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Der Buchladen „Land in Sicht“ im Nordend hat ein Schaufenster mit Werken von kanadischen Autoren und Flyern zur Open Books-Reihe dekoriert.

Buchmesse Frankfurt

Buchmesse: Wenig Spektakel

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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In Frankfurter Buchhandlungen ist von Messefieber nichts zu spüren. Erleichtert sind die Geschäftsleute über den Aufwärtstrend beim Buchverkauf.

Der Rhythmus fehlt, die Begeisterung. Die Buchmesse, sie existiert, aber das Drumherum fällt im Corona-Jahr aus. Das Digitale schwappt nicht in die reale Welt hinein. Zumindest in den Frankfurter Buchhandlungen ist vom großen Branchentreffen kaum etwas zu spüren.

„Wir kriegen relativ wenig mit“, sagt etwa Gerhard Zenker vom Lesecafé an der Diesterwegstraße in Frankfurt-Sachsenhausen. Was nicht nur der Lage der Buchhandlung im Hinterhof zuzuschreiben ist. Bei den Messen vor Corona hat durchaus mehr Publikum als gewöhnlich den Weg dorthin gefunden. „Das Fachpublikum“, sagt Zenker und zwinkert. Oder die Kollegen aus anderen Städten, „die sich eine gute Buchhandlung anschauen wollen“, scherzt er.

„Es ist nicht wie sonst“, sagt auch Norbert Weidl von der Buchhandlung Ypsilon an der unteren Berger Straße im Nordend. Die Buchmesse lebe von der Begegnung, der Vielfalt, dem persönlichen Gespräch. Das ist im Digitalen nicht gut zu ersetzen, findet Weidl. Es sei kein Vergleich zu dem, was sonst so los war. „Wenn die Stadt voll ist, wenn anderes Publikum kommt.“

Petra Noack seufzt. Die Leiterin der portugiesischsprachigen Buchhandlung TFM in Bockenheim langweilt sich fast. Normalerweise ist ihr Geschäft zur Messe zu, weil sie selbst einen Stand unterhält. Um die Kontakte zu den Verlagen und Autoren aus Brasilien und Portugal zu pflegen. „Es ist wie ein Familientreffen“, sagt sie sehnsüchtig.

Nicht mehr als sonst

Kontakt übers Internet halte sie eh schon. Da wiege ein Treffen aus Fleisch und Blut mehr. Immerhin finde sie nun Zeit, sich ein paar der digitalen Veranstaltungen anzusehen. Mehr Menschen als sonst kommen nicht in den Laden. „Es sind ja auch nicht mehr Menschen als sonst in der Stadt.“ Das Problem am Digitalen sei, dass man selbst initiativ werden müsse, philosophiert Gerhard Zenker an der Ladentheke in Sachsenhausen. „Außerdem muss man internetaffin sein.“

Für ihn ist das nichts, das ist zwischen den Zeilen herauszulesen. Wobei Zenker generell nicht der größte Fan der Frankfurter Buchmesse ist. „Die Leipziger ist leserfreundlicher“, sagt er. „Nichts gegen Open Books“, aber in Frankfurt stehe eher das Geschäft im Vordergrund. In Leipzig gebe es viel mehr Lesungen und Spektakel um die Messe herum.

Eigenes Spektakel, sprich: Lesungen können die kleinen Buchhandlungen nicht anbieten. Eine Lesung mit sieben Besuchern sei nicht gerade eindrucksvoll, findet Norbert Weidl im Nordend. Er hofft aufs Frühjahr, dass sich dann die Lage normalisiert. Das beste Hygienekonzept könne ja nicht verhindern, dass die Leute zusammenrücken und sich irgendwo drängen, wenn es etwas Interessantes zu entdecken gebe. Deshalb graut ihm ein wenig vor dem Weihnachtsgeschäft. „Wie sollen wir da die Abstandsregeln einhalten?“, fragt er sich.

Groß klagen wollen alle drei Buchhandlungen indes nicht. Das Interesse am Medium Buch ist in den vergangenen Monaten erstarkt. „Das sonstige Kulturangebot ist heruntergefahren“, versucht Weidl zu erklären. Die Menschen geben weniger Geld für andere Dinge aus, haben auch die Zeit, sich einem Buch zu widmen.

Den Trend zum Buch sieht auch Petra Noack in Bockenheim. Wenn auch die Stimmung unter den Kunden generell gedrückt ist, hat sie beobachtet. Zum „Stöbern“ komme niemand mehr. Corona hat die Menschen fokussierter gemacht. Sie kommen ins Geschäft, kaufen und gehen wieder.

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