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Lars Reichow.

Lars Reichow in der Käs in Frankfurt

Das Beste vom Klaviator

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Bevor er sich aufmacht zu neuen kabarettistischen Ufern, hat der "Klaviator" Lars Reichow noch rasch ein Best-of in der Frankfurter Käs auf die Bühne gebracht.

Auch wenn sich der Mainzer Bub am Freitag in der Kabarett-Änderungsschneider (Käs) um einen tagesaktuellen Touch bemüht: Die harte gesellschaftspolitische Kritik ist seine Sache nicht. Daher wirkt der erste Teil auch etwas aufgesetzt, wenn er sich am Wahlergebnis abarbeitet: „Schulz hat erst nach dem Ergebnis angefangen zu kämpfen. – Die AfD hatte sich da schon Räume auf dem Obersalzberg gemietet. Das sind keine Nazis sondern Psychopathen. Denen würde ich die Diäten in Reichsmark auszahlen.“

Den Dieselskandal („Man stirbt eigentlich schon beim Anlassen.“) will er dabei ebenso wenig auslassen wie den US-Präsidenten, um seinen kabarettistischen Anspruch zu unterstreichen: „Trump im Weißen Haus, das ist wie die Geißens im Kanzleramt. Allerdings sind die nur doof, aber nicht gefährlich.“ Und allüberall erkennt Reichow den Siegeszug von „selbstverliebten Idioten, die das Volk für dumm verkaufen“.

In der Verdichtung mögen diese Pointen noch stark wirken. In Echtzeit, wie man heute sagt, verliert sich die Schärfe, weil eingebettet in schwächere Formulierungen, jedoch. Auch wenn er viel Beifall erheischt, als er ein Bekenntnis zum europäischen Gedanken ohne wenn und aber – und ohne Witz – ablegt.

Klares Bekenntnis zu Europa

Viel mehr liegen dem 53jährigen Musiker und Entertainer die absurden Geschichten des Alltags, aus denen er seinen Unterhaltungshonig saugt, die aber nicht unpolitisch sind. Die Storys - zur Hälfte schmissig am Klavier vorgetragen -  übertreibt er dann mit Lust maßlos und kann sich prompt der unbändigen Lacher des Publikums sicher sein. Dazu gehört etwa der Kampf des Menschen mit der Espresso-Cappuccino-Latte-Maschine, den ersterer nur verlieren kann.

Köstlich auch die Überhöhung der Wirkmächtigkeit von Kreditkarten, die schließlich sogar dazu einsetzbar sind, um in der Käuferschlange ganz nach vorne zu gelangen. Oder die Erinnerung an ferne Urlaubsreisen, die sich auf ein Ranking des jeweiligen Frühstücksbufetts reduziert. Schließlich der vergebliche Versuch, den sitzsackenden spät-pubertierenden Sohn seiner Lethargie zu entreißen.

Furchtbare Bilder im Kopf

Bei diesen Stoffen ist Reichow, der schon 1982 als Begleitmusiker mit dem großen Hanns-Dieter Hüsch auf Tournee ging, in seinem Element. Auch wenn der eine oder andere Sketch plump, zu platt oder zu rührselig gerät. Da kann er seine „ideologische“ Nähe zur Mainzer Fassenacht nicht verleugnen. Das ganz und gar nicht auf Humoreske ausgelegte zarte Liebeslied an seine Frau ist jedoch ein Ausreißer in eine ganz andere Richtung. Vielleicht sollte der studierte Musiker und Germanist diese Saiten öfter mal anschlagen.

Nicht verzichten sollte der Klaviator, wie er sich selbst nennt, auch im neuen Programm auf die Verballhornung des 68er-Schmachtfetzens „Je t'aime“, die er in der Käs als Zugabe serviert. Dabei malt er aus, wie Angela Merkel und Tom Cruise zu dem französischen Erotiksong die Dünen von Rügen unsicher machen. Da entstehen Bilder im Kopf, die man ganz schnell wieder loswerden möchte.

Sein neues Programm „Lust“ will Lars Reichow am 6. Oktober als Vorpremiere im Bürgerhaus Dietzenbach präsentieren. Weitere Aufführungen sind für 18. in der Alten Mühle Bad Vilbel, 20. im Mainzer Staatstheater und 27. Oktober im Aschaffenburger Hofgarten geplant. Am 16. November ist das Bürgerhaus Dreieich an der Reihe, am 12. Dezember das Staatstheater Wiesbaden, am 14. der Frankfurter Hof in Mainz und vom 19. bis 21. das Mainzer Unterhaus. Weitere Infos unter www.larsreichow.de.

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