Organspenden

Bürgerämter in der Pflicht

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In den städtischen Behörden wird es demnächst Anträge auf Spenderausweise geben obwohl dort schon jetzt nach Einschätzung des Magistrats viel zu tun ist.

Als hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den städtischen Bürgerämtern nicht schon genug zu tun: In direktem Kontakt zum Publikum werden jährlich 644 000 Einzeldienstleistungen „fachkompetent und zügig“ erledigt, heißt es in einem aktuellen Magistratsbericht. Dennoch haben sich die Stadträte Stefan Majer (Grüne) und Jahn Schneider (CDU) dazu durchgerungen, den Bürgerämtern eine weitere Aufgabe zuzumuten. Sie sollen demnächst den Bürgerinnen und Bürgern Organspendeausweise mit entsprechendem Informationsmaterial aushändigen.

Begründet wird diese Entscheidung mit der Erkenntnis, dass es in der Bevölkerung grundsätzlich eine hohe Bereitschaft zu einer Organ- und Gewebeentnahme nach dem Tod gebe. Zu der Anzahl derjenigen aber, die tatsächlich einen Organspendeausweis ausgefüllt haben, klaffe eine große Lücke. Beate Menger vom Gesundheitsdezernat betonte auf Anfrage, dass die Formulare lediglich ausgehändigt würden, eine Beratung sei nicht vorgesehen. „Es geht darum, auf das Thema aufmerksam zu machen.“ Zusätzliche Informationen seien nicht vorgesehen. Dazu seien die in den Bürgerämtern Beschäftigten fachlich und ethisch nicht in der Lage. Üblicherweise kann ein Organspendeausweis bei der Krankenkasse oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beantragt werden. Die letzte „bundesweite Repräsentativbefragung“ hatte 2018 ergeben, dass 84 Prozent der Befragten dem Thema Organ und Gewebespende positiv gegenüberstehen. Nur 39 Prozent hätten ihre Entscheidung in einem Spenderausweis oder einer Patientenverfügung dokumentiert.

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