mitgliedern steht die Verjüngung noch aus.

Mitgliederzahl schrumpft

Die Grünen in Frankfurt zeigen, wie es geht. Ihre Mitgliederzahl ist zuletzt auf etwa 1800 gestiegen. Bei der Frankfurter CDU schrumpfte die Mitgliederzahl von 2704 (Ende 2020) auf 2636 (Januar 2022). Das Dilemma, das mehr Mitglieder sterben als neue gewonnen werden können, hat in Frankfurt auch die SPD; sie hat mittlerweile noch etwa 3500 Mitglieder.

Die CDU muss sich auch fragen, wen sie ansprechen will. Bei der Bundestagswahl gewann sie nur noch in vier Stadtteilen im Frankfurter Norden, in Nieder-Eschbach, Harheim, Berkersheim und Kalbach-Riedberg. Bei Menschen bis 44 Jahre kam sie auf zwölf Prozent der Stimmen. Bei den Erstwählern schaffte sie gerade so die Fünfprozentmarke. Nur bei den über 70-Jährigen erreichte sie noch mehr als 30 Prozent der Stimmen. Bei den jüngsten Altersgruppen punkteten hingegen die Grünen, FDP, Linke und Volt.

Dass die CDU mit einer Neuausrichtung, die stark aufs Konservative setzt, in großem Maße junge Parteimitglieder oder junge Wählerinnen und Wähler an sich binden kann, ist vor diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich. Eher sollte sie die jungen Leute fragen, was sie von der CDU wollen, damit die Partei für sie wählbar wird.

Ein guter Ansatz waren die Regionalkonferenzen, die Parteichef Schneider auf den Weg gebracht hat, um Parteimitglieder beim kommunalen Wahlprogramm einzubinden. Künftig wird sich die CDU sehr viel stärker öffnen müssen, um den Wandel von einer Volkspartei zu einer Rentner:innenpartei zu vermeiden.

Eine erste Möglichkeit zu mehr Teilhabe wären die Veranstaltungen, bei denen sich Wiesmann und Becker als Kandidaten für den Parteivorsitz vorstellen wollen: am 10. Februar im Saalbau Gallus, am 16. Februar im Saalbau Ronneburg, am 21. Februar im Saalbau Südbahnhof, jeweils um 19 Uhr.

Sie richten sich allerdings an die Parteimitglieder, nicht an alle Interessierten. Beim Parteitag am 12. März wählen wiederum Delegierte den Kreisvorsitzenden oder die Kreisvorsitzende. Eine Mitbestimmung der Basis, wie es bei den grünen Parteitagen üblich ist, gibt es (noch) nicht.

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