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Bürger:innen schreiben ihre Wünsche für Frankfurts Kulturlandschaft auf

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Von: Kathrin Rosendorff

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Auch ein Teeniemädchen machte bei der Umfrage mit.
Auch ein Teeniemädchen machte bei der Umfrage mit. © Michael Schick

Als Teil der Kulturentwicklungsplanung der Stadt konnten am Sonntag die Menschen, die in der Stadt leben, ihre Ideen am Sachsenhäuser Ufer einbringen. Zur Belohnung gab es ein Eis.

Auf der einen großen pinken Stellwand am Sachsenhäuser Mainufer steht: „Was gefällt Ihnen am Kulturangebot?“ Auf der anderen: „Was vermissen Sie?“ Mutia (42) kommt an diesem Sonntagnachmittag zufällig mit ihrem Mann vorbei. Die Deutsch-Türkin trägt ein T-Shirt auf dem Frida Kahlo auf dem Vogue Cover abgebildet ist.

Die Frankfurterin schreibt auf graue Sticker, die sie auf die „Gefällt mir“-Wand klebt, Dinge wie: Museenvielfalt, Streetfoodfestivals, Multi-Kulti. Was sie sich für Frankfurts Kulturlandschaft in Zukunft wünscht? „Mehr fremdsprachige Filmangebote und statt nur Zumba und Salsa, noch mehr Sport- und Tanzangebote aus anderen Kulturen.“ Sie ist Teilnehmerin bei der ersten Veranstaltung des mobilen Informations- und Befragungsformats „kep.lab“.

Zur Belohnung bekommen alle, die mitmachen ein Eis. Als Teil der Kulturentwicklungsplanung der Stadt können in den kommenden Wochen an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum Bürger:innen sich über den auf zwei Jahre angelegten Planungs- und Beteiligungsprozess informieren und eben auch ihre Ideen und Wünsche einbringen.

Laura (35) arbeitet selbst im Dialogmuseum und schreibt auf den grauen Aufkleber als Wunsch: „Barrierefreiheit digital und analog.“ Sie betont: „Meist kommt der Blick auf die Barrierefreiheit zu spät, statt sie gleich von Anfang an in die Planungen einzubeziehen.“ Ihr gegenüber sitzt Ulrike (35), die im Städelmuseum arbeitet. Ihr Anliegen: „Wie schafft man es, Leute, die nicht zum Bildungsbürgertum gehören, dazu zu bringen, Kultur in ihren Alltag zu integrieren?“

Ein Hindernis, da sind sich beide Frauen einig sei, dass allein durch die Architektur – viele Treppen nach oben – einige Museen von außen so wirkten als seien sie ein Olymp und damit das Gefühl vermittelten: „Darf ich da überhaupt rein?“

Das Dialogmuseum in der B-Ebene sei dagegen ein Positivbeispiel sagt Laura, da man durch eine Glasscheibe direkt reinschauen könnte. Ulrike sagt: „Wichtig ist es auch, dass die Menschen nicht den Druck bei Kunst verspüren, dass sie ein Vorwissen haben müssten. Das Ziel sollte sein, dass sie mit dem Gefühl rausgehen, Kunst ist doch ganz cool.“ Laura erzählt, dass das schönste Kompliment gewesen sei, als ein junger Mann sagte, dass er im Dialogmuseum, wo man in der Dunkelheit erlebt wie man als blinder Mensch durch den Alltag kommt, das coolste Erlebnis seiner Schulzeit hatte. Er wolle nun sogar seine Kumpels vorbeischicken.

Andreas Wellano, Schauspieler des freien Theaters Wuwei, sagt, er vermisse privat mehr kulturelle Sommerangebote in der Stadt. „Neulich war meine Enkelin zu Besuch und es gab an dem Tag nichts, wo wir hingehen konnten.“ In Berlin gebe es jeden Tag Angebote. Seine Frau Angelika Sieburg, die für die Organisation des Theaters zuständig ist, sagt: „Ende der 70er, Anfang der 80er-Jahre war das in Frankfurt schon mal besser.“ Es sollte mehr niedrigschwellige Kulturangebote geben. Das Paar plant eine Bürgerbühne, wo Menschen aus den verschiedensten Kulturen selbst ihre persönlichen Geschichten spielen oder singen.

Die nächsten Termine von „kep.lab“ gibt es online unter: kep-ffm.de.

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