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Da läuft nichts - außer Juristischem: Wenn auf der Rennbahn in Niederrad kein Pferd rennt, kann auch nicht gewettet werden.

Streit um Rennklub

Frankfurt will Gelände in dieser Woche räumen

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Frankfurt zahlt 134.000 Euro an die Gerichtskasse und erhält dadurch die Genehmigung, den Turf noch in dieser Woche zu räumen.

Im Kampf um die alte Galopprennbahn soll jetzt alles sehr schnell gehen. Am Montag überwies die Stadt Frankfurt 134.000 Euro an die Gerichtskasse. Mit dieser zusätzlichen Summe – 250.000 Euro waren schon beim Landgericht hinterlegt – erreichte die Kommune, dass sie die Räumung des Turfs unmittelbar vollstrecken kann. 

Noch in dieser Woche soll sich die zuständige Gerichtsvollzieherin im Auftrag der Stadt vom Rennklub die Schlüssel für das weitläufige Gelände in Niederrad aushändigen lassen.

„Voraussetzung ist, dass das Räumungsurteil rasch zugestellt wird“, sagte Barbara Brehler-Wald, Büroleiterin von Bau-und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU). 

Rennklub hinterlegt Summe nicht 

Der Rennklub hatte das Nachsehen. Er hätte 275.000 Euro bei Gericht hinterlegen müssen, um die Vollstreckung noch zu verhindern. Doch dies war bis Montagmittag nicht geschehen. Auf dem Areal in Niederrad bot der Rennklub am Montag Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes auf, um das Grundstück zu schützen.

Wenn die Gerichtsvollzieherin – im Zweifelsfall mit Polizei-Unterstützung – anrückt, dürfte auch das nichts mehr helfen. Die Stadt setzt darauf, dass der Rennklub endlich nach dreijähriger Auseinandersetzung einlenkt. „Wir brauchen hoffentlich keine Ordnungsorgane, um auf das Gelände zu kommen“, so Brehler-Wald. 

Doch Carl-Philip zu Solms-Wildenfels, Vizepräsident des Rennklubs und treibende Kraft des Widerstands, gab auch am Montag nicht auf. Die Freunde des Turfs legten Widerspruch gegen die städtischen Genehmigungen für den Abbruch aller Bauten auf der Rennbahn ein. 
Noch laufen auch acht Gerichtsverfahren um die Zukunft des Geländes.

Neben dem Rechtsstreit um die Räumung – hier ist Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) möglich – hat der Rennklub eine Beschwerde bei der Europäischen Union (EU) in Brüssel angestrengt.

Er behauptet, die Stadt überlasse das Rennbahn-Grundstück dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu günstig, und dies stelle eine unerlaubte Subvention dar. In mehreren Verfahren versucht die Kommune, gegen Wohnungsmieter und ein Wettbüro auf dem Areal die Räumung durchzusetzen. Außerdem hat der Rennklub die städtische Rennbahn-Besitzgesellschaft Hippodrom auf Zahlung von 200.000 Euro ausstehender Zuschüsse verklagt. 
In einem Prozess zwischen der Hippodrom und der Stadt geht es um die Rechtmäßigkeit der Kündigung des Geschäftsbesorgungsvertrages.

Mainova will Stromrechnungen eintreiben 

In diesem Papier hatte sich der Rennklub verpflichtet, Renntage zu veranstalten. In einem weiteren Prozess will der Energieversorger Mainova vom Rennklub 30.000 Euro für nicht bezahlte Stromrechnungen eintreiben. 

All dies sind zivilrechtliche Konflikte. Parallel hat die strafrechtliche Aufarbeitung begonnen. So dürften die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen den früheren Rennklub-Präsidenten Manfred Hellwig Kreise ziehen. Es geht um den Verdacht der Untreue und des Betruges: Hellwig soll den Rennklub um mehr als 1,1 Millionen Euro geschädigt haben. Der ehemalige Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, Alfred Gangel, hat über Jahre eng mit Hellwig zusammengearbeitet. Er hat die Geschäftsführung der Rennbahn-Gesellschaft Hippodrom von Hellwig übernommen und übt dieses Amt heute noch aus. 

Gangel versicherte der FR, er habe von betrügerischen Manipulationen seitens Hellwigs „nichts mitbekommen“. Gangel: „Ich weiß von nichts.“ Der ehemalige städtische Beamte verteidigte die Zahlung von 2,98 Millionen Euro durch die Kommune an Hellwig. Im Gegenzug hatte der Millionär und Rennstall-Besitzer seine Anteile an der Hippodrom an die Stadt übertragen. 
Gangel versicherte, mit den 2,98 Millionen Euro seien Investitionen Hellwigs in die Rennbahn abgegolten worden. „Er hat diese Ausgaben mit einer Liste belegt.“ So sei 2010 die Haupttribüne saniert worden, die abgerissen werden soll, um Platz für die geplante Fußball-Akademie des DFB zu schaffen. 
 

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