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Vom obersten Stockwerk der Seniorenwohnanlage in der Schulze-Delitzsch-Straße haben die älteren Damen und Herren einen guten Blick auf die Baustelle für den Riederwaldtunnel.  

Interview

BI in Frankfurt: „Wir werden den sechsspurigen Ausbau bekämpfen“

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Friedhelm Ardelt-Theeck, der Sprecher des Aktionsbündnisses unmenschliche Autobahn, fordert eine längere Einhausung der nur vierspurigen A661.

Friedhelm Ardelt-Theeck ist Sprecher des Aktionsbündnisses unmenschliche Autobahn. Das Aktionsbündnis wehrt sich – auch mit rechtlichen Mitteln – gegen den Ausbau der A661. 

Herr Ardelt-Theeck, begrüßen Sie die Einhausung der Autobahn A661 auf rund einem Kilometer?
Generell schon. Es war immer unsere Forderung, dass die Autobahnen eingehaust werden sollen. Nur das Vorgehen und die Variante, die nun verfolgt wird, lehnen wir ab.

Warum geht Ihnen die Variante L2, für die sich die Koalition im Römer ausgesprochen hat, nicht weit genug?
Diese Variante ist viel zu kurz. Sie ist außerdem in der Mitte offen und lässt den Bereich an der Lärmschutzgalerie Seckbacher Landstraße an der Heinz-Herbert-Karry-Straße außer Acht. 

Welche Variante der Einhausung bevorzugen Sie?
Die Einhausung müsste zunächst von der Friedberger Landstraße mindestens bis zum Ende der Galerie erfolgen.

Bauvorhaben: Frankfurt und Hessen bringen Einhausung der Autobahn A661 auf den Weg

Das wäre die Variante L1 mit rund 1300 Meter Länge. Dafür setzt sich unter anderem die Linke im Römer ein. Diese Variante wäre aber deutlich teurer.
Die Kosten dürfen in diesem Punkt doch gar keine Rolle spielen. Man kann doch keine grüne Mitte anpreisen und in der Mitte der Einhausung eine bis zu 100 Meter lange Öffnung im Dach vorsehen, aus der Schadstoffe und Lärm rauskommen. Das hat die Baugesellschaft Deges in der vertiefenden Machbarkeitsstudie 2013/2014 so vorgesehen. Das wäre dann aber keine grüne Mitte.

Hessen Mobil will die A661 weiter ausbauen. Was muss dabei aus Sicht des Aktionsbündnisses beachtet werden?
Es gibt zwei Planänderungsverfahren. Das eine sieht den vierstreifigen Ausbau mit Einfädelspuren vor. Das zweite bezieht sich auf den sechsspurigen Ausbau der A661.

Was müsste dabei beachtet werden?
Aus unserer Sicht reicht eine Einhausung der vierspurigen Variante. Wir wollen nicht, dass die Autobahn A661 sechsspurig ausgebaut wird. Das lehnen die Bürgerinitiativen ganz grundsätzlich ab.

Was ist, wenn die Einhausung nur dann errichtet werden kann, wenn sie den sechsspurigen Autobahnausbau berücksichtigt?
Wir werden den sechsspurigen Ausbau bekämpfen. Wenn die Einhausung fällt, ist das nicht unser Problem. Das haben die Stadt Frankfurt und das Land Hessen zu verantworten. Dass man nur Einhausungen bekommt, wenn man Autobahnen erweitert, halten wir für grundlegend falsch.

Können Sie das erläutern?
Wir bekommen immer mehr Verkehr. Die sechsspurige A66 mit dem Riederwaldtunnel bringt neue Verkehrsmassen nach Frankfurt. Dadurch wird sich die Verkehrsmenge im Frankfurter Osten im Vergleich zu heute fast verdoppeln. Das bedeutet: noch mehr Verkehr auf der Friedberger Landstraße, auf dem Ratsweg und der Saalburgallee, auf dem Alleenring. Das kann nicht im Interesse der Stadt Frankfurt sein. Das ist völlig aus der Zeit gefallen. Wir dürfen keine Autobahnen mehr bauen. Der Riederwaldtunnel setzt voraus, dass die A661 sechs- oder achtspurig ausgebaut werden muss, um den zusätzlichen Verkehr aufzufangen. Und dieser Ausbau würde zu einer weiteren Verkehrszunahme führen.

Wo ist derzeit mehr Lärmschutz an den Autobahnen möglich?
Überall. Wir brauchen eine Einhausung nicht nur von der Friedberger zur Seckbacher Landstraße, sondern weiter bis zum Ostpark. Im Ostend, im Riederwald hört man den Lärm dauernd. Und Enkheim hat keinen Lärmschutz und wird keinen bekommen, weil die Autobahn 1973 planfestgestellt wurde. Das ist doch ein Skandal.

Interview: Florian Leclerc

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