Weihnachtsmarkt als Einnahmequelle

Mehr Obdachlose zur Weihnachtszeit

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Während des Frankfurter Weihnachtsmarkts steigt die Zahl der wohnungslosen Menschen in der Stadt. Sie kommen wegen der besseren Arbeits- und Bettelmöglichkeiten.

Einige Einwohner Frankfurts beobachteten an den zurückliegenden Tagen in den Morgenstunden mehr obdachlose Menschen in ihrer Wohngegend. Mal schlafen zwei Männer geschützt vor Regen und Wind unter dem Tisch eines Cafés im Gutleutviertel. Mal wühlt ein Obdachloser in der Nähe seines Schlafplatzes in einer Mülltonne im Nordend. Und es stellt sich die Frage, ob die Zahl der Obdachlosen zugenommen hat und eine Art Verdrängung in andere Stadtteile als die Innenstadt stattfindet?

Christine Heinrichs, Bereichsleiterin beim Frankfurter Verein für soziale Heimstätten und zuständig für den Kältebus, kann das nicht bestätigen. Sie sagt, die Situation sei die Gleiche wie immer. Es gebe zwei Bereiche, an denen sich die obdachlosen Menschen sammeln würden: die Hauptwache und das Bahnhofsviertel. „Dort gibt es Schlafplätze, an denen sich bis zu 40 Personen aufhalten“, sagt Heinrichs. Viele Obdachlose seien „sehr strukturtreu“, weshalb das Team des Kältebusses häufig dieselben Personen an denselben Orten antreffen würde. Viele der Menschen wollten ihren Platz nicht verlassen; nur ausnahmsweise werde das Angebot angenommen, sich in eine Unterkunft fahren zu lassen. „Material wie Isomatten und Schlafsäcke, werden aber sehr gerne angenommen.“ Pro Nacht lege der Bus bis zu 120 Kilometer zurück. Dabei gebe es durchaus immer vereinzelte Obdachlose, die in den verschiedenen Frankfurter Stadtteilen von West bis Ost die Nacht verbringen. „Das sind dann meist psychisch kranke Menschen, denen wir helfen und die wir schützen wollen.“ 

Auch Manuela Skotnik, Referentin der Sozialdezernentin, hat in den vergangenen Wochen keine steigende Zahl von Obdachlosen erfasst. Es sei allerdings so, dass die Zahl der wohnungslosen Menschen aufgrund des Weihnachtsmarktes zunehme. Durch ihn würden sich mehr Möglichkeiten zum Betteln und Arbeiten ergeben. Auch Flaschensammeln sei in dieser Zeit lukrativer. Daher kämen mehr Südosteuropäer in der Vorweihnachtszeit nach Frankfurt.

Im Diakoniezentrum Weser 5 im Bahnhofsviertel beobachtet Leiter Jürgen Mühlfeld das Phänomen ebenfalls. Da die Menschen aus Osteuropa keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben, dürften sie nicht in der Unterkunft im Ostpark schlafen. Viele würden deshalb in die Weserstraße 5 kommen und die Nacht dort in der Notunterkunft verbringen. „Wir haben hier eine hohe Fluktuation“, sagt Mühlfeld. Immer wieder sehe er neue Gesichter. 30 Personen könnten jede Nacht dort schlafen. Momentan sei noch Platz, aber sobald die Nächte sehr kalt werden, werde das Weser 5 immer voll sein. Obdachlose im Gutleutviertel seien keine Besonderheit, sagt Mühlfeld. Auch in Sachsenhausen rund um den Südbahnhof würden sich wohnungslose Menschen sammeln. „Das war schon immer so.“

Sozialarbeiterin Vera Maryska von der Beratungsstelle Casa 21 der Caritas sagt, dass sich viele der wohnungslosen Menschen belebte Straßen aussuchten, um ihren Lebensunterhalt zu erbetteln. Auch der Schlafplatz sei dann normalerweise in der Nähe, damit sie am Morgen nicht weit zu ihrem Platz laufen müssten. Aber einige würden sich auch ruhigere Schlafplätze und Nischen suchen, in denen sie nicht gleich entdeckt würden. Dies seien meist Plätze außerhalb von Fußgängerzonen, unter Autobahnbrücken, im Stadtwald oder durchaus auch in Sträuchern und Büschen. Maryska berichtet, dass viele Obdachlose eine Notunterkunft ablehnen, weil sie dort keinen Freiraum hätten und sich manchmal auch nicht mit den anderen Schlafgästen vertrügen.

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