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Buggys statt Bier im Frankfurter Stadtwald

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Der Wäldchestag wird zumFamilienfest. Die Stadt Frankfurt stellt weiterhin ihre Mitarbeitenden frei. Von Paula Tauber.

Es ist der Dienstag nach Pfingsten und ganz Frankfurt trifft sich im Wald. Das hat der Wäldchestag zumindest vor einigen Jahren noch bedeutet. Frankfurter Betriebe stellten ihre Mitarbeiter:innen extra für das Volksfest frei, um gemeinsam im Frankfurter Stadtwald zu feiern.

Wenn man heute über die Waldwege flaniert, sticht vor allem eine Art von Besucher:innen ins Auge: Familien mit Kindern. Statt Schlangen vor den Getränkeständen bilden sich immer wieder Grüppchen spielbegeisterter Jungen und Mädchen vor den Spielbuden im Wald. Auch das Kettenkarussell gehört heute eindeutig den Jüngsten der Veranstaltung.

Für Familie Lang ist der Wäldchestag schon seit einigen Jahren ein fester Bestandteil ihres Pfingstwochenendes. Yvonne Lang fällt in diesem Jahr besonders auf, dass viel weniger los sei als in den Jahren vor Corona. „Vor drei Jahren um die Uhrzeit hat man fast keinen Sitzplatz mehr bekommen. Jetzt sind viele Bänke leer.“ Stören lässt sich die dreiköpfige Familie davon jedoch nicht und freut sich mit Tochter Isabel die „Karousellstraße“ zu erkunden.

Einige Besucher:innen reisen sogar von außerhalb für die Feier im Frankfurter Wald an. Andrea und Manfred Gundel kommen aus Wehrheim im Taunus und blicken auf eine langjährige Tradition zurück. Andrea Gundel erzählt, dass sie dieses Jahr 40. Dienstjubiläum bei der Stadt Frankfurt feiere und somit jedes Jahr ab 12 Uhr freigestellt ist für das Feiern im Wald. Seitdem besuchen sie und ihr Mann jedes Jahr den Wäldchestag. Manfred Gundel muss sich dafür allerdings extra frei nehmen, weil sein Arbeitgeber Fraport seine Mitarbeitenden nicht pauschal für das Fest freistellt. Trotzdem lohne es sich für ihn: „Das ist einfach ein guter Treffpunkt hier. Man muss sich nicht verabreden, sondern trifft die Leute spontan. Das ist echt schön“, freut er sich.

Für manche bedeutet der Wäldchestag vor allem eines: in Erinnerungen schwelgen. Die 81-jährige Hannelore Nohl denkt gerne an die Zeit zurück, als sie mit ihren Eltern mit dem Fahrrad in den Wald gefahren ist, um dort gemeinsam mit vielen anderen Familien ein Picknick zu veranstalten. Heute sei das alles viel größer und kommerzieller geworden. Auch ihre Tochter Ingrid Ziemann schätzt den Feiertag sehr. Sie ist selbstständig und erklärt: „Ich habe meine Mitarbeiter:innen vor die Wahl gestellt. Wir machen den Laden zu, wenn wir auf den Wäldchestag gehen. Nur für einen freien Nachmittag schließe ich aber nicht.“ Für die beiden Frauen gilt: Die Leute wollen nach Corona wieder was erleben und der Wäldchestag ist Tradition.

Der Arbeitgeber von dem wohl die meisten Angestellten auf dem Volksfest vertreten sind, ist die Stadt Frankfurt. In einem der Biergärten erklärt Laura von der Stadtentwässerung, dass ein Großteil der Menschen in diesem Biergarten bei der Stadt arbeitet. Sie kenne hier viele Gesichter und freut sich auch, Mitarbeiter:innen, die bereits im Ruhestand sind, im Frankfurter Stadtwald wiederzutreffen.

Auch den Schausteller:innen fällt eine Veränderug im Publikum auf. Daniela Roie berichtet, dass sie erst eine Kolleg:innen-Gruppe gesehen hätte. Sie hofft, dass Frankfurter Betriebe die Freistellung für den Wäldchestag wieder mehr etablieren. „Das kann auch eine Teambuilding- Maßnahme werden. Gerade nach zwei Jahren Pandemie ist der soziale Austausch so wichtig“, erzählt Roie.

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