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Seine Ausstellung 2018 war die erfolgreichste in zehn Jahren Caricatura: Otto mit einem Ottifanten.

Caricatura

Wie sieht die Zukunft der Frankfurter Caricatura aus?

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Die Stadt prüft die Autarkie des Museums für Komische Kunst, aber die politische Unterstützung ist gering. Wie sich Direktor Achim Frenz die Zukunft der Caricatura vorstellt.

Das Jubiläum ist verstrichen, die Zukunft bleibt ungewiss. Am 1. Oktober 2018 wurde die Caricatura, das Museum für Komische Kunst in Frankfurt, zehn Jahre alt. Im alten Leinwandhaus, Weckmarkt 17, hat sich die Institution in diesem Jahrzehnt einen Ruf über Deutschland hinaus erkämpft. Jenseits der Dauerausstellung mit Werken der Neuen Frankfurter Schule von Robert Gernhardt bis Chlodwig Poth, von Hans Traxler bis F. K. Waechter gab es Sonderschauen von Künstlern der nächsten Generation – Greser & Lenz, Rudi Hurzlmeier und viele andere. Zuletzt erwies sich die Ausstellung zum 70. Geburtstag von Otto Waalkes 2018 mit 41 438 Besuchern als bisher größter Publikumsmagnet. Kein Zweifel: Die Caricatura ist trotz ihres beengten Raumes und ihrer nur dreieinhalb (!) Beschäftigten ein Aushängeschild für die Kulturstadt Frankfurt.

Doch leider eines mit ungewisser Zukunft. Seit zehn Jahren steht Achim Frenz (61) an der Spitze des Hauses. Und fast so lange kämpft der Kulturwissenschaftler für die Eigenständigkeit seines Museums – das aber noch immer nur eine Abteilung des Historischen Museums mit Direktor Jan Gerchow an der Spitze ist.

Dass diese beiden Personen, der kreative Chaot Frenz und der preußisch-korrekte Gerchow, nicht miteinander können, bedarf keines Beweises mehr. Die Zerrüttung wurde 2018 bis zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Frenz getrieben, weil der sich angeblich in der FR öffentlich über unzureichende Mittel beschwert hatte. „Wenn beide Ehepartner nicht mehr an die Ehe glauben, ist die Scheidung angesagt“, urteilt bündig Oliver Maria Schmitt, der frühere Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, heute Mitglied im Kuratorium, einer Art Aufsichtsrat, der Caricatura.

Schmitt fordert im Gespräch mit der FR „ein Schlusswort“ von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), das unmittelbar jetzt zur Eigenständigkeit führen müsse. Die Stadt Frankfurt brauche ein „Deutsches Museum für Komische Kunst“. Frankfurt drohe beim Thema Komische Kunst den Anschluss zu verlieren. München plant die Gründung eines „Hauses des Humors und der Komischen Kunst“. Dort ist ein Satire-Star wie Gerhard Polt die treibende Kraft – er sammelt Geld und Mitstreiter.

Und die Kulturstadt Frankfurt? Komische Kunst genießt hier keine große politische Rückendeckung. Achim Frenz meldet sich in der FR nun zum ersten Mal selbst zu Wort. „Die Stadt muss sich jetzt entscheiden, ob sie möchte, dass dieses Haus weiter existiert“, sagt er schlicht. Das städtische Kulturamt immerhin prüft nun offiziell, unter welchen Umständen und mit welchen Kosten die Caricatura selbstständig werden könnte. Es gab ein erstes Gespräch mit Frenz. Noch in diesem Jahr solle ein Ergebnis vorliegen, vorher wolle sich die Kulturdezernentin nicht äußern, sagt Hartwigs Sprecherin Jana Kremin. Von großer Dringlichkeit ist nichts zu spüren.

Derzeit bekommt das kleine Museum einen städtischen Zuschuss von 510.000 Euro im Jahr. Oliver Maria Schmitt glaubt, dass man diesen Etat lediglich „um 20 Prozent“ erhöhen müsse, um die Selbstständigkeit des Hauses zu finanzieren. Außerdem brauche es „ein bis zwei Stellen mehr“.

Frenz verfügt noch über eine Büroangestellte und eine halbe Stelle für einen Kurator und eine weitere Büroangestellte – das ist seine gesamte Personalausstattung. Der Direktor rechnet vor: „Ich habe noch vier Jahre bis zur Rente.“ In dieser Zeit hoffe er, das Haus neu aufstellen zu können. Es brauche grundsätzlich eine Erweiterung der Räumlichkeiten. „Wir sind sehr eng untergebracht – wir benötigen Lagerräume, Büroräume und auch mehr Platz für Ausstellungen.“

Frenz möchte überdies mit gezielten Ankäufen die Sammlung des Museums über die Neue Frankfurter Schule hinaus erweitern. Die nächste Generation der Karikaturisten und Satiriker soll ihren festen Platz in Frankfurt finden. Da fallen die Namen von Franziska Becker, Greser & Lenz, Rudi Hurzlmeier, Ernst Kahl, Ralf König und anderen.

In Sachen Sammlung gibt es immerhin ein positives Zeichen. Mit finanzieller Hilfe einer Stiftung soll ein größeres Konvolut der Arbeiten des Zeichners und Autors Ernst Kahl angekauft werden. Von rund 100 000 Euro an Investionen ist die Rede. Diese Werke will die Stiftung dann als Dauerleihgabe dem Museum zur Verfügung stellen. Doch Kahl gehört nicht zur neuen Generation: Er feiert am 11. Februar seinen 70. Geburtstag – aus diesem Anlass eröffnet am 7. Februar eine Einzelausstellung des Künstlers in der Caricatura.

Oliver Maria Schmitt kritisiert die Untätigkeit der Kommunalpolitik: „Es wird nichts entschieden, nach dem Motto: Wer nichts tut, macht keine Fehler.“ Der Zuspruch in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen für die Caricatura fällt eher mau aus. „Ich würde gerne erst mal den Bericht des Kulturamtes sehen, bevor ich etwas sage“, erklärt Michael zu Löwenstein, CDU-Fraktionschef im Römer. Dass Achim Frenz seit zehn Jahren die Caricatura nahezu im Alleingang betreibt, nimmt zu Löwenstein als gutes Zeichen: „Man sieht, dass ein engagierter Mann eine Menge ausrichten kann.“

Volle Unterstützung gibt es nur vom kleinsten Regierungspartner im Römer, den Grünen. „Wir sind unabhängig von der Finanzierung dafür, dass das Caricatura-Museum eigenständig wird,“ sagt Sebastian Popp, der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion. Jan Gerchow, der Direktor des Historischen Museums, möchte zum Thema Caricatura gar nichts sagen – er verweist auf das Büro der Kulturdezernentin.

Wenn Achim Frenz von der Zukunft seines Museums träumt, dann wünscht er sich einen Anbau seines Hauses auf dem Gelände am Weckmarkt. Zu dem Traum gehört auch, dass in Frankfurt eine Akademie für Komische Kunst eingerichtet wird, „die Traditionen und Formen erforscht“. Und dass an der Goethe-Universität eine Professur für Komische Kunst entsteht.

Dann besinnt sich Frenz und sagt fast erschrocken: „Aber das ist natürlich eine Utopie.“ Die Wirklichkeit in der Kulturstadt Frankfurt sieht anders aus.

Das Eichstätter Architekturbüro Diezinger+Kramer plante 2007/2008 den Umbau des denkmalgeschützten Leinwandhauses in der Frankfurter Innenstadt, Weckmarkt 17, zum Museum für Komische Kunst.

Im Erdgeschoss gibt es eine 250 Quadratmeter große und sechs Meter hohe Halle mit neu eingebauter Galerie. Das ist der Ort für die Wechselausstellungen sowie für Eröffnungen und Lesungen. Im ersten Stock präsentiert die Dauerausstellung die Zeichner der Neuen Frankfurter Schule.

Im zweiten Geschoss finden sich die Medienlounge, in der es auch einen Kaffee gibt, sowie die Bibliothek der Komischen Kunst.

Unter den 30 wichtigsten Ausstellungen seit Eröffnung des Hauses am 1. Oktober 2008 war „Otto – Die Ausstellung“ 2018 mit rund 41.500 Besuchern die erfolgreichste.

Auf Rang zwei folgten 2011 Gerhard Haderer (38.392 Besucher), dann Frank Hoppmann (26.054 ) und Gerhard Glück (25.831). jg

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