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Taxifahrer machen zu Messezeiten das Geschäfts des Jahres. 

Tourismus

Bücherschau stärkt Image und Wirtschaft

Frankfurt ist auf große Messen angewiesen – auch wenn die Straßen voll sind und Touristen unter den Hotelpreisen leiden.

In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Taxi-Journal“ ist eine Glosse der Frankfurter Rundschau aus dem Herbst 1960 abgedruckt. Der Autor „Bastian“ (die älteren FR-Leserinnen und -Leser werden sich erinnern) schrieb damals über einen Polizeieinsatz vor dem Messegelände. Während der Buchmesse mussten die Taxifahrer den Halteplatz vor dem Messeeingang räumen und sich viel weiter entfernt hinter der Straßenbahnhaltestelle postieren. Auf Nachfrage teilte die Polizei dem FR-Autor mit, die Buchmesse sei eben keine Großveranstaltung und nicht besonders bedeutsam, da müssten die Taxifahrer nicht direkt vor dem Eingang stehen.

Hans-Peter Kratz amüsiert sich köstlich über die fast 60 Jahre zurückliegende Beschreibung. Der Chef der Frankfurter Taxi-Vereinigung findet gar nicht genug Superlative, um die Bedeutung der Buchmesse zu erläutern. Gerade an den Fachbesuchertagen laufe das Geschäft immens gut. Die Taxifahrer könnten mindestens das Doppelte ihres gewöhnlichen Umsatzes erwirtschaften. Wenn nicht mehr.

Seit gestern Abend ist wieder Messe in Frankfurt: Die U4 und die S-Bahnen sind proppevoll, auf der Abfahrt der A648 staut sich der Verkehr, Gastronomen, Taxifahrer und Einzelhändler frohlocken – und die Hotelpreise sind hoch wie nie. Eine FR-Recherche ergab, dass etwa ein Einzelzimmer in einem Viersternehotel um die 500 Euro pro Nacht kostet. Außerhalb der Messezeiten ist das Zimmer für 105 Euro zu haben. Preissteigerungen von 200 Prozent und mehr sind in den ersten Tagen der Messe üblich. Am Wochenende reisen die Fachbesucher ab, und die Preise normalisieren sich wieder.

Für Touristen, die zu dieser Zeit Frankfurt besuchen wollen, seien die Preise ein Problem, sagt Thomas Feda, der Geschäftsführer der Frankfurter Tourismus- und Congressgesellschaft. Doch der Bedeutung großer Messen und im Besonderen auch der Buchmesse für die Stadt ist sich Feda sehr bewusst. „Sie ist ein unheimlicher Imagefaktor“, sagt er. Die Buchmesse verbinde Geld und Geist – setze also dem Ban-kenimage etwas stark Kulturelles entgegen und weiche Frankfurts hartes Image etwas auf.

Feda unterstreicht auch den ökonomischen Faktor, der immens sei. „Während der Messe werden Millionen Euro umgesetzt.“ Dies beginne bei den Hotels, in denen Besucher und Aussteller übernachten. Aber auch die Gastronomie, der Einzelhandel, die Kultureinrichtungen sowie der öffentliche Nahverkehr und die Taxibetriebe spürten die starken Effekte in Form von höheren Umsätzen.

Auch andere Großveranstaltungen in der Stadt, wie der anstehende Weihnachtsmarkt oder das Museumsuferfest, sind positiv für Frankfurt. Sowohl als Wirtschaftsfaktor als auch wieder bei der Imageverbesserung. „So ein Weihnachtsmarkt macht eine Stadt sehr sympathisch.“ Frankfurt könne sich von einer anderen Seite präsentieren, und jeder Besucher rede hinterher über die Stadt, mache sie bekannter und sorge somit vielleicht wieder für neue Besucher.

Auch Markus Frank könnte im Gespräch mit der FR viel über die wirtschaftliche Bedeutung der Buchmesse und anderer großer Messen reden. Schließlich ist der CDU-Politiker Wirtschaftsdezernent der Stadt. Zunächst aber betont Frank, dass das „kreative und intellektuelle Publikum“ zu Buchmessezeiten eine große Bereicherung für die Stadt sei. „Das tut uns gut.“

Aber klar: Eine Messe mit 300 000 Besuchern sei für fast jeden Wirtschaftszweig in der Stadt wichtig. Und was für die Buchmesse gelte, das stimme für die IAA erst recht. Deshalb sei es ja so wichtig, dass die Automobilmesse in Frankfurt bleibt. Die Verhandlungen darüber laufen. Vieles spricht dafür, dass die Kommunalpolitik den Veranstaltern weitreichende Zugeständnisse machen wird, um den Standort zu sichern.

Das würde auch Frank Diergardt, Sprecher des Vereins „Neue Zeil“, sehr begrüßen. Wie viel zusätzlichen Umsatz die Buchmesse bringt, lässt sich für ihn als Vertreter des Interessenverbandes schwer schätzen. Aber: Der Einzelhandel profitiere vor allem von der Nähe zwischen Messegelände und Innenstadt. Diergardts These: So ziemlich jeder Besucher, der zumindest für eine Nacht in Frankfurt bleibt, geht in dieser Zeit auch auf die Zeil und gibt dort Geld aus. Daran habe im Übrigen auch die Eröffnung des Einkaufszentrums Skyline Plaza nichts geändert.

Fehlt zum Glück der Wirtschaft eigentlich nur noch ein verkaufsoffener Sonntag anlässlich der Buchmesse. Doch Pläne, wegen der Messe sämtliche Geschäfte in der Stadt am Sonntag zu öffnen, scheitern regelmäßig vor Gericht. Wirtschaftsdezernent Frank war deshalb am Dienstag in Wiesbaden (siehe Bericht auf Seite F20). Sein Ziel: Eine Öffnung an Sonntagen soll immer dann möglich sein, „wenn es im öffentlichen Interesse liegt“.

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