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Saba Afeworki in der Naxoshalle. Ihre Mutter war eine der ersten sieben Frauen in Eritrea, die sich entschieden im Unabhängigkeitskrieg gegen Äthiopien an der Front zu kämpfen.
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Saba Afeworki in der Naxoshalle. Ihre Mutter war eine der ersten sieben Frauen in Eritrea, die sich entschieden im Unabhängigkeitskrieg gegen Äthiopien an der Front zu kämpfen.

Feminismus in Frankfurt

Buchpräsentation: 167 Gesichter des Feminismus in Frankfurt

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Das Fotoprojekt „This is what a feminist looks like in Frankfurt“ ist jetzt als Buch erhältlich. Es zeigt Feminist:innen jenseits von Generations- und Geschlechtergrenzen.

Saba Afeworki streckt ihren linken Arm in die Luft, die Faust ist geballt. Sie trägt ein traditionelles Kleid wie Frauen es in Eritrea tragen. Die 37-Jährige steht in der Naxoshalle im Ostend. Im Alter von acht Monaten kam sie aus Eritrea mit ihrer Mutter nach Deutschland und wuchs unweit der Naxoshalle auf. Deswegen habe sie sich diesen Ort fürs Fotoshooting ausgesucht, erzählt sie.

Afeworki ist eine von 167 Feminist:innen, deren Porträts beim Fotoprojekt des Frauenreferats „This is what a feminist looks like in Frankfurt“ (Das ist wie ein:e Feminist:in in Frankfurt aussieht) entstanden sind. Die Fotografin Katharina Dubno hat dabei keine Vorgaben gemacht. Ort und Empowering-Pose entschieden die Fotografierten selbst. Die Bilder waren bislang nur digital zu bewundern.

Einige der Protagonistinnen bei der Buchpräsentation: Frauenreferatsleiter Gabriele Wenner (ganz links). Richterin Mahtab Khedri (Dritte von li.); Förderschullehrerin Laura Villalba y Weinberg (zweite von rechts) und Saba Afeworki (ganz rechts).

Vor wenigen Tagen feierten die Protagonist:innen, dass die Porträts mit ihren jeweiligen persönlichen Statements zum Feminismus auf 160 Seiten als Buch erschienen sind. „Meine Stärke und Resilienz ist in der Geschichte des eritreischen Feminismus verwurzelt“, so beginnt Afeworki ihr Statement im Buch. Ihre Mutter war eine der ersten sieben Frauen, die sich durchgesetzt hatten, selbst im Unabhängigkeitskrieg gegen Äthiopien, an der Front zu kämpfen. „Und zwar mit dem Ziel, die ökonomische Selbstständigkeit der Frauen in ihrem Land zu stärken.“

Ihre Mutter habe ihr in Deutschland immer wieder Kraft gegeben, wenn sie gegen eine doppelte Diskriminierung als schwarze Frau kämpfen musste. „Du kannst alles erreichen, was du willst“, habe sie gesagt. Das erzählt Afeworki, als sie bei der Buchpräsentation auf einer Bank des Außengeländes der Location „Danzig am Platz“ sitzt. Sie ist Gründerin der „Black owned Business Association“, Yogalehrerin und Mitarbeiterin im Verein zur beruflichen Förderung von Frauen.

Auch Männer wie Anton Rahlwes, Chefredakteur des form Designmagazins sind im Buch vertreten: „Ich kämpfe dafür, dass andere irgendwann nicht mehr kämpfen müssen.“

Aber nicht nur Frauen, sondern auch Männer und trans*Menschen sind im Buch vertreten. „Denn Feminist:innen gibt es jenseits von Generations- und Geschlechtergrenzen“, sagt Linda Kagerbauer, die beim Frauenreferat für Mädchenpolitik und Kultur zuständig ist. Frauenreferatsleiterin Gabriele Wenner ergänzt: „Wir wollten mit den unbewussten Stereotypen, die es immer noch gibt, brechen.“

Das Buch

„This is what a feminst looks like in Frankfurt“ gibt es ab sofort in Buchhandlungen oder zu bestellen unter www.nizzaverlag.de

Das Buch kostet 22 Euro. Online gibt es die Porträts zu sehen unter: http://frauen-macht-politik-ffm.de/frankfurter-portraits/

Und beim Thema Gleichberechtigung gäbe es auch 2021 immer noch sehr viel zu tun, Alltagsdiskriminierung sei allgegenwärtig. „Mit dem Projekt wollten wir zeigen: „Du bist nicht allein und du bist nicht selbst schuld. Wir wollen, dass sie sich im Kampf für Gleichberechtigung und gegen Sexismus zusammenschließen“, so Kagerbauer. Auch Politikerinnen wie Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sind Protagonistinnen des Buches. Sie erzählt, dass auch sie entnervt sei von notorischen, unterschwelligen, sexistischen Kommentaren von Politik-Kollegen.

Eine weitere Protagonistin ist Mahtab Khedri, Richterin am Sozialgericht. Sie betont: „Ich halte den Kampf um Gleichberechtigung für wichtig auf allen Ebenen. Privat und beruflich.“ Denn es gebe immer noch eine strukturelle Ungleichheit. „Gerade als junge Frau mit Migrationshintergrund darfst du dir keinen Fehler erlauben. Deine Fehler werden anders gewichtet.“

Estefania Lopez ist Yogalehrerin und Förderschullehrerin. Sie wünscht sich, dass Frauen nicht gegeneinander kämpfen, sondern gemeinsam.

Neben ihr sitzt die Förderschullehrerin Laura Villalba y Weinberg. Sie ist auch Teil des Buches und mit Khedri befreundet. Sie betont: „Ich erlebe es tagtäglich, dass Mädchen und Jungs immer noch unterschiedlich behandelt werden. Mädchen wird nicht das Gleiche zugetraut wie Jungs. Deswegen ist es wichtig, dass es Vorbilder gibt wie Mahtab. Damit die Mädchen sehen, dass man nicht nur als weiße Frau Richterin werden kann.“

Fat-Aktivistin Magdalini Savvidou (hinten) kämpft gegen den Diätwahn. Regisseurin Ewgenija Weiss für bessere Verhältnisse.

Für Estefania Lopez ist es ein emotionaler Moment, ihr Foto in einem Buch zu sehen. Die 32-Jährige sagt, sie habe sich immer wieder rechtfertigen müssen, weil sie bis vergangenes Jahr als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Friedens- und Konfliktforschung und als Yogalehrerin arbeitete und zwei Kinder hat.

Drei Dinge als Frau auf einmal: „Wer glaubst du eigentlich wer du bist?“, habe sie von Menschen hören müssen. Mittlerweile arbeitet sie als Förderschullehrerin und Yogalehrerin. „Ich erlebe leider auch in der Yogabranche, dass Frauen sich oft als Konkurrenz sehen.“ Sie wünscht sich, dass Frauen gemeinsam kämpfen. Und nicht mit Ellenbogen gegeneinander. „Gemeinsam sind wir mehr.“

„This is what a feminist looks like in Frankfurt“ gibt es in Buchhandlungen und unter: www.nizzaverlag.de für 22 Euro.

Saba Afeworki sitzt neben ihr, nickt und sagt: „Ich wünsche mir, dass irgendwann Frauen nicht mehr gefragt werden: ‚Willst du Karriere oder Kinder?‘ Und, dass alle Menschen die Freiheit haben, sich so entfalten zu können wie sie möchten. Ob bei ihrer Karriere, Sexualität oder der Art der Beziehung, die sie führen möchten.“

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