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Die Paulskirche.

Diskussion

Frankfurt: Bürger sollen über Paulskirche abstimmen

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Die Politologin Brigitte Geißel schlägt einen Entscheid über die Zukunft des denkmalgeschützten Bauwerks und des geplanten Demokratiezentrums vor.

Das Thema Zukunft der Paulskirche lockt viele an. Die Sitzreihen im Auditorium des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt sind gefüllt. Es ist die Politikwissenschaftlerin Brigitte Geißel von der Goethe-Universität, die das Podium aufmischt. Sie schlägt Instrumente der direkten Demokratie vor, um alle Menschen für die Paulskirche und das im Umfeld geplante Demokratiezentrum zu interessieren. Es geht ihr darum, „nicht nur Männer über 60 mit Universitätsabschluss“ einzubeziehen, wie die Professorin mit einem Lächeln sagt. Ein Raunen geht durchs Auditorium.

Geißel nennt als Beispiele die Republiken Irland und Belgien. In Irland würden beispielsweise Änderungen der Verfassung durch einen „Bürgerdialog“ entschieden. Zur Zukunft der Paulskirche will die Politologin „eine Zufallsauswahl von 30 bis 40 Bürgern“ versammeln und sie an zwei Wochenenden diskutieren und Vorschläge sammeln lassen. Am Ende müsse über die Paulskirche und das Demokratiezentrum „per Bürgerentscheid“ abgestimmt werden.

Die Vorteile eines solchen Verfahrens fasst die Wissenschaftlerin knapp zusammen. „Es gibt keine Lobbyisten und kein Parteiengezänk!“ Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), ebenfalls auf dem Podium, zeigt sich angetan: Er spricht die „Einladung“ aus, „das zu machen“.

Es ist ein Abend der sehr verdienstvollen Bürgeruniversität. Seit 2008 richtet die Frankfurter Goethe-Uni dieses besondere Format aus. Sie geht immer wieder an besondere Orte in der Stadt, um dort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie will hinaus aus dem Elfenbeinturm. Und bleibt dabei eng an der „als krisenhaft erlebten Gegenwart“, wie Moderatorin Rebecca C. Schmidt vom Exzellenzcluster Normative Ordnungen der Goethe-Uni sagt, das an diesem Abend Mitveranstalter ist.

Nationales Symbol für Meinungsfreiheit

Rainer Forst, der Direktor des Exzellenzclusters, umreißt sehr deutlich, warum es die Paulskirche gerade jetzt als nationales Symbol für Meinungsfreiheit mehr denn je brauche. Die Demokratie werde gegenwärtig „autoritär ausgehöhlt“. Schon die Aufgabe eines Teils des Asylrechts durch die Bundesregierung in den 1990er Jahren sei eine Verletzung der Demokratie gewesen. Nationalismus und Xenophobie stellten „falsche Lösungen“ dar.

Den Herausforderungen „transnationaler Natur“ wie Klimawandel und Migration könne auch nur mit „transnationaler Politik“ begegnet werden. Forst nennt die Paulskirche „einen der wichtigsten Orte in Deutschland“, die für Demokratie stünden.

Der Kunsthistoriker Carsten Ruhl von der Goethe-Universität wendet sich gegen Rekonstruktionen, wie sie ja auch bei der Paulskirche diskutiert worden waren. Die Stadtverordnetenversammlung hatte in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit entschieden, die Grundform des Gebäudes beizubehalten, wie es 1948 nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden war: bescheiden, zurückhaltend, als Signum des neuen demokratischen Staates nach der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft.

„Ich bin sehr froh über diese Entscheidung“, bekennt Peter Cachola Schmal, der Direktor des Deutschen Architekturmuseums. Die Architektur des Wiederaufbaus von 1948 nehme sehr direkt Bezug auf den demokratischen Aufbruch nach der NS-Zeit – so gelange man durch die bewusst düstere Wandelhalle „zum Licht“, nämlich nach oben in den Hauptraum.

Kunsthistoriker Ruhl sieht als Negativbeispiel einer Rekonstruktion das Stadtschloss in Berlin an. Dort werde „eine idealisierte Form rekonstruiert“. Bei der neuen Frankfurter Altstadt zwischen Dom und Römer sei „architektonische Qualität zerstört“ worden, „um etwas Neues zu errichten“.

Oberbürgermeister Peter Feldmann sieht einen „Auftrag aus der Geschichte Deutschlands“ für die Aufwertung der Paulskirche in der Zukunft. Es gebe die „unglaubliche Chance“, von Frankfurt aus „demokratische Werte hinauszutragen“.

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