Im Zuge der NSU-Ermittlungen kam die Polizei auf den Verdächtigen.
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Im Zuge der NSU-Ermittlungen kam die Polizei auf den Verdächtigen.

Mord an Frankfurterin

Mordfall wird neu aufgerollt

Todesschuss auf Frankfurterin vor 22 Jahren hatte womöglich rassistischen Hintergrund. Der Fall wird jetzt neu aufgerollt. Ermittler wollen einen Schweden verhören, der seit einiger Zeit in Stockholm in Haft sitzt.

Von Andreas Förster

Ein fast vergessener Frankfurter Mordfall wird neu aufgerollt. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau wollen Ermittler einen Schweden vernehmen, der seit mehr als zwei Jahrzehnten nahe Stockholm in Haft sitzt. Bei der Befragung geht es um den Tod der Garderobenfrau Blanka Zmigrod am 23. Februar 1992. Die 68-Jährige war auf dem Heimweg von ihrer Arbeit im Westend erschossen worden. Der Täter wurde nie gefasst. Zmigrod war Jüdin. Die Staatsanwaltschaft will nun prüfen, ob die Tat einen rassistischen Hintergrund hatte.

Der Verdächtige, der kurz vor dem Mord einen Streit mit dem Opfer hatte, wurde in Schweden verurteilt, weil er aus Fremdenhass auf Migranten geschossen hatte. Bei ihm handelt es sich um den 61-jährigen John Ausonius. Er hatte zwischen August 1991 und Januar 1992 in Stockholm und Uppsala aus Fremdenhass einen Migranten ermordet und zehn weitere Opfer zum Teil lebensgefährlich verletzt. Weil er auf einige seiner Opfer aus sicherer Deckung heraus mit einem Gewehr gefeuert hatte, das über eine Laser-Zieleinrichtung verfügte, nannte ihn die schwedische Presse „Lasermann“.

Im Zuge der Ermittlungen zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ war das Bundeskriminalamt 2012 auf den Lasermann-Fall gestoßen und glaubte, Parallelen zwischen dem schwedischen Killer und dem NSU zu entdecken: Wie das deutsche Terrortrio hatte auch Ausonius im Untergrund gelebt und seine ausländischen Opfer willkürlich ausgewählt, wie Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte er Banken überfallen und war von den Tatorten zum Teil auf einem Fahrrad geflüchtet. Für die Taten hatte er stets Autos angemietet, auf einige seiner Opfer feuerte er mit einem Revolver mit Schalldämpfer. Der Lasermann aus Schweden könnte daher eine „mögliche Blaupause“ für das Handeln des NSU geliefert haben, mutmaßte das BKA.

Frankfurter Polizei verhört ihn

Eine mögliche Verbindung zum Mord im Frankfurter Westend erkannten die Ermittler bereits ein Jahr nach Ausonius’ Festnahme im Juni 1992 in Stockholm. Sie stellten fest, dass sich der Verdächtige im Februar 1992 in Frankfurt aufgehalten hatte und mit Blanka Zmigrod in Streit geraten war.

Der Schwede hatte ihr vorgeworfen, in der Garderobe des Restaurants Mövenpick ein elektronisches Notizbuch aus seinem Mantel gestohlen zu haben. Bei der sehr lautstarken Auseinandersetzung habe Ausonius damit gedroht, noch einmal wiederzukommen und die Frau zur Rede zu stellen. Allerdings erschien er nicht mehr im Restaurant. Wenige Tage später wurde Blanka Zmigrod erschossen. Der Täter stahl ihr die Handtasche und flüchtete mit einem Fahrrad.

Die Frankfurter Polizei ging damals dem Verdacht nach, Ausonius habe die Garderobiere niedergeschossen und ihr die Handtasche entwendet, weil er darin das Notizbuch vermutete. In einer von den deutschen Ermittlern veranlassten Vernehmung durch die schwedische Polizei räumte Ausonius 1993 zwar den Streit mit der Garderobenfrau ein, bestritt aber vehement, etwas mit ihrer Ermordung zu tun gehabt zu haben. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft stellte daraufhin das Ermittlungsverfahren vorerst ein.

Im vergangenem Februar aber lebte das Verfahren wieder auf. Grund dafür ist, dass die Bundesanwaltschaft im Zuge ihrer NSU-Ermittlungen einen Prüfvorgang zu dem „Lasermann“ eingeleitet hat. Damit soll untersucht werden, ob Ausonius Verbindungen in Kreise deutscher Rechtsextremisten unterhielt und der Mord in Frankfurt möglicherweise einen rassistischen Hintergrund hat. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft soll den Fall jetzt noch einmal untersuchen.

Ausonius wird daher in den nächsten Tagen im Gefängnis Österaker, eine halbe Autostunden nördlich von Stockholm, von der Frankfurter Polizei vernommen werden. Der 61-Jährige sitzt dort wegen der Mordanschläge auf die Migranten eine lebenslange Haftstrafe ab. Gegenüber der FR bestritt Ausonius erneut, in den Frankfurter Mord verwickelt gewesen zu sein. Auch habe er nie Kontakte zu deutschen Neonazis gehabt. Er werde aber umfänglich aussagen und den deutschen Behörden alle Fragen beantworten, kündigte er an. Frühere Angebote von ihm, eine Aussage zu machen, seien von deutscher Seite stets unbeantwortet geblieben, sagte Ausonius noch.

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