Städtische Bühnen in Frankfurt am Main
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Die Zahl der Unterstützer der Petition hat sich verdreifacht.

Oper und Schauspiel

Bühnen-Initiative in Frankfurt geht von „Geheimhaltung“ von Berichten aus

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Initiative zum Teilerhalt der Bühnen gewinnt Unterstützer und weitet ihre Vorwürfe gegen die Stabsstelle aus. Diese reagiert.

Wenige Tage nachdem eine Initiative die Petition zum Teilerhalt der Städtischen Bühnen Frankfurt vorgestellt hat, ist die Zahl der Unterstützer auf mehr als 1300 gewachsen. Rund 400 Erstunterzeichner hatten die Petition mitgetragen.

Die Initiative, die unter anderem vom Kasseler Architekturtheoretiker Philipp Oswalt, der Frankfurter Städtebauprofessorin Maren Harnack und dem Frankfurter Architekten Stefan Forster getragen wird, bewerten die Städtischen Bühnen als herausragendes Beispiel der Nachkriegsarchitektur. Sie sollten wegen ihrer Denkmalwürdigkeit und der identitätsstiftenden Wirkung nicht komplett abgerissen werden.

Vielmehr sind aus Sicht der Initiative unter anderem das Wolkenfoyer, die Glasfassade und die Zuschauersäle zu erhalten. Die Petition setzt sich darüber hinaus für einen Verbleib der Bühnen am Willy-Brandt-Platz ein und wendet sich gegen eine Kommerzialisierung dieses öffentlichen Raums.

Der Stadtpolitik und der Stabsstelle zur Zukunft der Städtischen Bühnen stellen die Initiatoren ein schlechtes Zeugnis aus. „Eine unzureichende konzeptuelle Debatte, das Fehlen einer kritischen Reflexion der Planungsprämissen, die Missachtung denkmalpflegerischer Belange und die Geheimhaltung der fachlichen Grundlagen der Entscheidung sind Ausdruck eines mangelhaften Verfahrens, dessen Ergebnis weder plausibel noch überzeugend ist.“ Wie Philipp Oswalt auf Nachfrage ausführte, habe die Stabsstelle nicht alle Unterlagen, die seit 2017 über die Bühnen verfasst worden seien, öffentlich gemacht. Vielmehr hätten die Stadtverordneten ihren Beschluss zum Abriss der Bühnen und damit „eine Milliardenentscheidung“ auf Grundlage einer 16 Seiten langen Präsentation gefasst. Den Umgang mit dem Denkmalschutz bezeichnete er als „skandalös“. Es sei fachlich unstrittig, dass Teile der Anlage Denkmalwert hätten.

Michael Guntersdorf, der Leiter der Stabsstelle zur Zukunft der Städtischen Bühnen, warb in der Debatte um mehr Sachlichkeit. Seit 2017 habe ein Planungsteam mehrere Berichte zu fachspezifischen Themen wie Brandschutz, Heizung, Statik eingeholt. „Diese Berichte können jederzeit in der Stabsstelle eingesehen werden“, sagte Guntersdorf.

Die einzelnen Berichte seien von einem Validierungsteam unter Leitung des Frankfurter Architekturbüros Schneider+Schumacher überprüft worden. Der Validierungsbericht werde den Stadtverordneten über das parlamentarische Versandpaket bereitgestellt. Derzeit liege der Bericht dem Lenkungskreis zur Prüfung vor. „Wir wollten die Stadtverordneten nicht mit Hunderten Seiten erschlagen, wie das bei der Machbarkeitsstudie 2017 geschehen ist“, sagte Guntersdorf. Die Inhalte aus den Planungsberichten und dem Validierungsbericht deckten sich mit der Präsentation.

Die Stadtverordneten hatten Ende Januar aus Kostengründen den Abriss der Bühnen beschlossen. Eine Sanierung im Bestand würde laut Bericht der Stabsstelle 826 Millionen Euro kosten, eine verbesserte Sanierung 918 Millionen Euro. Für eine Doppelanlage sind 874 Millionen Euro angesetzt. Zwei Neubauten kosten demnach 809 Millionen Euro, falls die Oper zum Interim würde.

Petition: http://chng.it/6FzYqWdY

Auf Grund der Corona-Krise hat Oberbürgermeister Peter Feldmann Investitionen in das Milliarden-Projekt Frankfurter Bühnen vorerst gestoppt.

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