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Heftig umkämpft: die Zukunft der Haupttribüne auf der Rennbahn. DFB und Stadt möchten sie abreißen lassen.

DFB-Akademie

Bewohner auf Rennbahn entdeckt

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Die Unterkünfte auf dem umkämpften Areal der Galopprennbahn in Frankfurt-Niederrad waren schon geräumt, nun stellt sich heraus: Sie werden wieder bewohnt.

Kurz vor der womöglich endgültigen Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt über die Räumung der alten Galopprennbahn ist ein neues Hindernis aufgetaucht. Bei einer Kontrolle des Geländes durch städtische Mitarbeiter wurde jetzt entdeckt, dass zwei bereits in aufwendigen Gerichtsverfahren geräumte Wohnungen wieder von Mietern genutzt werden.

Die eine Unterkunft liegt über, die andere neben den Stallungen auf dem Areal in Niederrad. Die Stadt hat dem Frankfurter Rennklub bereits eine einstweilige Verfügung zukommen lassen, mit der ihm auferlegt wird, die Wohnungen erneut zu räumen. Der Vize-Präsident des Rennklubs, Carl-Philipp zu Solms-Wildenfels, beteuert jedoch im Gespräch mit der FR: „Wir haben die Wohnungen nicht vermietet.“

Mainova versucht vergeblich, Stromzähler abzumontieren

Die Stadt versuche, „die Sache auf uns abzuschieben.“ Hinter den Kulissen wird erbittert um die Energieversorgung des Rennbahn-Geländes gerungen. Nach Informationen der FR versuchte zum Beispiel die Mainova, Stromzähler auf dem Gelände abzumontieren, wurde jedoch daran gehindert, womöglich durch Mitarbeiter des Rennklubs. Wer genau den Mainova-Beschäftigten in den Arm fiel, blieb am Montag unklar.

Am Donnerstag, 27. Juli, will der Zweite Zivilsenat des OLG unter Vorsitz von Richterin Annette Boerner eine Entscheidung über den Antrag der Stadt auf Räumung des Rennbahn-Geländes verkünden. Der Rennklub argumentiert, das Vorgehen der Stadt zur Aufhebung des alten Miet- und des Geschäftsbesorgungsvertrages sei sittenwidrig gewesen. In letzter Minute hat der Rennklub jetzt ein Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu dem Vertrag vorgelegt, mit dem der frühere Mitbesitzer der Rennbahn, der Bad Homburger Steuerprüfer Manfred Hellwig, seine Anteile an die Stadt abgetreten hatte. Dieser Aufhebungskontrakt stammt vom 5. August 2014. Kurz zuvor hatten Stadt und Deutscher Fußball-Bund (DFB) öffentlich verkündet, dass auf dem Rennbahn-Gelände eine Fußball-Akademie gebaut werden solle.

Rennklub hat Vollstreckungsschutz beantragt

Hellwig erhielt von der Stadt 2,98 Millionen Euro, offiziell als Gegenleistung für von ihm getätigte Investitionen auf dem Turf. Die Auszahlung des Geldes an Hellwig direkt und nicht an die Rennbahnbesitz-Gesellschaft Hippodrom GmbH stelle „eine verdeckte Gewinnausschüttung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung“ dar, urteilen die Gutachter. Es ist allerdings fraglich, ob diese Intervention den Zweiten Zivilsenat in seinem Urteil noch beeinflussen wird.

Entscheidet das OLG für die Räumung der Rennbahn, ist wichtig, ob der Senat eine Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) zulässt oder nicht. Auch kommt es darauf an, ob die Richter die sofortige Vollstreckung ihres Urteils erlauben. Dann könnten Stadt und DFB die Bauten der Rennbahn endlich abreißen lassen, was sie bereits seit Anfang 2016 geplant hatten.

Der Rennklub hat nach den Worten seines Vize-Präsidenten zu Solms-Wildenfels bereits beim OLG Vollstreckungsschutz beantragt. Folgt das Gericht dem Antrag, lägen die Pläne des DFB bis zu einer Entscheidung des BGH auf Eis, also womöglich weitere Jahre.

Der Deutsche Fußball-Bund hat seinen außerordentlichen Bundestag in Frankfurt, der über die 140 Millionen Euro teure Fußball-Akademie entscheiden soll, bereits von September 2017 auf Februar 2018 vertagt.

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