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Wie geht es mit der Paulskirche weiter? Darüber wird wohl weiterhin heiß diskutiert werden.

Umbau

Bundesregierung redet bei Paulskirche mit

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Bundespräsident Steinmeier beruft ein Expertengremium, das bis Ende 2022 ein Konzept zur Umgestaltung der Paulskirche in Frankfurt erstellen soll. Erst danach beginnt die Sanierung.

Bei den Plänen zur Zukunft der Frankfurter Paulskirche spricht jetzt die Bundesregierung stark mit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eine Expertenkommission berufen. Sie soll ein Perspektivkonzept für das denkmalgeschützte Gebäude im Herzen Frankfurts erarbeiten. Dieser Rahmen soll Ende des Jahres 2022 vorliegen. Erst danach könnte ein Umbau beginnen. Damit sind alle bisherigen Zeitpläne für die Sanierung des Bauwerks über den Haufen geworfen. Ursprünglich wollte Baudezernent Jan Schneider (CDU) die Renovierung bis 2023 abschließen.

Wie der Sprecher des Baudezernenten, Günter Murr, bestätigte, besteht die Expertenkommission aus dem renommierten Politikwissenschaftler Herfried Münkler, dem Präsidenten der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dem Historiker Hans-Walter Hütter, und dem Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt, Peter Cachola Schmal. Der Museumschef begrüßte es nachdrücklich, dass die Pläne zur Sanierung der Paulskirche jetzt erst einmal zurückgestellt seien. „Es ist sehr sinnvoll, erst ein Konzept zu entwickeln und dann mit der Renovierung zu beginnen.“

Nach den Worten Schmals wird die Kommission auch Vorstellungen zum geplanten neuen Demokratiezentrum im Umfeld der Paulskirche entwickeln. Er werde sich dazu in Kürze mit Münkler und Hütter beraten. Der Bundespräsident hatte in Gesprächen mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eine finanzielle Beteiligung des Bundes an der Umgestaltung der Paulskirche in Höhe von bis zu 19 Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Es ist ja völlig normal, dass der, der mitredet, auch mitbestimmen möchte“, erklärte der Direktor des DAM. Es gehe jetzt darum, mit dem künftigen Demokratiezentrum einen Ort zu schaffen, der der geschichtlichen Bedeutung der Paulskirche „angemessen“ sei.

Grüne wollen auch Frauen im Expertengremium

Bundespräsident Steinmeier hat nach Angaben Schmals die politische Zuständigkeit für die Zukunft der Paulskirche an die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), weitergegeben. Im Ministerium in Berlin ist über den Stand der Dinge keine Auskunft zu erhalten. Olaf Schiel, der Sprecher des Oberbürgermeisters, nannte es „sinnvoll“, bei der Paulskirche „alle Entscheidungsträger“ miteinzubeziehen. Die Bundesregierung gebe viel Geld für das Projekt und müsse deshalb selbstverständlich mitentscheiden. Der Oberbürgermeister, so Schiel, stehe in dieser Frage in engem Kontakt mit dem Bundespräsidenten.

Die Grünen im Römer begrüßten die Berufung der Experten durch Steinmeier ausdrücklich. „Für uns Grüne ist es allerdings wichtig, dass dem Expertengremium auch Frauen angehören und dass dort nicht nur Historiker vertreten sind“, erklärte Sebastian Popp, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer. DAM-Direktor Schmal sagte dazu, man werde sicherlich „eine größere Runde von Experten“ in die Beratungen einbeziehen.

Popp kritisierte den „politisch kleinkarierten Streit“ zwischen dem Oberbürgermeister und dem Baudezernenten zur Paulskirche. Die Frankfurter Rundschau hatte berichtet, dass Feldmann und Schneider sich nicht über die Finanzierung der Voruntersuchungen zur Sanierung einigen konnten. Da aber jetzt die Bundesregierung mitredet, kann die Stadt ohnehin ohne Zustimmung des Bundes keine Aufträge mehr erteilen. Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen will sich in den Herbstferien mit der Paulskirche beschäftigen, kündigte Popp an.

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