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Frankfurter Verkehrswende: Das Fahrrad soll künftig das Auto von der Straße drängen.

Autoverkehr am Alleenring

Frankfurt: Campusmeile nimmt langsam Formen an

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Die Stadt will den Autoverkehr am Alleenring reduzieren. Bürger sollen sich in Planunsgwerkstätten einbringen.

In der Zukunft rollen deutlich weniger Autos über den Alleenring als heute. Das nehmen Besucher der Sitzung des Ortsbeirats 3 am Donnerstag als Botschaft mit. Stadtplaner und Hochschuldozenten stellen Entwürfe vor, wie sich Studierende eine künftige Campusmeile an Miquel-, Adickes- und Nibelungenallee vorstellen: mit viel Grün, mit öffentlichen Flächen und Anlagen. Und mit ganz wenigen Autos.

An dem 2,5 Kilometer langen Abschnitt sind wichtige Bildungseinrichtungen zu finden: die Goethe-Universität, die Frankfurt School of Finance & Management, die Fachhochschule, pardon: Frankfurt University of Applied Sciences und die Deutsche Nationalbibliothek. Unter dem Stichwort „Campusmeile“ sollen sie künftig näher zusammenrücken.

Frankfurt ist auch eine Uni-Stadt, sagt Marcus Gwechenberger vom städtischen Planungsdezernat, das gehe angesichts der Banken, des Flughafens und der chemischen Industrie manchmal etwas unter. Aber: 60 000 junge Leute studieren in der hessischen Großstadt, mehr als in klassischen Uni-Städten. Die Meile soll so etwas wie das Museumsufer sein, eine Marke. Ein Boulevard der Wissenschaft.

35 Teams aus Deutschland haben beim Wettbewerb Entwürfe eingereicht, sieben erhalten einen Preis. Es sind nur Ideen, betonen Stadt und Hochschule. Der Planungsprozess beginne erst, ziehe sich über zehn bis 25 Jahre. Gleichwohl betonen die Verantwortlichen mehrmals, wie sehr sie das hohe Niveau der Arbeiten überrascht, gar begeistert.

So haben die Planer Ideen zusammengestellt, anhand derer sie das Projekt vorantreiben wollen. Die Campusmeile sei nun fest verankert im Stadtentwicklungskonzept. Die Mobilität der Zukunft setzt auf den Öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad. Besonders das Rad mache weniger Lärm, Abgase und benötige weitaus weniger Platz. Pendler könnten an sogenannten Hubs, an bestimmten Stationen umsteigen oder Shuttlesysteme nutzen.

Menschen drängen mehr ins Freie

Neue Entwicklung ist auch, dass die Menschen mehr ins Freie drängen, sagt Jean Heemskerk von der FH. Sei es, weil es wärmer geworden ist. Sei es, weil Menschen aus anderen Kulturkreisen zugezogen sind, die sich eher draußen aufhalten. Daher finden sich viele Begegnungsflächen in den Entwürfen.

Die Campusmeile benötige zudem ein Leuchtturmprojekt, etwas, das die Hochschulen entlang der Achse verbindet. Vielleicht ein gemeinsames Medien- und Lernzentrum, mit Angeboten für die Nachbarschaft. Auch das wollen die Stadtplaner vorantreiben. Eine Fläche wäre womöglich das Areal gegenüber der Nationalbibliothek, an der Ecke von Adickesallee und Eckenheimer Landstraße.

Geprägt hat den Begriff der Ortsbeirat 3. Bei allem Lob für die Entwürfe der Studierenden zeigen sich die Fraktionen darum am Donnerstag etwas pikiert, dass sie bei dem Wettbewerb nicht eingebunden waren. „Es hätte den Studenten nicht geschadet, mit den Experten vor Ort zu reden“, findet etwa Rüdiger Koch (SPD). Auch Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) mahnt an, die Meile nicht als abgehobenes Projekt zu realisieren, sondern die Bürger über Planungswerkstätten mit ins Boot zu holen.

Das nehmen die Hochschulvertreter und Stadt auf. Zunächst sei es eben darum gegangen, Ideen zu entwickeln, sagen sie zur Entschuldigung. Und darum, zu sehen, ob das Projekt überhaupt eine Zukunft habe. Nun sollen weitere Runde Tische zwischen den Hochschulen und auch Planungswettbewerbe folgen. Und gerne Planungswerkstätten mit Ortsbeirat und Bürgern. „Das erhöht die Authentizität des Projekts“, sagt Heemskerk.

Mehr Infossind im Netz zu finden unter: www.campusmeile.de

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