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Adventsfenster in Griesheim.

Griesheim

Auf gute Nachbarschaft

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Bei der Adventsfenster-Aktion flanieren und feiern die Griesheimer. Los geht es am 1. Dezember - auch in zahlreichen anderen Stadtteilen.

Holger Isenbart ist froh, dass es weitergeht. Der Griesheimer blickt voraus. Stolz berichtet er von Sohn Sune. Der Elfjährige will unbedingt die Aktion Griesheimer Adventsfenster fortführen. Besagte Fenster sind eigentlich ein Brauch aus der Schweiz. Zu den dunklen Dezembertagen schmücken Nachbarn festlich hinter den Scheiben. Dann spazieren sie in der Dämmerung von Haus zu Haus, klönen, singen, beten. Freuen sich auf das Weihnachtsfest, auf die Ankunft Jesu Christi.

Freude, das ist ein Wort, das Helle Isenbart immer wichtig gewesen ist. Auch gute Nachbarschaft ist ihr stets ein Anliegen gewesen. Da sind ihr die Adventsfenster gerade richtig gekommen. „Wir probieren das einfach aus“, hat sie gesagt, erzählt Holger Isenbart. Erst sind es ein paar Freunde, die mitmachen. Dann weitet sich die Aktion aus, wird zum festen Bestandteil der Vorweihnachtszeit im Stadtteil.

Im März ist Helle Isenbart gestorben. Sie wurde 47 Jahre alt. Ihre Adventsfenster wird es aber weiter geben. Dafür sorgt Sohn Sune. Holger Isenbart, der Witwer, hält sich eher zurück. „Ich kenne mich nicht so gut aus mit Facebook“, sagt er, ein Smartphone besitze er auch nicht. Das Telefonieren übernimmt deswegen Sascha Mahl, Wahl-Griesheimer und im Nebenberuf Stadtführer.

Einnahmen aus seinen Bunker-Führungen hat er zum Beispiel in die Gestaltung und den Druck der Plakate für die Adventsfenster gesteckt. Aber eigentlich helfen alle Griesheimer mit. „Das Programm hatten wir in acht Tagen zusammen“, sagt Mahl. Die Gastgeber schmücken nicht nur ihre Fenster, sie bieten regelrecht 24 Events an, sagt Mahl. „Die Griesheimer waren sofortbereit.“

„Ich freue mich schon“, sagt Holger Isenbart dazu. Ihm sei allerdings egal, ob es ein Event gibt oder nicht. Auch, wie viel Spendengeld für Griesheimer Kindereinrichtungen zusammenkommt. Das sei eher ein Nebeneffekt. Wichtig sei, dass man sich trifft.

Das Sozialgefüge pflegen, so nennt es Sascha Mahl. „Wir zeigen, dass in Griesheim richtig viel los ist, dass sich Vereine, Geschäfte und Privatleute für die Gemeinschaft engagieren.“ Zumal immer mehr Leute neu im Stadtteil seien. Das merkt Mahl bei seinen Griesheim-Führungen. Junge Leute laufen dort mit, Studenten, Banker. „Die fragen sich, wo sie eigentlich gelandet sind.“

Informationen darüber können sie auf drei Facebook-Seiten erfragen. Die größte davon, „Griesheim, mir gefällt’s!“, betreut Sandra Birkenbach. Auch dort hat Helle Isenbart gewirkt, hat Spuren hinterlassen. „Wenn Leute pauschal geschimpft haben, darauf hat sie allergisch reagiert“, sagt Birkenbach. Virtuelle Treffpunkte hat der Stadtteil also.

„Einen richtigen zentralen Treffpunkt gibt es in Griesheim aber nicht“, sagt Holger Isenbart. Etwa eine Schweizer Straße, die in Sachsenhausen mit ihren Geschäften und Lokalen eine Anlaufstelle biete. Bei den Adventsfenstern gibt es die sehr wohl. Manche Geschäfte oder Vereine nutzen ihr Adventsfenster-Event sogar als Weihnachtsfeier.

Erstmals orientiert sich das Adventsfenster-Geschehen auch mehr zur Mitte des Stadtteils hin, wagt sich über die Bahngleise. Früher war eher wichtig, dass alle Stationen fußläufig zu erreichen sind. Weil Griesheim sich aber verändere und immer mehr Neubürger anziehe, will Mahl nun auch versuchen, den ganzen Stadtteil einzubeziehen. Nicht nur beim Adventsfenster. „Wir sollten die drei Teile stärker verbinden.“

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