Frankfurter Buchmesse

Buchmesse: Was treibt die Generation Greta an?

Eine Diskussion auf der ARD-Bühne widmet sich Fragen zur Politkultur von Jugendlichen.

Internetprotest, Gendervielfalt und Klimawandel – in ihrem Umfrageprojekt mit dem Namen „Es wird Zeit“ hat sich ARTE vorgenommen der jungen Generation zuzuhören. Auf der virtuellen ARD-Buchmessenbühne wurde darüber und über Greta, Politkultur und Generationenkluft diskutiert.

„Wir wollten wissen, wie die Jugend tickt“, begründet ARTE-Kulturressortchefin Claire Isambert die Entscheidung, die Studie in Auftrag zu geben. Es sollten nicht die Baby-Boomer-Jahrgänge jenseits der 40, sondern junge engagierte Menschen Raum bekommen. Arbeit, Kinderwunsch oder auch Klimawandel – ein Katalog mit 132 Fragen horchte die 16- bis 34-Jährigen aus und ergründete, wie sie die Welt wahrnehmen.

Auch Publizist Erik Albrecht hat sich mit den Sehnsüchten und Meinungen der Jugend auseinandergesetzt. In seinem Buch „Generation Greta“ sprachen er und Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann mit vielen jungen Leuten und werteten verschiedene Studien aus. Sein Fazit: Wo sich Menschen früher um existenzielle Fragen über Geld und Arbeit kümmerten, interessiert sich die Jugend heute mehr für weniger greifbare Themen, wie die Umwelt – „was uns eben in der Zukunft beschäftigen wird.“ Dass man sich dem nicht schon früher gewidmet hat, liege laut Albrecht vor allem am Internet und der Leichtigkeit, dort den Wissensdurst zu stillen. „Wenn ich mich als Jugendlicher informieren wollte, konnte ich in die Stadtbibliothek gehen, da waren die Bücher aber zehn Jahre alt“, so der 40-Jährige.

Dem stimmt die Nachwuchsjournalistin Maditha Hampe zu. Soziale Medien wären eine „Anregung zum Selberdenken“. Die 18-Jährige ist Mitglied der Onlineredaktion Rubikon und schreibt dort eine gesellschaftspolitische Kolumne. „Uns eint, dass wir nicht mehr so weiterleben wollen.“ Das stellt sie ohne jede Dramatik in der Stimme fest. „Vor einer Klassenarbeit fragt immer jemand, hast du mal ne Ibo oder zwei Aspirin.“ Schülerinnen und Schüler leiden unter psychischem Druck berichtet sie aus eigener Erfahrung. Drohende Zukunftsfragen trieben viele aus dem Klassenzimmer auf die Straße.

Die Content-Creatorin Kara Kiri berichtete, dass ihr die Instagram-Community Halt gebe. Hier erfährt die Youtuberin als Teil der LGBT-Szene Zustimmung und Verständnis, zudem könne sie sich mit anderen austauschen. In ihren Videos auf Youtube und Instagram erzählt sie aus ihrem Alltag, sinniert über Gleichberechtigung und mobilisiert andere, sich zu engagieren. An den sozialen Medien findet sie gut, dass auch leise Stimmen „nicht untergehen“.

Dass die Jugendlichen dagegen nicht mehr so wohlhabend leben werden wie ihre Eltern, dessen sind sich die Verfasser der Studie relativ sicher. Vorläufige Ergebnisse der Befragung können online eingesehen werden, mehr Informationen gibt es unter www.arte.tv/de/videos/RC-019642/es-wird-zeit.

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