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Wird Herr im eigenen Haus; Caricatura-Direktor Achim Frenz.

Kultur 

Caricatura-Museum in Frankfurt wird eigenständig

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Das Museum für komische Kunst ist von April an keine Abteilung des Historischen Museums mehr, und es erhält einen weiteren Kurator.

Es ist das Ende des andauernden Streits zwischen den beiden Frankfurter Museumsdirektoren Achim Frenz, Leiter des Caricatura-Museums, und Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums.

Die Caricatura, das Museum für komische Kunst in Frankfurt, ist von 1. April an nicht mehr dem Historischen Museum untergeordnet. Das sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) am Dienstag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. „Die Caricatura wird eigenständig. Damit wird der Streit befriedet“, sagte sie.

Zerrüttet wurde das Verhältnis der Direktoren unter anderem durch die Frage, wie mit den Mitteln in Höhe von 900 000 Euro im Jahr umzugehen sei, welche die Stadt laut Hartwig jedes Jahr für die Caricatura bereitstelle. Weil sich der 61-jährige Achim Frenz in der Frankfurter Rundschau beschwert hatte, dass das Geld, mit dem auch das Gebäude betrieben und das Personal bezahlt wird, nicht für den Ankauf von neuer Kunst reiche, hatte Jan Gerchow 2018 ein Disziplinarverfahren gegen Achim Frenz eingeleitet.

Über die Verwendung der Mittel muss sich Frenz künftig mit dem städtischen Kulturamt verständigen. Es ist weisungsbefugt und übernimmt die Verwaltung des Museums. „Eine Einmischung in die inhaltliche Arbeit wird es auch künftig nicht geben“, hielt Stadträtin Hartwig fest. Die Caricatura, in der nach Angaben der Stadt neben Frenz derzeit noch ein weiterer Kurator tätig ist, werde um einen dritten Kurator ergänzt.

An dem Kompromiss hätten Frenz und Gerchow mitgearbeitet, sagte Hartwig, die sich zu dem Konflikt nicht weiter äußern wollte. „Durch die Eigenständigkeit wird die Caricatura gestärkt“, sagte sie.

Das Haus Das Caricatura Museum Frankfurtzeigt noch bis 12. Mai eine Einzelausstellung zum Zeichner, Autor und Musiker Ernst Kahl , der unter anderem in Pardon, Konkret und Titanic veröffentlicht und Drehbücher zu „Werner beinhart“ geschrieben hat.

In der Dauerausstellungsind Werke der Neuen Frankfurter Schule - Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler, F. K. Waechter - zu sehen. Im Jahr 2018 kamen 65 840 Besucher in das Museum im alten Leinwandhaus am Weckmarkt 17. fle

Hartwig stellte in Aussicht, dass das Museum weitere Mittel zur Erweiterung der Sammlung erhalten könnte. Das schwebt auch Frenz vor, der das Museum, das sich vornehmlich der Neuen Frankfurter Schule widmet, um die nächste Generation von Karikaturisten erweitern möchte. Namen, die genannt werden, sind Greser & Lenz, Ralf König, Franziska Becker - und Ernst Kahl, zu dem noch bis 12. Mai eine Sonderausstellung zu sehen ist.

„Wir mussten eine pragmatische Entscheidung treffen, damit sich die Situation kurzfristig verbessert“, sagte Hartwig. Dabei habe sie verschiedene Optionen abgewogen. Dazu zählte, die Caricatura nicht nur vom Historischen Museum zu entkoppeln, sondern auch mit eigener Verwaltung auszustatten, was aus Kostengründen verworfen worden sei. Auch wurde geprüft, alles zu belassen, wie es ist, was sich aufgrund des lähmenden Streits aber nicht als sinnvoll erwiesen habe. So sei die Eigenständigkeit des Hauses unter Verwaltung durch das Kulturamt als Lösung entstanden.

„Die Caricatura wird deutschlandweit sehr stark wahrgenommen und hat viele Entwicklungsmöglichkeiten“, sagte Hartwig.

Weitere Änderungen betreffen das Kuratorium, eine Art Aufsichtsrat des Museums. Dort übernimmt der Frankfurter Unternehmer und Kunstmäzen Claus Wisser den Vorsitz vom früheren Bankmanager Hilmar Kopper, der dem Gremium noch ein Jahr erhalten bleibe.

Die neue Eigenständigkeit des Museums will Hartwig bis zum Jahresende beobachten, um sie dann zu evaluieren. Dabei sollen die Stadtverordneten eingebunden werden, die darüber zu entscheiden haben, ob mehr städtisches Geld für den Ankauf von komischer Kunst ausgegeben werden soll.

„Die Stadtverordneten müssten auch eine komplette Neuaufstellung des Museums beschließen“, sagte Hartwig. Vielleicht taut dann die Debatte um einen möglichen Anbau wieder auf. Davon hatte Achim Frenz zuletzt geschwärmt, weil die Räume im alten Leinwandhaus am Weckmarkt sehr begrenzt seien.

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