Denkmalpreis06_090920_1
+
Der Cantate-Saal im Großen Hirschgraben in Frankfurt ist als eines von mehreren Sanierungsprojekten mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet worden.

Denkmalschutz

Cantate-Saal erhält Preis

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
    schließen

Der Architekt Michael Landes hat den Cantate-Saal für die Fliegende Volksbühne Frankfurt preiswürdig restauriert. Nur knapp war der Saal zuvor dem Abriss entgangen.

Beinahe wäre der Cantate-Saal neben dem Frankfurter Goethehaus abgerissen worden – so wie das benachbarte Buchhändlerhaus, das dem neuen Romantikmuseum weichen musste. Das wäre schade gewesen, denn das in den Jahren 1953 bis 1957 nach den Plänen des Architekten Wilhelm Massing erbaute Hinterhaus mit dem großen Festsaal begeistert auch die Denkmalschützer. Am Dienstag hat die einfühlsame Restaurierung des Frankfurter Architekten Michael Landes einen Hessischen Denkmalschutzpreis in der Kategorie „Öffentliches Bauen“ erhalten.

Der Cantate-Saal steht geradezu beispielhaft für die Architektur der Wiederaufbauzeit in der stark zerstörten Stadt. Anstatt die Abrissbagger zu bestellen, entschloss sich die Eigentümerin, die städtische ABG Frankfurt Holding, das rund 65 Jahre alte Haus zu sanieren und zu revitalisieren. Nun bietet der frisch sanierte frühere Festsaal des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels der „Fliegenden Volksbühne“ von Michael Quast eine neue Heimat. Von einem „Glücksfall“ spricht der Frankfurter Denkmalpfleger Stefan Timpe.

Die Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises

Der Hessische Denkmalschutzpreis wird in mehreren Kategorie verliehen. Am Dienstagnachmittag hat das Landesdenkmalamt bei einer Feier in Schloss Biebrichg in Wiesbaden die Gewinner geehrt. In der Kategorie Private Preisträger geht der 1. Platz, verbunden mit 8000 Euro Anerkennung an Dieter Wölfel, der das Haus Lamberti in Kiedrich im Rheingau gerettet hat. Andreas und Gudrun Friesenhahn erhalten 6000 Euro für ihre vorbildliche Sanierung eines Fachwerkhauses in Wiesbaden-Delkenheim, und ebenfalls 6000 Euro gehen an Gerd Hausner für die Restaurierung der ehemaligen Wachswarenfabrik Eika in Fulda. In der Kategorie Öffentliche Preisträger wird Armin Niedenthals Sanierung der Gesamtanlage Rhönring-Spessartring für die Bauverein AG in Darmstadt mit einem ersten Platz ausgezeichnet. Die Renovierung des Marburger Kunstgebäudes durch Katharina Krause für die Universität Marburg kam auf den zweiten Platz. Den dritten Platz kann Bürgermeister Julian Neubert für die Stadt Lich entgegennehmen, die die Ober-Bessinger Pforte restauriert hat. er teilt ihn sich mit Christopher Brocke für die ABG Frankfurt Holding, die den Cantate-Saal im Großen Hirschgraben vor dem Abriss bewahrt hat. Der Ehrenamtspreis geht an den Langenbacher Ortsvorsteher Markus Lang für die Instandsetzung des Wiegehäuschens mit Viehwaage in dem Weilmünsterer Ortsteil. Er ist verbunden mit 2500 Euro. Die selbe Summe erhalten Bernhard Höpfner für die Sanierung des Bismarckturms in der Gemarkung Gießen sowie Christina und Ernst Grabsch aus Limeshain für ihr Lebenswerk im Bereich Archäologie in der Wetterau. aph

Landes schwärmt von der Schönheit der Räume, und auch Hausherr Quast kann ihm da nur beipflichten. „Das ist der schönste Hof von Frankfurt“, sagt er. Sein Büro habe ein neues Haus über den historischen Cantate-Saal gestülpt, sagt Landes. Die neu entstandenen Arkaden bilden nun ein Entree für das Theater.

Fast genau so wie früher.

Landes ist es mit seiner Restaurierung gelungen, zahlreiche Details aus den Jahrzehnten unterschiedlicher Nutzung – Festsaal, Volkstheater, Kino – zu sichern und wieder sichtbar zu machen. Das mag teurer gewesen sein, hat sich aber gelohnt, wie ein Besuch zeigt. Allein die sorgfältig wieder aufgearbeiteten schwingenden Sitze – vermutlich aus der Zeit, als hier das Programmkino „Lupe 2“ untergebracht war – schaffen eine ganz eigene Atmosphäre.

Die meisten Böden, Geländer und Türen sind noch original aus der Erbauungszeit, die Farben wurden nach Originalbefunden rekonstruiert. Die moderne Beleuchtung passt sich unaufdringlich an.

Ein formidables Lichtspiel.

Der Stadt Frankfurt sei mit dem Cantate-Saal und seinem grandiosen Foyer ein wichtiges Stück Stadtgeschichte aus der Zeit „von Nitribitt und Nierentisch“ erhalten geblieben, betont die Jury, die sich zwischen 27 Bewerbungen für die besten Sanierungsbeispiele in Hessen entscheiden musste – angesichts der Qualität der Bewerbungen keine leichte Aufgabe, wie es hieß. Der Name Cantate-Saal hat übrigens nichts mit Singen zu tun, sondern leitet sich von einer alten Festtradition der Buchhändler am Sonntag Cantate her, dem vierten Sonntag nach Ostern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare