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Es gibt noch mehr davon als man denkt: Kaugummiautomat am Günthersburgpark.

Kaugummiautomaten

Bunte Truhen aus einer anderen Zeit

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Kaugummiautomaten gibt es immer noch, auch in Frankfurt. Manchmal werden sie für alternative Zwecke genutzt.

Sie sind klein und bunt und selten auf Augenhöhe Erwachsener angebracht. Wenn man diese darauf anspricht, bekommt man meist ein „Gibt’s die überhaupt noch?“ zu hören. Aber wer als Fußgänger in Frankfurt die Augen offen hält, bemerkt schnell die zahlreichen Kaugummiautomaten, die in der Stadt verteilt sind.

An Hauswänden, Zäunen, Mauern angebracht, fristen sie ein scheinbares Schattendasein, vom größten Teil der Bevölkerung unbeachtet. Fragt man Paul Brühl, Geschäftsführer des Verbands Automaten Fachaufsteller (Vafa), so schätzt er die Zahl der Kaugummiautomaten in ganz Deutschland auf zwischen 500.000 und 800.000. Für einzelne Städte lägen keine Zahlen vor, sagt er.

Die Betreiber der kleinen Kisten sind oft Privatunternehmer und selten in Verbänden organisiert, teilt der Verband Hessischer Automatenaufsteller mit. Prinzipiell könne jeder einen Automaten erwerben und ihn, nach Anmeldung beim örtlichen Gewerbeamt, im öffentlichen Raum anbringen.

Wie die Kaugummis kamen die Automaten in den Nachkriegsjahren mit den in Westdeutschland stationierten amerikanischen Soldaten ins Land. Hier erlebten sie einen Boom, der nach den Jahren des Wirtschaftswunders wieder verebbte. Die Automaten blieben in den Stadtzwischenräumen. Die meisten davon sind gefüllt und funktionstüchtig, teilt der Verband mit.

Magnus Baumgart, ein Rentner aus Offenbach, betreibt rund 25 Automaten in Frankfurt. Nachdem er aus dem Lebensmittelgeschäft ausgestiegen sei, habe er beschlossen, die Gehäuse an geeigneten Orten aufzuhängen. In der Nähe von Schulen und Spielplätzen, also dort, wo viele Kinder seien.

Seit über zehn Jahren kümmert er sich um die Automaten. Er streiche und fülle die Gehäuse; vor Silvester hole er sie zum Schutz in seine Garage. Seine Aufgabe mache ihm Spaß, sagt er. Doch viel verdient er damit nicht.

Für das Stahlgehäuse und den ungefüllten Automat zahlt man nach Angaben der Firma Automaten Vertrieb rund 225 Euro. Hinzu kommt die Füllware: Kaugummis, kleine Spielwaren, die pro Packung zwischen 10 und 30 Euro kosteten. Verbands-Geschäftsführer Brühl schätzt, dass man zwischen 1000 und 2000 Geräte betreiben muss, um ein gesichertes Einkommen zu erzielen. Seit Jahren sei ein konstanter Rückgang an intakten Automaten in den deutschen Städten zu beobachten.

Die Kaugummiautomaten werden stattdessen immer häufiger zu alternativen Zwecken eingesetzt. So gibt es beispielsweise Tattoostudios, die „get what you get“-Tattoos anbieten, bei der sich die Kunden das Motiv stechen lassen, das zuvor aus einem umfunktionierten Automaten gezogen wurde. Der Frankfurter Galerieladen „designe, kleine!“ bietet Passanten die Möglichkeit, aus dem umgestalteten Automaten in der Wallstraße in Sachsenhausen ein von jungen Künstlern gestaltetes Designobjekt zu ziehen.

Wenn Nostalgie und alternative Nutzung anhalten, könnten Kaugummiautomaten auch ohne ökonomischen Zugewinn weiterhin Teil des Stadtbilds bleiben.

Die Serie 

Anne-Sophie Ritscher besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor.

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