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Bürgerbefragung zu Frankfurt

Zu schmutzig, zu viel Verkehr - Frankfurter unzufrieden über die Sauberkeit in ihrer Stadt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Unzufriedenheit der Frankfurter*innen über die Sauberkeit in der Stadt ist auf Rekordhoch. Hinzu kommt: das drängendste Problem Wohnungsmarkt.

  • Frankfurter*innen bezeichnen ihre Stadt als „schmutzig“.
  • Die Befragung fand Ende 2019 statt.
  • Viele loben aber die Lebensqualität in Frankfurt.

Noch nie zuvor haben so viele Frankfurterinnen und Frankfurter ihre Stadt als schmutzig bezeichnet wie in der aktuellen Bürgerbefragung. 37 Prozent der Befragten waren Ende 2019 dieser Meinung. Das waren gleich fünf Prozentpunkte mehr als noch Ende 2018. Der zuständige Dezernent Jan Schneider (CDU) betonte am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse, dass die Befragung noch vor Beginn der Corona-Pandemie beendet und die dabei aufgetretene Müllproblematik somit noch gar kein Thema gewesen sei.

Frankfurter*innen sind mit der Sauberkeit ihrer Stadt unzufrieden

Ebenfalls ein Allzeithoch bei den seit 27 Jahren erhobenen Zahlen erreichte die Unzufriedenheit mit der Verkehrssituation. 38 Prozent der Befragten bewerteten den Verkehr in der Stadt als das drängendste Problem und damit elf Prozent mehr als noch Ende 2018. Genannt wurden auf die Fragen ohne Antwortvorgaben im Einzelnen etwa „zu viel Verkehr/Staus/Baustellen“, „zu wenig Parkplätze“ oder „öffentliche Verkehrsmittel“. Bei Bussen und Bahnen ist die Unzufriedenheit sogar so groß wie noch nie.

Während die Unzufriedenheit über die mangelnde Sauberkeit seit Jahren zunimmt, könnte der sprunghafte Anstieg bei der Verkehrsproblematik Schneider zufolge durch eine aktuelle öffentliche Debatte beeinflusst worden sein, etwa den Radentscheid, der zum Zeitpunkt der Befragung ein Thema war. Ebenso überraschend für die Statistiker war, dass nur noch 66 Prozent der Befragten Frankfurt als „modern“ einstuften (minus vier Prozentpunkte).

Befragung

Nach Zufallsstichproben erhielten Ende vergangenen Jahres 4500 Bürgerinnen und Bürger Fragebögen. 1400 oder 43,6 Prozent beantworteten sie.

Ab Anfang 2022 soll die Befragung auch online möglich sein und an etwa 25 000 Personen rausgehen. Die Stadt erhofft sich eine größere Teilnahme und aussagekräftigere Zahlen.

In manchen Fällen zeigt sich in der Befragung aber auch eine gestiegene Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger. So erreichte die Anzahl der Menschen, die das Radwegenetz der Stadt kritisieren, mit 40 Prozent ebenfalls einen Rekordwert, obwohl es aktuell so viele Radwege in der Stadt gibt wie nie zuvor. Keine Überraschung hingegen ist, dass die meisten Befragten (58 Prozent) den Wohnungsmarkt in der Stadt als das größte Problem sehen. Jeder Dritte kritisierte die zu hohen Mieten, mehr als jeder Vierte empfindet das Wohnungsangebot als zu gering.

Befragung in Frankfurt wird es demnächst nicht mehr geben

Insgesamt aber halten die Frankfurterinnen und Frankfurter ihre Stadt für lebenswert. 65 Prozent sind der Überzeugung, dass „man in der Stadt gut leben kann“ (plus vier Prozentpunkte). Die positiven Attribute, mit denen die Befragten Frankfurt am häufigsten in Verbindung brachten, sind „international“ (86 Prozent), „wirtschaftskräftig“ (81 Prozent) „weltoffen“ (73 Prozent) und „interessant“ (67 Prozent).

Sechs von zehn Befragten empfinden die Stadt aber auch als hektisch. Ambivalent fielen die Antworten zu der Frage der Sicherheit aus. Zwar empfinden 33 Prozent der Befragten Frankfurt als sicher, aber 32 Prozent als unsicher.

Im kommenden Jahr wird es keine Bürgerbefragung geben. Denn die Stadt will die Fragebogen künftig auch online anbieten und erhofft sich dadurch einen höheren Zuspruch bei der Beantwortung. Die Fragebogen nur mit Stift und Papier beantworten zu können, empfinden viele nicht mehr als zeitgemäß.

Die einjährige Pause ist nach Ansicht von Schneider wegen des Coronavirus vielleicht sogar vorteilhaft. Sonst würde womöglich ein stark von der Pandemie verfälschtes Bild entstehen. Insbesondere in den Rubriken „Arbeitslosigkeit“ und „Finanzen der Stadt“ dürfte die Corona-Krise Spuren hinterlassen. (Von Oliver Teutsch)

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