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Buchmesse: Streiterinnen für die Zukunft

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Von: Ramona Wessmann

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Der Talk „Sheroes“ über Wege in die Zukunft mit den Gästen Maja Göpel und Theresia Enzensberger lockte viel Publikum an.
Der Talk „Sheroes“ über Wege in die Zukunft mit den Gästen Maja Göpel und Theresia Enzensberger lockte viel Publikum an. © Renate Hoyer

Im ARD-Talk geht es mit „Sheroes“ Maja Göpel und Theresia Enzensberger um Szenarien für eine bessere Zukunft. Von Ramona Wessmann.

Sheroes“ teilt sich auf in die englischen Wörter she und heroes: weibliche Helden. Das Talk-Format findet täglich auf der ARD-Bühne der Buchmesse statt. Geladen sind „Streiterinnen für die Zukunft“, Frauen, die sich für eine bessere Zukunft stark machen, die zur intellektuellen Debatte beitragen, die sich für Gleichberechtigung und für gesellschaftlichen Wandel einsetzen.

Die Gäste am Donnerstag waren Maja Göpel und Theresia Enzensberger, die über unsere Zukunft im Angesicht der vielen aktuellen Krisen wie dem Klimawandel gesprochen haben. Professorin Maja Göpel ist Politökonomin und Expertin für Nachhaltigkeitsforschung und Transformationsforschung. Ihr Bestseller, den sie mitbringt, heißt „Wir können anders: Aufbruch in die Welt von morgen“. Darin appelliert sie, dass die großen Veränderungen in der Zukunft eine Chance sein können.

Enzensberger dagegen ist Roman-Autorin. Ihr in diesem Jahr erschienenes Werk heißt „Auf See“. Das dystopische Werk hat es bereits auf die Bestsellerliste geschafft und befand sich auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2022 - wird also sowohl von Leser:innen als auch Kritiker:innen gelobt.

Göpel erklärt zum Hintergrund ihres Buches: „Es gibt keinen Grund, nur einen Pfad in die Zukunft zu beschreiben.“ Es sei möglich, anders zu sein, der Anker dazu wäre das menschliche Potenzial. „Ich möchte, dass wir uns mehr zutrauen“, sagt Göpel.

Was sie jedoch kritisiert, ist der Umgang mit ihr und vielen anderen Menschen, die als „Aktivistinnen“ betitelt würden. Es wäre ihr schon passiert, so beschrieben worden zu sein, obwohl sie Wissenschaftlerin sei, eine Expertin auf ihrem Fachgebiet. Nachhaltigkeitsforschung würde oft als „aktivistisch“ eingestuft. Dies versteht Göpel als eine Diskreditierung ihrer Stimme als Forscherin. Man dürfe sich als Forscher:in nicht als Aktivist:in abschreiben lassen, wenn man wissenschaftlich arbeite.

Probleme sieht sie auch, wenn junge Frauen an Diskussionsrunden teilnehmen. Sie würden immer als zu idealistisch abgestempelt. Das findet Göpel „ganz schrecklich“ und stellt die gewagte These auf, dass Menschen, die keine Ideale mehr haben, vielleicht schlichtweg nichts mehr leisten wollten.

Es brauche jedoch nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Kunst, sagt die Moderatorin Jagoda Marinic und verweist auf Enzensbergers Roman. Literatur müsse keine Antworten geben, so die Autorin. Sie liefere eher eine Art Freiheit, Dinge zu durchdenken. Figuren können sich verhalten, wie es dem Schreibenden passe. Es könnten mehrere Seiten beleuchtet werden.

Auf die Frage, ob Enzensberger selbst Angst vor ihrer dystopischen Romanwelt habe, antwortete sie: „Ich habe durchaus die Angst, dass sich alles mehr individualisiert.“ Sie verweist auf die fehlende Solidarität in der Welt ihres Buches, in der eine Protagonistin auf einer abgekapselten autarken Insel lebt, um vom Festland abgeschottet zu sein.

Die Transformationsforscherin Göpel resümiert, dass es wichtig sei, zu einer neuen Weltanschauung zu kommen, mit einem Menschenbild, in dem wir uns wieder als geologische Wesen sehen, die nicht von der Natur getrennt seien. Sie glaube, dass Menschen immer anders sein könnten. Deswegen zweifelte sie in ihrem Buch selbst einen so simplen Begriff wie „Vermögen“ an, bietet neue Definitionen an. Vermögend zu sein, heiße nicht unbedingt, finanziell wohlhabend zu sein, aber vermögend an Beziehungen oder Mitteln zum Leben zu sein.

Beide Perspektiven, ob die wissenschaftliche von Göpel, oder die künstlerisch-literarische von Enzensberger, bieten Möglichkeiten, mit einer anderen Herangehensweise an die Zukunft zu treten. Insbesondere Göpel möchte vermitteln, dass es Pfade in die Zukunft gibt, die fernab von Weltuntergangsszenarien liegen. Dies erfordere jedoch auch eine Anpassung: kein Wirtschaftswachstum mehr.

Solidarität ist das, was sich Autorin Theresia Enzensberger wünscht - damit ihre literarische Dystopie nicht zur Wirklichkeit wird. (Ramona Wessmann)

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