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Die Schuldnerberatung der Caritas rentiert sich.

"Sozialwirtschaftsstudie Hessen"

Schuldnerberatung lohnt sich

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Studie: Jeder investierte Euro bringt mehr als sechsfachen Nutzen für die Gesellschaft.

Es lohnt sich, Menschen zu beraten, die hoch verschuldet sind. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Martin Trautwein und sein Team von der Frankfurter Schuldnerberatung der Caritas stolz macht.

Als Ergebnis der Beratung geht es Betroffenen nicht nur persönlich besser. Die Hilfe zahlt sich auch aus, für die Menschen selbst wie für den Staat, für Arbeitgeber und andere Nutznießer. „Die Ergebnisse belegen, dass jeder investierte Euro in die untersuchte Schuldnerberatungsstelle einen Return im Wert von 6,60 Euro erbringt“, resümieren Alejandro Rada und Anna Stahlmann vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

In ihrer „Sozialwirtschaftsstudie Hessen“ im Auftrag der hessischen Wohlfahrtsverbände hatten sie die wirtschaftliche Bedeutung der sozialen Träger erforscht. In einem Kapitel untersuchten sie am Beispiel der Caritas-Schuldnerberatung in Frankfurt, wie sich soziales Engagement wirtschaftlich auswirkt. Dafür führten sie Interviews mit mehr als 100 überschuldeten Menschen, die von Trautwein und Kollegen beraten werden.

Dabei wurde deutlich, dass hoch verschuldete Menschen oft mit Problemen zu kämpfen haben, die eng mit ihren finanziellen Sorgen verbunden sind. Geschildert werden Krankheiten, Sucht, Eheprobleme, Straffälligkeit, Schwierigkeiten bei der Arbeit und mit der Wohnung.

Wenn mit Hilfe der Beratung solche Probleme überwunden werden können, lässt sich der Erfolg in Geld umrechnen – oder „monetarisieren“, wie die Wissenschaftler schreiben. So berechnen sie als Erfolg der Schuldnerberatung die vermiedenen Kosten, die durch Wohnungs- und Arbeitslosigkeit oder Inhaftierung entstanden wären, oder die ersparten Kosten für psychotherapeutische Behandlung, Familientherapie oder Finanzberatung. Im Ergebnis belaufen sich die „monetarisierten Wirkungen“ der Schuldnerberatung auf fast 2,2 Millionen Euro. Die Kosten der Beratungsstelle betrugen hingegen nur knapp 330 000 Euro im Jahr.

Mit dieser Rechnung wollten die Wohlfahrtsverbände deutlich machen, dass soziale Arbeit keine „konsumtiven Ausgaben“ sind, sondern sinnvolle Investitionen. Zugleich macht die Studie deutlich, wie die Beratung den Betroffenen zu einem besseren Leben verhilft. „Ich habe ein Stück mehr Lebensqualität bekommen, bin raus aus meiner Höhle“, wird einer zitiert.

Die Caritas-Stelle besteht seit mehr als drei Jahrzehnten. Finanziert wird sie von der Stadt, dem Land und der katholischen Kirche. Neben sechs Hauptamtlichen (die sich vier Stellen teilen) helfen rund zehn Ehrenamtliche bei der Beratung.

So begleiten sie Betroffene zu Ämtern oder zur Bank. Dort werde überschuldeten Menschen oft ein bezahlbares Girokonto vorenthalten, beklagt Trautwein. „Die Banken jagen die Leute weg“, berichtet er. „Deshalb haben wir einen, der mitgeht.“

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