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Das Stadthaus überdeckt die Kaiserpfalz Franconofurd, den früheren Archäologischen Garten.

Stadthaus Frankfurt

Wenig los im Stadthaus

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Die Auslastung des Stadthauses in Frankfurt ist auch nach der Altstadteröffnung noch gering. Das sakral wirkende Gebäude mit dem markanten Sägezahndach wurde im Juni 2016 eröffnet.

Im Römer macht sich eine gewisse Ernüchterung breit. Auch nach Eröffnung der neuen Altstadt Ende September dümpelt das Stadthaus als zentraler Veranstaltungsort vor sich hin.

„Die Auslastung bleibt hinter den Erwartungen zurück“, sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende Annette Rinn. Laut Buchungskalender seien in den kommenden Monaten nur wenige Termine im Stadthaus belegt. „Eigentlich hatten wir mit Eröffnung der Altstadt erwartet, dass sich Bekanntheit und Beliebtheit verbessern würden, aber das ist offensichtlich nicht der Fall“, sagte sie.

„Wir sind durchaus unzufrieden mit der Buchungssituation“, bekräftigte auch Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Das sakral wirkende Gebäude mit dem markanten Sägezahndach wurde im Juni 2016 eröffnet. Dann stand es ein halbes Jahr leer. 2017 übernahm die Lectron GmbH, eine Tochter des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten, den Betrieb und vermietet die Räume für 3500 Euro am Tag.

Ursprünglich sollte der Veranstaltungsort in repräsentativer Lage vor allem das Rathaus entlasten. Dann kam Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU) auf die Idee, im zweiten Obergeschoss ein ökumenisches Kirchenmuseum zu errichten. Gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Pascal Heß stellte er die Ausstellung „794“ zu Karl dem Großen vor. Im Kirchenmuseum sollten Objekte aus dem Ikonen- und Dommuseum gezeigt werden. Doch daraus wurde nichts.

Denn das Stadthaus nach den Plänen von Meurer-Architekten war nie als Museum angelegt. Ein Umbau hätte eine bis zwei Millionen Euro gekostet, der Betrieb und das Personal weitere hunderttausend Euro.

Kritik am hohen Preis

Die zusätzlichen Kosten stießen nicht nur in der Koalition auf Skepsis – auch der Bund der Steuerzahler rügte das Projekt und nahm das Stadthaus 2017 in sein Schwarzbuch für öffentliche Steuerverschwendung auf. Der Kämmerer zog seinen Vorschlag daraufhin zurück und begründete dies mit einer Sparanstrengung seines Ressorts angesichts der angespannten Haushaltslage. Unter dem Stadthaus wurde derweil der Archäologische Garten, der nun Kaiserpfalz Franconofurd heißt, als kostenlose Dauerausstellung neu hergerichtet und im August 2018 eröffnet.

In diesem Jahr gab es im Stadthaus nur eine überschaubare Anzahl an Veranstaltungen. Jan Schneider (CDU), Dezernent für Bau und Immobilien, zählte sie in der Sitzung des Dom-Römer-Ausschusses im November auf. Von Januar bis Juni 2018 waren es vier Buchungen. Das habe am Baustellencharakter der Altstadt gelegen, sagte er. Von Juli bis Dezember 2018 waren es demnach 14 Buchungen. Im kommenden Jahr erwarte er 30 Buchungen an 365 Tagen.

„Es ist notwendig, die Gründe für die schwache Nachfrage festzustellen“, sagte Annette Rinn. Der Magistrat soll auf Antrag der Freidemokraten die Zufriedenheit der Kunden untersuchen und berichten, wie oft das Stadthaus im kommenden Halbjahr tatsächlich gebucht worden sei.

„Es gibt einen Grund für die geringe Auslastung. Es liegt am hohen Preis“, sagte Manuel Stock. „Wir müssen uns überlegen, wie wir die Nutzung attraktiver gestalten wollen.“ Eine bessere Auslastung wäre über günstigere Konditionen möglich. Jan Schneider schlug Treueprämien und Rabatte vor. Die Stadt sowie stadtnahe Stiftungen und Vereine sollen günstiger mieten können. Auch habe der Betreiber eine Agentur beauftragt, um die Vermarktung zu verbessern.

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