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Der Hochbunker an der Friedberger Anlage 5-6, der größte in Frankfurt, soll im Inneren aufwändig umgebaut werden.

Ausstellung in Frankfurt

Bunker an Friedberger Anlage wird zum „Denkort“

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Das Bauwerk an der Friedberger Anlage soll umgestaltet werden und künftig eine Ausstellung über zerstörte jüdische Gotteshäuser in Deutschland beherbergen.

Der erste Schritt ist getan. Und die Freude bei der „Initiative 9. November“ ist groß. Der alte Hochbunker an der Friedberger Anlage 5-6 in Frankfurt soll zu einem „Denkort Synagogenbunker“ umgestaltet werden, so nennt es der Architekt D.W. Dreysse, Mitglied der Initiative. Im Römer-Planungsausschuss hat die Regierungskoalition von CDU, SPD und Grünen jetzt den Weg dazu betreten. Sie beschloss den Prüfauftrag für eine Machbarkeitsstudie. 200 000 Euro sollen in den städtischen Doppelhaushalt 2020/2021 eingestellt werden.

Seit 2004 ist der ehemals größte Hochbunker Frankfurts im Inneren eine Gedenkstätte. Denn die Nazis hatten 1942 französische Zwangsarbeiter die Bunkeranlage an der Stelle errichten lassen, an der zuvor Frankfurts größte Synagoge stand. 1907 eingeweiht, wurde sie in der Pogromnacht des 9. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört.

Seit 30 Jahren bereits erinnert die Gedenkstätte vor dem Bunker mit ihren großen schwarzen Granitplatten an das Geschehen. Ein Säulenfragment vom Eingangsportal des ehemaligen Bethauses ist dort auch zu finden.

Doch die seit 30 Jahren aktive „Initiative 9. November“ will mehr. Mit Unterstützung der Kommune und privater Spender soll im Inneren des Bunkers künftig die Ausstellung „Synagogen in Deutschland – eine virtuelle Rekonstruktion“ dauerhaft gezeigt werden. Diese Schau, die insgesamt 24 jüdische Gotteshäuser virtuell wieder erstehen lässt, wurde bereits in mehreren Ländern präsentiert.

Als ihre ständige Heimat ist in Zukunft der Bunker gedacht. „Wenn die Ausstellung nicht bei uns unterkäme, würde sie einfach entsorgt werden“, sagt Dreysse. Doch bevor an die untergegangenen Synagogen erinnert werden kann, muss der gesamte Bunker renoviert werden. Ein schwieriger, ein heikler Balanceakt, den die Römer-Koalition in ihrem Antrag so beschreibt: „Jede Ergänzung muss den brutalen authentischen Ort berücksichtigen und sich mit geringstmöglichen Eingriffen beschränken.“

Gleichwohl gilt es, die Fluchtwege, den Brandschutz, die Be- und Entlüftung, die Heizung, die Sanitäranlagen und die Elektrik auf den neuesten Stand der Technik und der Vorschriften zu bringen. Architekt Dreysse hat dafür bereits ein Konzept erarbeitet und es der Stadt als Besitzer des Bauwerks vorgestellt.

Grundsätzlich sei auch Einigkeit darüber erzielt worden, dass er den Auftrag erhalte, sagt Dreysse. Seit einem Jahr habe er jedoch nichts mehr vom städtischen Amt für Immobilien (ABI) gehört. Dreysse hat lange darüber nachgedacht, wie er dem historischen Ort gerechtwerden kann.

Das junge jüdische Leben, hier bei einer Feier.

Bisher erinnert im Erdgeschoss eine Ausstellung an das verschwundene jüdische Leben im Ostend. Sie wird auch künftig dort bleiben. Im ersten Stockwerk geht es um ein Lager für sogenannte „Displaced Persons“ (DP) in Frankfurt. Das waren Menschen, die durch den Krieg und die Verfolgung heimatlos geworden waren, darunter viele jüdische Opfer, auch Waisenkinder. In den 50er Jahren hatte die Stadt für sie zwei Gebäude an der Ecke Waldschmidtstraße/Röderbergweg errichtet.

Am 28. April eröffnet der Fotograf Rafael Herlich, der große Chronist jüdischen Lebens, eine bilanzierende Ausstellung zusätzlich in der ersten Etage (siehe Beitrag rechts).

Im zweiten Stockwerk möchte Dreysse dann in Zukunft die Schau über die Synagogen in Deutschland zeigen. Die Ausstellung ist zur Zeit in Stuttgart eingelagert und wird von Ende März an im Stadtmuseum Paderborn gezeigt. Danach kommt sie in Frankfurt an. Wo sie bis zur Eröffnung der umgebauten Gedenkstätte untergebracht wird, ist noch offen.

Das dritte Obergeschoss hat der Architekt dazu auserkoren, an die ursprüngliche Zweckbestimmung des Bunkers zu erinnern. Er sollte bis zu 1200 Menschen Schutz vor Bombenangriffen bieten. „Ich möchte hier einen Leerraum lassen, der noch Bunkeratmosphäre besitzt, bestenfalls mit einigen wenigen Gegenständen aus dem Institut für Stadtgeschichte oder dem Historischen Museum ausgestattet“, erläutert D.W. Dreysse. Im vierten Stockwerk sehen die Pläne einen „Versammlungsraum“ vor, der bis zu 199 Personen Platz bietet. Hier könnte Raum sein für Lesungen, Diskussionen, auch Filmvorführungen.

Hand in Hand mit Kippa auf der Zeil.

Insgesamt braucht der neue „Denkort Synagogenbunker“ unter dem Gesichtspunkt des Brandschutzes zwei voneinander getrennte Treppenhäuser, die ent-raucht werden können. Dazu müssen sehr dicke Betonwände geöffnet werden.

Dreysse schätzt die Kosten für den Umbau auf „eine halbe bis zu einer Million Euro“. Einen Löwenanteil dieser Summe erhofft sich die Initiative von der Stadt, sie will aber auch private Spender gezielt werben. „Das Ganze muss ein gemeinsames Werk der Zivilgesellschaft sein.“

Mitglieder der Gruppe 9. November sind unter anderen der frühere hessische Justizminister Rupert von Plottnitz (Grüne) und der Psychoanalytiker Wolfgang Leuschner. Die Initiative und ihr Unterstützerkreis haben in den zurückliegenden Jahren bereits 25 000 Euro aus eigener Tasche in die Innenausstattung des Bunkers investiert.

Die Stadt hatte den alten Hochbunker im Jahre 2015 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Teil eines Paketes von insgesamt sechs dieser Bauten aus dem Zweiten Weltkrieg erworben.

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