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Rainer Rahn

Frankfurter Römer

AfD-Mann Rainer Rahn stapelt tief

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Ein Gespräch mit dem AfD-Fraktionschef Rainer Rahn in der Stadtverordnetenversammlung.

Am Tag nach dem großen Erfolg seiner Partei müht sich Rainer Rahn sehr, öffentlich keine Triumphgefühle zu zeigen. Fast 100 AfD-Abgeordnete im Deutschen Bundestag: Dieses Ergebnis sei „in Ordnung“, brummt der AfD-Fraktionschef im Römer, es sei „respektabel“, wenn auch „nicht unerwartet“. Im Bundestag werde es jetzt „zum ersten Mal richtige Opposition“ geben, glaubt Rahn.

Der 65-jährige Zahnmediziner hat sich im Laufe seiner Karriere als wahres politisches Chamäleon bewiesen: Als Flughafenausbaugegner, der unter dem Fluglärm in Oberrad leidet, wurde er zum ersten Mal ins Stadtparlament gewählt. Zwischendurch wechselte er mal zur FDP-Fraktion, um dann am Ende bei der Alternative für Deutschland zu landen.

Bürgerliche Klientel im Blick

Der Mann mit doppeltem Doktortitel legt großen Wert darauf, die bürgerliche Klientel, die er erreichen möchte, nicht zu verschrecken.

Wenn also AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland ankündigt, die Partei werde „Frau Merkel oder wen auch immer jagen“, dann findet Rahn daran „nichts Schlimmes“. Gauland meine ja nicht, „dass er ein Gewehr nimmt und die Bundeskanzlerin erschießt“, sondern es gehe um den politischen Kampf. „Ich hätte es anders formuliert“, fügt der Mediziner noch hinzu.

Konflikte intern regeln

Und als sich am Montag die Bundesvorsitzende Frauke Petry entschließt, nicht der neugewählten AfD-Bundestagsfraktion anzugehören und sich von Gauland distanziert, bedauert das Rahn ausdrücklich. Freilich nicht wegen des Verlustes der Parteifreundin Petry. Sondern, weil der Streit öffentlich ausgetragen worden sei. „Solche Konflikte müsste man intern regeln“, urteilt er.

Aber die öffentliche Aufregung über die Äußerungen von Alexander Gauland kann der Fraktionschef gar nicht verstehen. „In den alten Bundestagsdebatten ging es zwischen Franz-Josef Strauß und Herbert Wehner wesentlich härter zu“.

Ändert sich jetzt der Umgang mit der AfD im Römer?

Das ist typisch Rahn: Er stapelt tief und gibt sich sehr biedermännisch. Nach dem Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl werde sich hoffentlich im Frankfurter Römer etwas ändern – im Umgang der anderen Parteien mit den Rechtspopulisten. Denn die achtköpfige AfD-Fraktion fühlt sich ausgegrenzt und schlecht behandelt.

So werde sie zum Beispiel nie zu den sogenannten „Delegationsreisen“ eingeladen, klagt Rahn. Also zu den Besuchen zum Beispiel, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in die USA oder die Türkei führen.

Das werde hoffentlich in Zukunft anders sein, mit dem Prestigeerfolg bei der Bundestagswahl im Rücken, sagt der Fraktionschef.

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