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So gut wie sie möcht ich’s auch mal haben.

Zukunft der Caricatura

„Die Not öffentlich machen“ - Gespräch über die Zukunft der Frankfurter Caricatura

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Claus Wisser, Vorsitzender des Kuratoriums des Museums für Komische Kunst, und Direktor Achim Frenz über die jetzt nötigen Ankäufe für die Frankfurter Caricatura, die Konkurrenz in München und den Kampf gegen rechts.

Claus Wisser (77) ist Unternehmer und Gründer des Dienstleistungskonzerns WISAG, der heute rund 50.000 Mitarbeiter umfasst. Der Sozialdemokrat ist seit Jahrzehnten als Mäzen und Unterstützer der Kulturszene aktiv. Er war Mitbegründer des Rheingau-Musikfestivals und fördert das Städel-Museum und andere Institutionen. Achim Frenz (61) studierte Kunst in Kassel und gründete 1987 die „Caricatura Kassel“ im dortigen Kulturbahnhof. Seit 2008 leitet er das Caricatura, das Museum für Komische Kunst in Frankfurt, Weckmarkt 17. 

Herr Wisser, Sie haben sich bereits als Mitbegründer des Rheingau-Musikfestivals und Unterstützer des Rheingau-Literaturfestivals kulturell engagiert. Jetzt haben Sie den Vorsitz des Kuratoriums des Caricatura- Museums in Frankfurt übernommen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Wisser: Es gibt keine Zufälle im Leben. Auch das ist kein Zufall. Hilmar Kopper stand seit der Gründung des Museums 2008 an der Spitze des Kuratoriums. Er fragte mich, ob ich mich engagieren wolle, und ich sagte zu, denn ich halte Karikatur für eine der schönsten Formen, sich humorvoll zu streiten. 

Herr Frenz, was bedeutet es für das Museum für Komische Kunst, dass sich der Unternehmer Wisser dort engagiert?
Frenz: Das ist für unser Museum ein Glücksfall. Claus Wisser hilft uns sehr und hat uns auch in der Vergangenheit schon oft geholfen. Auch bei Hilmar Kopper möchte ich mich sehr für seinen ständigen Einsatz für die Komische Kunst bedanken. Ich hatte ihn damals schon lange vor der Eröffnung des Museums gefragt, ob er unser Museum unterstützen würde, und er hatte sofort Ja gesagt.

Claus Wisser: „Karikatur ist etwas originär Frankfurterisches“

Herr Wisser, seit geraumer Zeit gibt es ja Bestrebungen, die Caricatura in ein selbstständiges Museum umzuwandeln. Ist das auch Ihr Ziel?
Wisser: Ich will mich in den Streit zwischen Historischem Museum und Caricatura nicht einmischen. Das neue Historische Museum halte ich für sehr gelungen, aber es ist zu klein, um auch noch die Komische Kunst unter seinem Dach zu beherbergen. Karikatur ist etwas originär Frankfurterisches. Es wäre ausgesprochen schade, wenn wichtige Sammlungen anderswo eine Heimat fänden, nur weil dort die nötigen Mittel vorhanden sind. Hier in Frankfurt tun wir uns noch sehr schwer damit, Geld für die Komische Kunst zu mobilisieren.

Was wäre der Vorteil eines selbstständigen Museums?
Wisser: Es besäße eine eigene Identität. 

Frenz: Der Plan eines Caricatura-Museums in Frankfurt war von Anfang an auf die Selbstständigkeit ausgerichtet. Das war auch die Idee des früheren Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff. Die Wurzeln der Karikatur und Satire in Frankfurt reichen bis zur bürgerlichen Revolution von 1848 zurück. Die Zeitschrift Pardon wurde hier gegründet, die Titanic arbeitet seit 40 Jahren hier. Die ersten Jahre haben gezeigt, dass das Caricatura-Museum von der Frankfurter Stadtgesellschaft angenommen wurde und sich großen Zuspruchs erfreut. Die erste Raketenstufe wurde vor zehn Jahren gezündet und nun kommt die zweite, um in die richtige Umlaufbahn zu gelangen, um ein Museum zu werden mit bundesweiter und internationaler Ausstrahlung.

Herr Wisser, was sind die nächsten wichtigen Schritte für das Museum?
Wisser: Gegenwärtig geht es darum, sich aus der Verwaltung des Historischen Museums zu lösen. Das ist ein Wagnis. Jetzt hat sich die personelle Ausstattung sehr verbessert. Dafür müssen wir dem Magistrat und Kulturdezernentin Ina Hartwig danken, auch dem Leiter des Historischen Museums, Jan Gerchow, der daran mitgewirkt hat. Wer die beiden Menschen Frenz und Gerchow kennt, der weiß, dass sie sehr unterschiedlich sind. Jetzt wird von dem Caricatura erwartet, dass es eigene Sponsoren und Förderer findet. Das fällt leichter, wenn das Haus eigenständig ist. Wir werden das Kuratorium noch um die eine oder andere interessante Person erweitern.

Sie planen die Zukunft der Caricatura: Achim Frenz (links) und Claus Wisser.

Würden Sie sich finanziell engagieren für das Haus? Für eine Erweiterung der Sammlung?
Wisser: Das habe ich bereits getan.

Herr Frenz, ist es wichtig, dass die Sammlung jetzt weiter wächst? Welche Ideen haben Sie dazu entwickelt?
Frenz: Ich finde es sehr wichtig. Denn das Museum kann noch einmal deutlich machen, wofür es steht. Es steht natürlich für die Neue Frankfurter Schule: Robert Gernhardt, Hans Traxler, F.K. Waechter, Clodwig Poth. Wir sind kein regionales Museum, sondern wir erheben nationalen Anspruch. Wir müssen jetzt die besten Künstler mit ihren Werken in die Sammlung holen. Viele Künstler haben schon ihr Interesse bekundet.

Sehen Sie das auch so, Herr Wisser, dass die Caricatura deutschlandweit das führende Museum der Komischen Kunst ist?
Wisser: Bei den Akteuren und Ausstellungen ist das sicher so. Bei der Sammlung sehe ich das noch nicht. Es kann aber so werden. Das erfordert große Anstrengungen. 

Die Sammlung muss jetzt also wachsen?
Wisser: Sie wächst ja auch. Wir haben eine neue Dauerleihgabe eines Werkes von Ernst Karl erhalten, finanziert durch die Adolf-und-Luisa-Haeuser-Stiftung. Es gibt eine Handvoll Mäzene in Frankfurt, die immer gefragt werden. Dazu gehören unter anderen die Familie von Metzler, dazu gehören Wolfgang Steubing, Karin und Carlo Giersch, Josef Buchmann und auch ich manchmal. Lange Zeit war Kultur eine Angelegenheit der öffentlichen Hand. Heute ist es nötig, dass Privatinitiative und der Staat Hand in Hand arbeiten.

Andererseits lebt die Kulturstadt Frankfurt von ihren Mäzenen.
Wisser: Ja, und sie müssen ihre Mittel auf die gesamte Kulturszene und auf 60 bis 70 Museen aufteilen.

Caricatura bekommt Konkurrenz aus München

Welche Künstler sollten jetzt angekauft werden?
Frenz: Es geht um die Zeichner-Generationen, die durch die Neue Frankfurter Schule beeinflusst wurden. Greser und Lenz gehören unbedingt in die Sammlung. Rudi Hurzlmeier aus München wäre auch wichtig. Da sind wir eventuell in Konkurrenz mit dem neu geplanten Forum Humor und Komische Kunst in München. Dort entsteht gerade ein neues Karikaturenmuseum, sehr stark unterstützt von der Stadt und angetrieben von dem berühmten Schauspieler Gerhard Polt.

Wie schnell müsste jetzt gehandelt werden? Was ist mit der Konkurrenz in München?
Frenz: Die Münchener haben den Vorteil, dass sie am Anfang stehen und mit ganz anderen Summen einsteigen können. Dort werden Millionen aufgerufen. Da komme ich dann schon ins Grübeln und mache mir so meine Gedanken.

Was steht Ihnen in Frankfurt zur Verfügung?
Frenz: Etwa 500.000 Euro im Jahr.

Was bleibt davon für die Ausstellungen?
Frenz: Zirka 160.000 Euro im Jahr. Ohne das bei den Frankfurtern beliebte „Festival der Komik“.

Herr Wisser, da müsste doch unbedingt etwas passieren?
Wisser: Ja, wir geben ja nicht ohne Grund dieses Interview. Wir müssen und wollen die Not öffentlich machen. 

Frenz: Eine Hauptausstellung kostet um die 50.000 Euro. Wir müssen drei von diesen Ausstellungen im Erdgeschoss machen plus zwei Neuhängungen der Neuen Frankfurter Schule, unsere Dauerausstellung im ersten Stock. Das ist notwendiger denn je. Wir haben ja einen gesellschaftspolitischen Anspruch gerade in Zeiten von Fremdenfeindlichkeit, Rechtspopulismus und Charlie Hebdo, dem mit unserer Kunst entgegenzutreten.

Die Stadt müsste ihr Engagement erhöhen?
Wisser: Man kann nicht nur stets die Stadt fordern. Die Kulturdezernentin hat sich unserer Sache bereits angenommen, jetzt sind auch andere gefragt, etwas für das Museum für Komische Kunst zu tun. Private Geldgeber.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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