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Carl Philipp Spahlinger vor der Wöhlerschule.

Dornbusch

Bürgerpreis in Dornbusch: Aktiv gegen Vorurteile

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Bürgerpreis für Carl-Philipp Spahlinger.

Höflich, aufgeschlossen, wach und redegewandt. Das könnten vier Eigenschaften sein, die auf Carl-Philipp Spahlinger zutreffen. Aus dem Stegreif fünf Charakteristika zu finden, um sein Gegenüber zu beschreiben, erscheint gar nicht so einfach, bietet aber viel Gesprächsstoff, etwa bei einem „Speed-Dating gegen Vorurteile“.

Das hat der 19-Jährige an der Wöhlerschule im Rahmen eines Projekttages mit seinen Lehrern und Mitschülern ausprobiert. 800 Menschen, und damit rund drei Viertel seiner Schulgemeinde, trafen sich in vier Großgruppen zu dem besonderen Smalltalk. Auf Papphockern saßen sie sich in der Turnhalle gegenüber. Nach wenigen Gesprächsminuten wurde, wie beim Speed-Dating üblich, der Gesprächspartner gewechselt. „Es war der Versuch eine möglichst große Vermischung herzustellen“, sagt er. Schüler und Lehrer sollten sich auf gleicher Ebene begegnen, um gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Per Mikrofon stellte Spahlinger den Gruppen zu Beginn Fragen, beispielsweise: „Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?“, um so einen Dialog zu initiieren. Oder eben die Aufgabe „Beschreibe fünf Eigenschaften deines Gegenübers“. Dabei sprachen manche Mitglieder der Gesamtschule überhaupt das erste Mal miteinander oder lernten sich neu kennen. „Man musste ja auch zum Beispiel mit Lehrern reden, mit denen man noch nie konnte“, sagt Spahlinger.

Und weil eine fünfte Eigenschaft Spahlingers „Umtriebigkeit“ sein könnte, organisierte der ehemalige Schüler-, Stadtschüler- und Landesschülervertreter, der im Sommer sein Abitur abgelegt hat, den gesamten Projekttag an der Schule neben einigen Lehrern und Eltern gleich mit. Finanzielle und ideelle Unterstützung erhielt er für sein Projekt von der Polytechnischen Stiftung, die junge Menschen als „Stadtteilbotschafter“ fördert.

Bei dem Projekttag an der Wöhlerschule zählten neben Spahlingers Speed-Dating zu den insgesamt 18 Stationen rund um das Thema Kommunikation eine Gesprächsrunde mit Geflüchteten aus Syrien, außerdem Workshops der Bildungsstätte Anne Frank und des Museums für Weltkulturen. „Sich miteinander und mit gegenseitigen Vorurteilen auseinander zu setzen“, sei ihm wichtig, erzählt er.

Dass er für dieses ehrenamtliche Engagement, für das er brenne, nun ausgezeichnet wird, ehre ihn sehr, auch wenn das abgedroschen klinge. „Bei der ehrenamtlichen Arbeit ist man auf eine gewisse Wertschätzung angewiesen“, sagt Spahlinger. Sein freiwilliges Engagement hatte vor mehreren Jahren als Jugendbetreuer in der Nazareth-Gemeinde begonnen. Daneben ist er im Vorstand des Evangelischen Jugendwerks tätig.

Für sein ehrenamtliches Engagement erhält Spahlinger heute Abend im Römer neben weiteren Preisträgern den „Frankfurter Bürgerpreis“ von der Stadt sowie der Frankfurter Sparkassen-Stiftung.

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