+
Stundenlang waren die Alte Brücke und der Main durch die Protestaktion blockiert.

Flüchtlinge

Bündnis Seebrücke blockiert den Main in Frankfurt

  • schließen

Das Aktionsbündnis Seebrücke besetzt die Alte Brücke in Frankfurt. Stundenlang geht es für Schiffe und Autos nicht weiter. Die Demonstranten sind es leid, dass die Stadt nicht ihre wichtigste Forderung erfüllt.

Das Bündnis Seebrücke hat am frühen Samstagnachmittag mit mehreren Hundert Menschen die Alte Brücke und den Main in Frankfurt blockiert. Fünf Aktivisten seilten sich von der Brücke ab und hingen über dem Fluss. Auf dem Wasser waren mehrere Boote mit Demonstranten, zudem wurde ein Banner auf dem Main entfaltet. Die Blockade dauerte etwa vier Stunden. Um 18 Uhr beendeten die Aktivisten den Protest.

„Wir blockieren, damit Bewegung in die Sache kommt“, sagte Georg Bosak, Pressesprecher der Seebrücke Frankfurt. Das Bündnis fordert sichere Fluchtwege und die kommunale Aufnahme von aus Seenot geretteten Menschen im Mittelmeer. Die Blockade sei eine Verdeutlichung, dass die individuelle Bewegungsfreiheit durch EU-Regierungen zunehmend eingeschränkt werde. Vom Land Hessen fordern die Aktivisten ein landesweites Aufnahmeprogramm für gerettete Menschen. Frankfurt solle sich zudem zur sicheren Hafenstadt erklären. Andere hessische Städte, wie Darmstadt, Marburg und Offenbach, hätten dies bereits getan.

Durch die stundenlange Blockade der Brücke und des Mains wurde nicht nur der Straßen-, sondern auch der Schiffsverkehr beeinträchtigt. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei mussten sieben Frachtschiffe ihre Fahrt an den Schleusen Offenbach und Griesheim unterbrechen. Auch die Fahrgastschiffe am Eisernen Steg mussten ihre Fahrten zeitweise einstellen. Zwei Einsatzfahrten eines Rettungsboots der DLRG wurden ebenfalls erschwert. Die Rettungskräfte seien über einen Mainseitenarm, den sogenannten Müllermain, ausgewichen, so die Polizei.

Etwa 950 Menschen nahmen an der Demo teil.

Der Protestaktion auf der Alten Brücke war am Vormittag eine Demonstration durch die Stadt vorausgegangen. Etwa 950 Menschen gingen am Zoo los und zogen dann in die Fischerfeldstraße zur Parteizentrale der Frankfurter SPD – die Polizei sprach sogar von 1200 Menschen. Auch der CDU-Zentrale nahe der Konstablerwache wurde ein Besuch abgestattet. Damit sollte zwei von drei Parteien der Römerkoalition deutlich gemacht werden, dass die Stadtregierung sich den sicheren Häfen anschließen müsse. „Alle Gespräche mit der Stadt sind bisher ins Leere gelaufen“, sagte Pressesprecher Bosak. Er rief die Parteien dazu auf, ein mutiges Zeichen zu setzen.

Die Demoteilnehmer hatten sich mit Rettungswesten, Rettungsdecken, Rettungsringen und Schwimmflügeln ausgestattet. Auf Plakaten standen Sprüche wie „Die christlichen Werte ertrinken im Mittelmeer“ und „Seebrücke statt Seehofer“.

Frank Neumeyer aus Frankfurt beteiligte sich mit seiner Familie ebenfalls an der Demo. Er hielt ein Schild in die Luft mit der Aufschrift „Seenotrettung ist kein Verbrechen“ und „United against racism“. „Die Entwicklung der Situation im Mittelmeer spitzt sich immer weiter zu, und es ist keine Lösung in Sicht“, sagte Neumeyer. Er wolle auf der Demonstration ein Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen könne. „Es werden noch Tausende Leute dort sterben.“ Frankfurt, aber auch die Bundesregierung sollten endlich handeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare