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Ohne Kuh-Krawatte - seit seinen Tagen als Schülerunternehmer hat Christian Lindner sich modisch verändert.

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So hält Christian Lindner die Frankfurter bei Laune

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Im Wahlkampf-Endspurt auf dem Römerberg zeigt FDP-Chef Christian Lindner seine Fähigkeiten als Entertainer. Auf das peinliche Jugend-Video kommt er von alleine zu sprechen.

Er fängt von selbst damit an. Ohne dass es höhnische Zwischenrufe von Störern braucht. Die sind ohnehin nicht zum Wahlkampf-Höhepunkt der Frankfurter FDP zum Römerberg gekommen, wo am Montag Spitzenkandidat Christian Lindner auftritt. Lindner also spricht auch so über das Video, das sich seit voriger Woche in den sozialen Netzwerken rasant verbreitet. Er als 18-jähriger Geschäftsmann. Selbstsicher bis arrogant. Mit klugen Sprüchen und Kuh-Krawatte. Zum Schießen.

Dass es jetzt ständig um dieses 20 Jahre alte Video geht, zeige doch wie oberflächlich der Wahlkampf sei, sagt Lindner. Aber Archive, in dem Fall das von „Stern TV“ seien „dornige Chancen“, ruft der FDP-Mann. Was immer er damit meint. Und später spricht er über Streber, in der Schule, über die man nicht lachen dürfe, weil Strebertum bestimmt keine Charakterschwäche sei. Auch diese Bemerkung passt irgendwie zum Video.

Immerhin ein paar hundert Zuhörer

Ein paar Hundert Menschen sind zum Römer gekommen. Anders als ein Ordner Lindner erzählt hat, sind das zwar weniger als vor einigen Wochen bei Martin Schulz von der SPD. Aber immerhin. Für eine „kleine Partei“ (Lindner), eine „besondere Partei“ (Lindner) wie die FDP ist der Andrang in Ordnung.

Und der 38-Jährige weiß sein Publikum durchaus zu unterhalten. Mit kleinen Geschichten, etwa über seinen Umzug innerhalb Berlins („nur drei Straßen weiter“). Dreieinhalb Stunden habe er auf dem Amt zugebracht, um sich umzumelden, und als er endlich an der Reihe war, sei der Windows-95-Rechner der Sachbearbeiterin abgestürzt, weshalb er unverrichteter Dinge wieder gegangen sei. So eine Geschichte kann man in allen Details glauben oder nicht. Für viele Lacher und die Kritik an zu viel Bürokratie und veralteten Strukturen der Behörden taugt sie allemal.

Ansonsten spult Lindner routiniert sein Programm ab. Er fordert bessere, nein, die weltbeste Bildung, schließlich gebe sich die Fußball-Nationalmannschaft ja auch nur mit dem WM-Titel zufrieden. An seiner alten Schule jedenfalls gebe es immer noch „Röhrenfernseher und Kassettenrekorder – das ist Elektroschrott“.

Dazu kommen eine Portion Kritik an der großen Koalition, die keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen habe, und noch mehr Vorwürfe in Richtung der Opposition, die so spannend sei wie „eingeschlafene Füße“.

Nach dem Comeback der FDP im Bundestag werde jedenfalls alles besser, die Partei werde sich um die Mitte der Gesellschaft kümmern. Die siedelt Lindner irgendwo zwischen den Bedürftigen und den „Geissens“ an, jener prollig-reichen Fernsehfamilie auf RTL 2. Auch das sorgt für Lacher, und nach 45 Minuten fühlen sich zumindest alle unterhalten. Ganz ohne Video.

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