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Ab 22 Uhr ist die B-Ebene der Frankfurter Hauptwache für Obdachlose als Übernachtungsplatz freigegeben. Viele machen davon Gebrauch.

Obdachlose in Frankfurt

Schlafplatz in der B-Ebene

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Mehr als 100 Menschen verbringen die Nacht in der B-Ebene der Hauptwache. Etwa doppelt so viele dürften auch im Winter in Frankfurt buchstäblich auf der Straße leben, doch ihre genaue Zahl kennt niemand.

Daniela Birkenfeld hat keine große Angst vor dem Winter. „Aus meiner Sicht ist wieder alles so vorbereitet, dass es jetzt auch kälter werden darf“, sagte Frankfurts Sozialdezernentin (CDU) am Montagvormittag. Gemeinsam mit Vertretern von Diakonie, Caritas und anderen Trägern aus der Wohnungslosenhilfe war Birkenfeld in den Obdachlosen-Tagestreff der Caritas in der Bärenstraße gekommen, um die diesjährige Winteraktion der Stadt vorzustellen. Jedes Jahr machen unterschiedliche Träger und Initiativen zusätzliche Angebote, um die Frankfurter Obdachlosen möglichst gut durch die kalte Jahreszeit zu bringen.

Mit der Notübernachtung in der B-Ebene der Hauptwache, der Übernachtungsstelle im Ostpark und unterschiedlichen Tagestreffs, wo es Kleiderkammern, Essen, Duschen und teils auch zusätzliche Schlafplätze gebe, sei die Stadt für den Winter „breit aufgestellt“, sagte Birkenfeld.

Sie sei der VGF und Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) dankbar, dass die S-Bahn-Station Hauptwache auch in diesem Jahr wieder jede Nacht ab 22 Uhr für Obdachlose geöffnet sei, so Birkenfeld. Gerade für psychisch kranke Menschen, die Unterkünfte mieden, oder obdachlose Rumänen und Bulgaren, die keine Ansprüche auf Sozialleistungen hätten, sei dieses „niedrigschwellige Angebot“ eine wichtige Hilfe. In der Nacht zum Montag hätten 112 Menschen in der Hauptwache die Nacht verbracht, insgesamt habe der Kältebus 195 Menschen auf der Straße gezählt.

Alle Einrichtungen im Stadtgebiet hätten schon jetzt gut zu tun, aber das System sei keineswegs überlastet, sagte Birkenfeld. „Ich denke, wir werden es auch in diesem Winter wieder schaffen können.“ Obwohl derzeit manchmal der Eindruck erweckt werde, durch die steigenden Flüchtlingszahlen würden die Obdachlosen vergessen, hätten die Stadt und alle sozialen Träger „beide Menschengruppen im Blick“.

Ulrich Schäferbarthold, Abteilungsleiter für Wohnungslosenhilfe beim Frankfurter Caritasverband, berichtete, man habe den Eindruck, dass die Zahl der Wohnungslosen in der Stadt ansteige. Mit harten Zahlen könne man das zwar nicht belegen, „aber wir spüren diese Zunahme“, sagte Schäferbarthold. Der Grund dafür sei vor allem der enge Wohnungsmarkt in Frankfurt.

Seine Kollegin Evelyne Becker von der Caritas ergänzte, durch das knappe Angebot an günstigem Wohnraum gebe es einen „Stau“ in den Wohnheimen. Wohnungslose, Zuwanderer aus Osteuropa und Flüchtlinge hätten es schwer, eine eigene Wohnung zu finden. Speziell für Menschen aus Polen, Rumänien und Bulgarien werde man daher ab Februar ein neues Hilfsprogramm aufsetzen, sagte Becker. Mit Geldern aus dem Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) der EU und des Bundessozialministeriums wolle man die Menschen besser beraten und auch Deutschkurse anbieten.

Karin Kühn von der Diakonie sagte, der Tagestreff Weißfrauen für obdachlose Frauen in der Gutleutstraße werde in diesem Jahr erstmals 30 Schlafplätze anbieten. Der Tagestreff werde derzeit jeden Tag von rund 40 bis 50 Frauen besucht, sagte Kühn. Das nahgelegene „Weser 5“ suchten täglich rund 200 Menschen auf.

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