Die Bundesbank-Zentrale an der Wilhelm-Epstein-Straße.
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Die Bundesbank-Zentrale an der Wilhelm-Epstein-Straße.

Bundesbank in Frankfurt

Bundesbanker müssen umziehen

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Bundesbank will ihre Zentrale an der Wilhelm-Epstein-Straße sanieren und erweitern. Um dies tun zu können, sucht die Behörde eine Ausweichfläche für sieben Jahre.

Die Deutsche Bundesbank sucht in Zeitungsanzeigen mindestens 35 000 Quadratmeter Mietfläche in Frankfurt. Sie sollen der Bank während der geplanten Sanierung des Hauptgebäudes als Ausweichquartier dienen. 2000 bis 2300 Beschäftigte, die bisher in Bockenheim arbeiten, sollen Ende 2019 umziehen und für mindestens sieben Jahre am neuen Standort bleiben. Ziel sei es, dass die Mitarbeiter im Jahr 2027 wieder zurückziehen könnten, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes Beermann.

Das 1972 bezogene, 217 Meter lange, aber nur 17 Meter breite Gebäude wird zum ersten Mal grundlegend saniert. Beermann kündigte an, es würde dafür zunächst bis auf die Stahlträger runtergestrippt. Die Behörde hatte schon eine Grundsatzentscheidung für den Erhalt der im Stil des Brutalismus gebauten Immobilie getroffen. Beermann begründete dies unter anderem mit dem Symbolwert des Gebäudes.

Parallel zur Sanierung des Hauptgebäudes will die Bundesbank auf ihrem Gelände einen Neubau oder mehrere neue Gebäude errichten. Dort sollen die zusammen 1600 Beschäftigten, die derzeit noch in den Hochhäusern Skyper und Trianon untergebracht werden, arbeiten. Die Zusammenlegung der Standorte vermeide unnütze Wege und stärke die Effizienz der Bundesbank, sagte Beermann. Er hofft, dass die Stadt die Bundesbank bis zum Rückzug auf das Gelände an das U-Bahn-Netz anschließt.

Ob es sich bei dem Neubau um ein Hochhaus handeln wird, wie Mitte vergangenen Jahres spekuliert wurde, wollte Beermann am Freitag nicht sagen. Es gebe verschiedene Möglichkeiten. Man sei im Gespräch mit der Stadt. Ob ein, zwei oder drei Gebäude entstünden, sei offen. Zunächst werde man einen Architekturwettbewerb ausschreiben. Mitte 2018 könnte der Entwurf fertig sein.

Was Neubau und Sanierung kosten könnten, wollte Beermann noch nicht schätzen. Den sehr großzügigen Zeitplan, in dem die Bundesbank davon ausgeht, dass Sanierung und Neubau bis ins Jahr 2030 dauern könnten, verteidigte er auf Nachfragen hin. Solidität gehe vor Schnelligkeit, hieß es. Zudem seien für die Arbeiten auf dem Bundesbank-Gelände höhere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Seit 2013 werden Goldbarren aus Depots in New York und Paris nach Frankfurt verlagert. Im Jahr 2020 sollen 1700 Tonnen in dem unterirdischen Tresor der Bundesbank lagern. Dieser Schatz soll auch während der Bauarbeiten auf dem Gelände bleiben.

Beermann zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass die Bundesbank eine zweistellige Zahl an Angeboten für ein Übergangsquartier erhält. Er schloss nicht ausdrücklich aus, dass die Bundesbank auch Büros außerhalb des eigenen Stadtgebiets beziehen könne, etwa in Eschborn.

Oliver Barth, Niederlassungsleiter des Maklerhauses BNP Paribas Real Estate, nannte es auf Anfrage klug, dass die Bundesbank schon jetzt Flächen suche. Das Angebot in der von dieser gewünschten Größe und Ausstattung sei überschaubar. Barth konnte sich im Gespräch mit der FR vorstellen, dass der Omniturm an der Großen Gallusstraße und der Marienturm an der Taunusanlage, die jeweils Anfang 2019 fertig sein sollen, infrage kommen könnten. Beide sind bisher nicht vorvermietet. Als Zwischen-standort für die Bundesbank denkbar seien auch die Neubauten am Honsell-Dreieck, der Tower 1, der an der Messe entsteht, und das Junghof Plaza an der Junghofstraße, das umgebaut werden soll.

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