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Obwohl viel gebaut wird, ist das Angebot in der City knapp.

Wirtschaft

Büros dringend gesucht

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Investoren kaufen in großem Stil Gewerbeimmobilien und die Mieten steigen weiter.

Trotz der sich abschwächenden Konjunktur bleiben Büros in Frankfurt bei Unternehmen sehr begehrt. Schon im ersten Halbjahr sind nach Angaben mehrerer Maklerhäuser etwa 280 000 Quadratmeter Bürofläche im Marktgebiet neu vermietet worden, das auch Eschborn und den Offenbacher Stadtteil Kaiserlei umfasst. Der Flächenumsatz liegt damit trotz des schwachen ersten Quartals noch über dem hohen Wert des ersten Halbjahrs 2018.

Den größten Abschluss registrierten die Makler in der inzwischen Lyoner Quartier genannten Bürostadt Niederrad. In dem lange von Leerstand geprägten Viertel, in dem in den vergangenen Jahren Hunderte von Wohnungen entstanden, sicherte sich die Deka Bank mehr als 46 000 Quadratmeter in einem für sie entstehenden Neubau an der Lyoner Straße. Der Personaldienstleister Randstad mietete knapp 15 000 Quadratmeter Bürofläche in einem Neubauprojekt in Eschborn; dort sicherte sich zudem die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit eine fast 11 000 Quadratmeter große Fläche.

Im eigentlich besonders gefragten Frankfurter Bankenviertel passierte dagegen relativ wenig. Das hängt nach Beobachtung von Maklern nicht zuletzt mit dem inzwischen vergleichsweise knappen Angebot zusammen. Stadtweit sinkt der einst sehr hohe Leerstand in Büroimmobilien seit Jahren. In die Jahre gekommene Bürogebäude wurden abgerissen, teils auch in Wohnraum umgewandelt. Die Nachfrage stieg gewaltig. JLL beziffert die Leerstandsquote auf nur noch 6,1 Prozent. Damit sei sie auf dem niedrigsten Niveau seit dem Jahr 2002.

Besonders stark sank der Leerstand trotz großer Bautätigkeit im von Hochhäusern geprägten Central Business District. Bei BNP Paribas Real Estate etwa sieht man ihn in diesem Gebiet nur noch bei 3,4 Prozent. Als gesunde Quote gilt Immobilienexperten ein Leerstand von fünf bis sieben Prozent.

Gebaut wird seit einigen Jahren zwar gerade in der Innenstadt kräftig. Doch die entstehenden Büroflächen sind zu einem großen Teil bereits vorvermietet. Das Maklerhaus JLL geht davon aus, dass dieses Jahr noch 55 000 Quadratmeter neue Flächen auf den Markt kommen. Kommendes Jahr kämen bestenfalls 90 000 Quadratmeter hinzu. Das reiche bei weitem nicht aus, um die weiterhin solide Nachfrage zu decken, sagt Markus Kullmann, Senior Team Leader Office Leasing bei JLL in Frankfurt. Entsprechend steigen die Mieten weiter. JLL sieht die Spitzenmiete zum Jahresende bei 41 Euro pro Quadratmeter; bei Colliers spricht man jetzt schon von 43 Euro, bei BNP und Nai Apollo von 44 Euro, bei Cushman & Wakefield gar von 45 Euro pro Quadratmeter. Damit nähern sich die Mieten in der Spitze den Werten der Jahrtausendwende, als bis zu 100 D-Mark pro Quadratmeter gezahlt wurden.

Auch Investoren suchen weiterhin in großem Stil Immobilien in Frankfurt, in erster Linie Bürogebäude. Nach Zahlen verschiedener Maklerhäuser wechselten allein im ersten Halbjahr Gebäude im Wert von 2,3 bis 3,1 Milliarden Euro die Eigentümer. Größter Deal war der Verkauf des Bürokomplexes „Die Welle“ an der Alten Oper für 620 Millionen Euro. Der kleine Büroturm T8 an der Taunusanlage wurde für 400 Millionen Euro verkauft. Dass nicht noch mehr gehandelt wurde, liegt nach Ansicht von BNP am knappen Angebot. „Das Interesse der Investoren hätte auch für spürbar mehr Umsatz gereicht“, heißt es bei dem Maklerhaus. Bei JLL beobachtet man, dass sich potenzielle Käufer wegen des Produktmangels in Frankfurt zunehmend in anderen Städten des Rhein-Main-Gebiets umschauen.

Eine große Rolle spielen ausländische Investoren. Diese waren nach Zahlen des Maklerhauses Colliers für 43 Prozent, nach Zahlen von BNP sogar für 56 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Damit prägen ausländische Käufer das Marktgeschehen deutlich stärker als in anderen deutschen Städten. Dass diese gern in Frankfurt investieren, liege an der ausgeprägten Internationalität der Stadt, den hervorragenden Flugverbindungen und der Vielzahl großer Immobilien, heißt es bei BNP.

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