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BUND macht Druck aufs Frankfurter Wasserkonzept

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Von: Thomas Stillbauer

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Kostbar, aber stellenweise schon knapp: Wasser.
Kostbar, aber stellenweise schon knapp: Wasser. © christoph boeckheler*

Frankfurt könnte viel mehr Wasser aus eigenen Quellen schöpfen, kritisiert die Umweltschutzorganisation – und nennt verschiedene Möglichkeiten.

Zu beinahe 50 Prozent könnte Frankfurt seinen Wasserbedarf aus eigenen Quellen decken: Zu dem Schluss kommt der BUND-Kreisverband Frankfurt. Er fordert Politik, Hessenwasser GmbH und Mainova zu erheblich größeren Anstrengungen bei der Versorgung der Stadt auf.

Damit sorgt das im Februar vorgestellte Frankfurter Wasserkonzept weiter für Diskussionen. Kernproblem ist der Grad der Selbstversorgung: Umwelt- und Wirtschaftsdezernat gehen davon aus, dass die Stadt sich auch künftig nur zu 25 Prozent aus eigenen Wasserquellen versorgen kann und den Rest aus der Umgebung (etwa Vogelsberg und Hessisches Ried) beschaffen muss – bei steigendem Bedarf wegen steigender Einwohnerzahl. Der Verein Naturfreunde und betroffene Landkreise äußerten sich entsetzt. Jetzt legt der BUND-Kreisverband eigene Berechnungen vor und versichert: Da geht mehr.

„Ein wesentliches Ergebnis der Analyse ist, dass es der Stadt Frankfurt möglich wäre, den Anteil der Trinkwasserversorgung aus örtlichen Quellen von aktuell ca. 25 Prozent auf 47 Prozent zu steigern“, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten 23-seitigen Stellungnahme. Dafür sei es nötig einzuleiten, was die Versorgerin Hessenwasser 2018 beschrieben habe, etwa deutlich mehr Wasseraufbereitung und Infiltration in den Wasserwerken Stadtwald, Praunheim und Hattersheim. „Viele diesbezügliche Kapazitätsangaben fehlen im Wasserkonzept“, kritisiert der BUND.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Hessenwasser kündigten auf FR-Anfrage Stellungnahmen zum BUND-Vorstoß für die nächsten Tage an.

BUND-Sprecher Rüdiger Hansen zitiert das hessische Umweltamt mit der dramatisch gesunkenen Grundwasserneubildung: minus 27 Prozent seit der Jahrtausendwende, verglichen mit der Referenzperiode ab 1971. Er fragt, warum die Stadt ihren Eigenanteil nicht erhöht, indem sie viel mehr Main- und Rheinwasser reinigt und ins Grundwasser filtriert – mit dem Ziel, „die Wassermenge zu verringern, die die OVAG aus dem Vogelsberg und dem Burgwald nach Frankfurt liefert“.

Hansen warnt: „In den Gewinnungsgebieten der OVAG sind besonders dramatische Naturschäden zu beklagen.“ Um darauf aufmerksam zu machen, haben Naturschutzverbände für den 16. Juli zum „Wasserlauf“ aufgerufen, um symbolisch Wasser aus Frankfurt zurück in den Vogelsberg zu tragen (wasserlauf-2022.de). Was Frankfurt plant – mehr aufbereitetes Mainwasser, weniger Trinkwasserverschwendung, mehr Brauchwasser, wo möglich – erscheint dem BUND zu unverbindlich. Er fordert unter anderem die Sanierung der Wasserwerke, was die Fördermengen nach BUND-Angaben erheblich erhöhen würde. Allein im Stadtwald-Wasserwerk könne die Fördermenge von zehn auf 20 Millionen Kubikmeter im Jahr gesteigert werden, in Praunheim von 1,8 auf bis zu acht Millionen.

Weitere Gewinnungsanlagen müssten reaktiviert, marode Leitungen saniert, Regenwasser konsequent aufgefangen statt in Kanälen aus der Stadt geleitet werden. Dazu regt der BUND die verpflichtende Nutzung von Zisternen an und pocht auf ein Netz von Brauchwasserleitungen, beides sinnvolle Maßnahmen für die Grünflächenbewässerung. „Sauberes Trinkwasser sollte nur für Essen, Trinken, Duschen und Waschen verwendet werden“, heißt es im BUND-Konzept. Die Umweltschutzorganisation verlangt außerdem grundwasserschonendes Bauen und lehnt generell Neubaugebiete in Wasserschutzgebieten ab; das betreffe etwa den geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Nordwesten.

Der BUND begrüßt in seiner Stellungnahme zwar ausdrücklich, „dass die Stadt Frankfurt sich mit dem Jahr 2030 ein ambitioniertes Umsetzungsziel vornimmt“. Es gebe aber im Frankfurter Wasserkonzept noch erhebliches Ergänzungs- und Verbesserungspotenzial. Rüdiger Hansen erkennt „keine plausible Begründung“ dafür, dass die Stadt nicht mehr tue, um Wasser aus eigenen Quellen zu schöpfen: „Das ist insbesondere hinsichtlich des Klimawandels und des besorgniserregenden Rückgangs der Grundwasserspiegel für uns Bürger sehr schmerzhaft.“

Die BUND-Stellungnahme im Internet: www.bund-frankfurt.de

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