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Bürgerdialog mit Planungsdezernent Mike Josef (mit Mikro).

Veranstaltung

Bürger sollen bei Josefstadt mitreden

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Der erste Bürgerdialog zur Josefstadt soll sieben Planungsteams Hinweise geben. Wegen der Versiegelung von Landflächen steht das Projekt in der Kritik.

Visionen, Mitdenken und Mitgestalten - darum sollte es gehen beim ersten Bürgerdialog zur Josefstadt am Samstag im Hotel am Nordwestkrankenhaus. Aber auch darum, Vertrauen zurückzugewinnen. Fast 130 Neugierige sind gekommen. Nicht alle sind begeistert vom neuen Stadtteil, der im Nordwesten Frankfurts entstehen soll, auch wenn dieser zunächst einmal deutlich kleiner ausfallen wird, als es die Stadt ursprünglich vorgesehen hatte. Die Regionalversammlung Südhessen hatte Ende 2019 Bedingungen aufgestellt für den geplanten Wohn- und Lebensraum für bis zu 30 000 Menschen beiderseits der A5 zwischen Eschborn, Steinbach und Oberursel, welche die Bebauung westlich der A5 erschweren. Planungsdezernent Mike Josef (SPD), nach dem das Viertel in Frankfurt benannt ist, lässt sich davon nicht entmutigen.

„Der sollte mal das Buch ,Verbietet das Bauen‘ lesen“, schimpft eine Frau vor den Plakaten, auf denen das Gebiet eingezeichnet ist. „Da steht, dass es genug Fläche gibt und kein Stück mehr versiegelt werden muss, wenn man die vorhandene Fläche gut durchdenkt.“ Josef hört den Kommentar nicht. Der Planungsdezernent unterhält sich mit den Experten. Mit Stadt- und Regionalplaner Peter Kreisl, der Präsidentin der Bundesarchitektenkammer in Berlin, Barbara Ettinger-Brinckmann, und dem Stadtplaner Uli Hellweg. Die Veranstaltung soll sieben Planungsbüros aus Europa, die ausgewählt wurden, Studien zu Stadt und Landschaft des Gebietes zu machen, einen Eindruck vermitteln, was die Bürger beschäftigt. Workshops zu den Themen „Leben mit und in der Landschaft/Urbane Quartiere“, „Lebendige und produktive Stadt“ sowie „Zukunftsfähige Mobilität“ geben Input. 

„Ich glaube, das ist alles Parteipolitik“

Die Landwirte im Saal interessiert das weniger. Eine ältere Dame hat mit ihrer Familie Äcker auf dem ausgewiesenen Gelände. Sie flüstert. „Was glauben die eigentlich? Seit Generationen sind die Felder im Familienbesitz. Für unsere Kinder und Enkelkinder. Und dann kommen die, wollen den Grund für fast nichts haben und denken, das geht so einfach.“ Konzentriert lauscht sie den Berichten, dass Gebiete östlich der A5 bereits beantragt werden und auch für das westliche Gebiet Machbarkeitsstudien anstehen. Sie hört genau zu, als Kreisl erwähnt, dass es am „Ende auch an Kosten liegt“. Die Frau nickt, ebenso wie andere im Saal. Man wolle lieber höher bauen, als in die Breite, damit weniger Fläche versiegelt wird. Zudem soll der neue Stadtteil ein Viertel mit vielen kleinen Quartieren werden. 

Aus dem Publikum kommen Fragen, ob es schon Baugenehmigungen gibt, wie es mit der Energieversorgung aussieht, mit Trinkwasser, Verkehr, der Klimabilanz und der Landschaftsveränderung. Und auch, wie die Lebensmittelversorgung durch lokale Landwirtschaft gewährleistet werden könne. Die Gastgeber greifen die Themen auf, erinnern daran, dass es sich jetzt erst einmal um Studien der Planungsbüros unabhängig voneinander dreht. Man werde alles in Betracht ziehen und auf alle Punkte in diesen Studien eingehen. Am Ende der Diskussion raunt die Landwirtin. „Ich glaube, das ist alles Parteipolitik. Wir kennen das doch schon vom Riedberg. Die wollen nur zocken. Bürgerwünsche sind denen doch im Endeffekt egal.“ In einer Pause spricht sie Mike Josef an. Nach einer Weile kommt sie zurück. „Es war ein richtig nettes Gespräch. Jetzt weiß ich mehr. Vielleicht ist doch nicht alles so schlimm, wie ich dachte.“

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