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Protest gegen die Bebauung des Börneplatzes im Sommer 1987.
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Protest gegen die Bebauung des Börneplatzes im Sommer 1987.

Stadtgeschichte

Bürgermeister in Frankfurt: „Die Bebauung des Börneplatzes war falsch“

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Der Bürgermeister in Frankfurt, Uwe Becker, hofft darauf, dass die zerstörte Synagoge am Börneplatz irgendwann rekonstruiert wird.

In einer viel beachteten Rede hat der Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) vor dem Stadtparlament über 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gesprochen. Dabei sagte er auch, dass die Bebauung des Börneplatzes Ende der 1980er Jahre ein Fehler gewesen sei.

Herr Becker, nach Ihrer Rede in der vergangenen Woche war von einigen Stadtverordneten zu hören, Sie seien der erste CDU-Politiker, der Kritik an der Börneplatz-Bebauung äußere. In der Tat wurde Frankfurt zu jener Zeit ja von der CDU regiert …

Ich möchte die damaligen Entscheidungsprozesse nicht bewerten. Ich habe auch nur für mich gesprochen. Aus heutiger Sicht halte ich die Bebauung für falsch und ich frage: Was für ein Zeichen hätte man damals setzen können und sollen?

Welches Zeichen hätten Sie sich konkret gewünscht?

Die Stadt hätte die Synagoge am Börneplatz wieder aufbauen sollen. Sie müssen sehen: Frankfurt gäbe es in dieser Form ohne das Engagement jüdischer Familien gar nicht. Es waren jüdische Familien, die sich für Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft ganz stark engagiert haben. Davon profitiert Frankfurt bis heute. Umso wichtiger wäre es gewesen, jüdisches Leben wieder sichtbarer zu machen.

Woran ist der Wiederaufbau gescheitert?

KOnflikt um den Börneplatz

Anfang der 80er Jahre begann die Stadt Frankfurt mit den Planungen für ein neues Kundenzentrum der Stadtwerke am Börneplatz. Dort befand sich bis zur Pogromnacht 1938 eine große Synagoge. Diese bildete den Abschluss der Börnegasse, die bis ins 19. Jahrhundert noch Judengasse hieß.

Die Stadt schrieb 1984 einen Wettbewerb für die Bebauung aus. Dass bei den Arbeiten auch Überreste der Synagoge und des einstigen jüdischen Ghettos gefunden werden, war abzusehen. Und so kam es auch. Im Frühjahr 1987 stießen die Arbeiter auf Fundamente von Häusern und jüdischen Bädern. Dennoch ging die Bebauung zunächst weiter.

Um die Arbeiten zu stoppen, besetzten Demonstrant:innen am 28. August 1987 den Börneplatz. Am 2. September räumte die Polizei das Gelände. Aus dem Konflikt um den Börneplatz wurde eine bundesweit geführte Debatte um den Umgang mit jüdischer Geschichte in Deutschland.

Als Kompromiss entstand das Museum Judengasse. Einige der gefundenenen Fundamente wurden im Kellergeschoss des Hauses an ihrem ursprünglichen Ort wiederaufgebaut. geo

Die Zahl der hier lebenden Juden war erklärbar klein und das Bewusstsein der Gesellschaft für jüdisches Leben leider auch. Aber man will mit so einem Wiederaufbau ja auch ein Zeichen setzen. Nach dem Krieg lebten auch wenige erprobte Demokraten in Frankfurt. Dennoch wurde die Paulskirche sehr schnell wieder aufgebaut. Als Symbol für Demokratie. Hier wäre es um ein Symbol für jüdisches Leben in Frankfurt gegangen, das der Stadt gut angestanden hätte.

Stattdessen ist das Museum Judengasse entstanden.

Das war damals der Kompromiss. Das Museum macht tolle pädagogische Angebote. Überhaupt tut die Stadt viel, um jüdisches Leben in Frankfurt sichtbar zu machen. Etwa mit dem Jüdischen Museum oder mit unseren Veranstaltungen zu 1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland. Aber damit erreicht man natürlich nicht alle Menschen.

Lässt sich die Entscheidung am Börneplatz nicht korrigieren?

Vielleicht werden spätere Generationen einmal zu einer neuen Einschätzung kommen wie wir vor einigen Jahren beim Technischen Rathaus. Das haben wir abreißen lassen, um Platz für den Wiederaufbau der Altstadt zu schaffen. Wenn auf diese Weise die Synagoge wieder aufgebaut wird, würde mich das freuen.

Interview: Georg Leppert

Bürgermeister Uwe Becker ist auch Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen.

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