Härtere Strafen für Maskenmuffel

Maskenpflicht gegen Corona im ÖPNV: Jeder Zehnte trägt die Maske falsch

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
    schließen

Der RMV begrüßt das neue Bußgeld von 50 Euro bei Verstößen gegen die Maskenpflicht - denn jeder Zehnte hält sich nicht daran. Künftig wird angezeigt, wie voll Bus und Bahn sind.

  • RMV begrüßt härteres Vorgehen gegen Maskenmuffel.
  • Wer im ÖPNV keine Maske trägt, soll ohne Vorwarnung 50 Euro Strafe zahlen.
  • RMV führt Auslastungsanzeige ein.

Frankfurt - Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) lobt das neue Bußgeld in Höhe von 50 Euro, das ab Samstag in Hessen für Maskenverweigerer in Bus und Bahn gilt. „Es war nicht umsetzbar, dass die Verweigerer erst verwarnt und beim zweiten Mal bestraft werden“, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Zum Schulbeginn ab Montag erwarte der RMV wieder mehr Fahrgäste, die im Nahverkehr deutlich enger zusammenrücken müssten. Derzeit liege die Auslastung bei 60 Prozent des Vorjahreszeitraums, zum Schulbeginn würden 15 bis 20 Prozent mehr Fahrgäste hinzukommen. „Im ÖPNV brauchen wir die Maskenpflicht“, betonte er.

Wie Tom Reinhold, Geschäftsführer der lokalen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq ausführte, tragen in den Fahrzeugen neun von zehn Fahrgästen die Maske korrekt. Sieben Prozent trügen sie falsch, etwa ohne sie über die Nase zu ziehen. Drei Prozent hätten gar keine Mund-Nase-Bedeckung dabei. In den Stationen ergebe sich ein anderes Bild. Hier verhielten sich sieben von zehn Fahrgästen korrekt, zwei von zehn hätten keine Maske an, einer von zehn trage sie falsch.

Alles richtig gemacht. Wer in Bus und Bahn Mund und Nase nicht bedeckt, muss ab Samstag zahlen.

Allein In Frankfurt wurden schon zwei Kontrolleure wegen der Maskenpflicht „krankenhausreif geschlagen

Für die Kontrollen sind allerdings nicht die lokalen Verkehrsbetriebe wie die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und ihr Tochterunternehmen zuständig, sondern die Stadt-, Landes- und Bundespolizei. „Unsere Mitarbeiter sind für solche Kontrollen schlicht nicht ausgebildet“, sagte Ringat. In den vergangenen Wochen seien im Verbundgebiet fünf Kontrolleure von Maskenverweigerern „krankenhausreif geschlagen worden“. Allein in Frankfurt habe es zwei Kontrolleure erwischt, ergänzte Michael Rüffer, Geschäftsführer der VGF.

„Schwarzfahrer haben eine andere Ideologie als Menschen, die aus Prinzip keine Masken tragen, da kommt es schnell zu Konflikt und Eskalation“, so Ringat. Mehr Kontrollen durch die Polizei oder ausgebildetes Sicherheitspersonal seien nötig. In Berlin, wo es ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro für Maskenmuffel gibt, kontrolliert das Sicherheitspersonal der Verkehrsbetriebe BVG.

Beim RMV soll es künftig eine Belegungsanzeige geben 

Ein Abstandsgebot von eineinhalb Metern wie in Restaurants oder Geschäften ist laut Coronaverordnung der Hessischen Landesregierung im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nicht vorgesehen. Damit die Fahrgäste künftig wissen, wie voll Bus und Bahn werden, führt der RMV eine Belegungsanzeige ein – so wie es die Deutsche Bahn (DB) im Fernverkehr vorgemacht hat. Ab September ist auf der mobilen Website des RMV (m.rmv.de) zu erkennen, wie hoch die Auslastung ist, ob gering, mittel oder hoch.

Grafisch wird das mit einer, zwei oder drei Personen dargestellt, die für eine Auslastung von bis zu einem Drittel oder bis zu zwei Dritteln oder 61 bis 100 Prozent stehen. Das Projekt haben RMV, VGF, Traffiq und der Hannoveraner Auskunftsspezialist Hacon erarbeitet. Sie setzen dabei auf Big Data.

Corona-Pandemie sorgt beim RMV für finaziellen Schaden in Millionen-Höhe

Die Verbindungsauskünfte, die auf den Portalen der Verkehrsbetriebe abgefragt werden, fließen ebenso ein wie das automatische Fahrgastzählsystem, das Traffiq an den Türen von insgesamt 115 Fahrzeugen - 56 U-Bahnen und Straßenbahnen sowie 59 Bussen - installiert hat. Das automatische Fahrgastzählsystem hat Traffiq ab 2015 eingeführt. Auch die S-Bahnen haben ein solches System. Der Algorithmus lerne ständig hinzu, sei aber noch in der Anfangsphase, sagte Rüffer. „Bitte geben Sie ihre tägliche Fahrt in der Verbindungsauskunft ein, damit sich das System verbessert“, warb er. Die Daten seien anonymisiert.

Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf den RMV schätzte Ringat auf „100 bis 200 Millionen Euro“ in diesem Jahr. Für Ausgleich sorge die hessische Landesregierung, die die Regionalisierungsmittel des Bundes teilweise vorab an den RMV überweise. Auch erwarte der RMV 181 Millionen Euro an Bundesmitteln sowie 250 Millionen Euro aus dem sogenannten Sondervermögen. Das Geld soll Ausfälle bis 2023 ausgleichen. Von Florian Leclerc

Unterdessen erfindet eine Studentin in Dänemark eine selbstreinigende Corona-Maske. Mit spezieller Technik zerstört die Maske Viren und Bakterien - Ein Durchbruch in der Corona-Pandemie?

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare