Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zur Erinnerung ein Foto.
+
Zur Erinnerung ein Foto.

Frankfurt-Bockenheim

Café Wiesengrund feiert Abschied

  • Denis Hubert
    VonDenis Hubert
    schließen

Bockenheim mit Kultur bereichern, das war ihr Auftrag. Doch die Rechnung der Inhaber ging nicht auf, sie konnten sich die Miete nicht mehr leisten. Um Schulden zu tilgen, sollen jetzt das Café-Inventar und Bücher verkauft werden.

Der Laden ist voll, doch die Stimmung ist gedrückt. Es ist Samstagabend: Das Café Wiesengrund feiert Abschied. Und das, obwohl der Anlass so gar kein festlicher ist. „Wir haben gesagt: Wer traurig ist, kann uns heute noch einmal sehen“, erläutert Hans-Jörg Zerwas, der das Literaturcafé in der Straße Am Weingarten gemeinsam mit Gerda Balke seit 2011 betreibt. Noch heute und morgen. Dann ist Schluss.

Bockenheim mit Kultur bereichern, das war ihr Auftrag. Doch die Rechnung der Inhaber ging nicht auf. Zerwas und Balke konnten sich die Miete am Ende nicht mehr leisten (die FR berichtete). Damit verliert Frankfurt einen Ort des politischen und intellektuellen Austauschs. Vortragsreihen und Matineen, Lesungen und Liederabende wird es im „Café littéraire, philosophique et critique“ künftig nicht mehr geben.

„Ich bin entsetzt“, sagt Anne Chavez. Vor zwei Wochen hatte die Schriftstellerin im Café noch aus ihrem Buch „Bis ins dritte und vierte Glied“ gelesen. „Für Leute, die sich für Literatur interessieren, war der Wiesengrund eine sehr gute Adresse“, findet sie. Die Atmosphäre sei nicht gewollt bürgerlich, sondern lässig und alternativ gewesen. Kurzum: „Das war ein tolles Lokal.“

Barbara Scholz-Evans hat das Café regelmäßig besucht. „Wir hatten einen Künstlerstammtisch“, erzählt sie. Oft habe sie Weggefährten von früher getroffen. Aus der sogenannten 68er-Generation. „Jetzt sind wir praktisch obdachlos“, sagt die Oberurselerin. Auch im Hinterraum, wo ein Buffet auf die Gäste wartet, herrscht Fassungslosigkeit. „Bockenheim wird ärmer“, sagt Wilma Aden-Grossmann, während sie einen Stapel Bücher durchwühlt.

Um den Erhalt des Cafés haben Hajo Zerwas und Gerda Balke schon immer kämpfen müssen. Bereits im Nordend, wo das nach dem Philosophen Theodor Wiesengrund Adorno benannte Etablissement im Erdgeschoss des Logenhauses in der Finkenhofstraße einst eröffnete. 2005 war das.

Doch die hohe Miete hat den Betreibern das Genick gebrochen. „Für ein Lokal, das mehr einen kulturellen denn gastronomischen Anspruch hat, ist das nicht machbar“, sagt Zerwas. Vor allem, wenn die Gäste ausbleiben. Denn an Tagen ohne Veranstaltung blieb das Lokal oft leer. „Literarisch und künstlerisch am Puls der Zeit rumfühlen zu wollen, das ist nicht gefragt“, gesteht der 65-Jährige ein.

Um Schulden zu tilgen, sollen jetzt das Café-Inventar und Bücher verkauft werden. Für die Küche, in die Zerwas und Balke beim Einzug investiert hatten, gibt es womöglich schon einen Abnehmer. Auch Anne Chavez will helfen. „Ich hätte gerne die zwei Stühle dort hinten“, sagt die Autorin und blickt durchs Lokal, vorbei an zahlreichen Gästen, die das Kulturzentrum ein letztes Mal würdigen.

Wie es danach weitergeht, ist unklar. „Ich würde ja wieder so ein Ding aus dem Boden stampfen“, sagt Zerwas, „doch die Chance tendiert gegen null.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare