Diese beiden Buchmessegäste demonstrierten 2019 bereits, wie man sich gegebenenfalls 2020 zu verhalten hat.  
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Diese beiden Buchmessegäste demonstrierten 2019 bereits, wie man sich gegebenenfalls 2020 zu verhalten hat.  

Buchmesse

Buchmesse: Stadt und Land kündigen Unterstützung an

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Sollten die aktuellen Abstandsregeln im Oktober noch gelten, könnten an der Buchpreisverleihung nur 35 Personen teilnehmen - statt wie gewohnt 400.

Die Stadt engagiert sich, um der Buchmesse 2020 doch noch zu einem Erfolg zu verhelfen. „Die Buchmesse ist für die Frankfurt von immenser Bedeutung, sie ist in der Stadt zutiefst verwurzelt“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Freitag im Gespräch mit der FR. Falls es doch noch zu einer kurzfristigen Absage der vom 14. bis 18. Oktober geplanten größten Medienschau der Welt käme, müsste die Buchmesse keine Miete an die Frankfurter Messegesellschaft zahlen. Das hat der OB als Aufsichtsratsvorsitzender nach eigenen Worten mit der Messegesellschaft vereinbart.

Auch die hessische Landesregierung will der Buchmesse helfen. Sie hat „zugesagt, im begrenzten Umfang finanziell zu unterstützen, falls es in der Folge aus pandemischen Gründen doch noch zu einer Absage kommen sollte.“ Das teilte der Sprecher der Landesregierung, Michael Bußer, am Freitagnachmittag auf Anfrage der FR mit. Die Landesregierung werde für die Buchmesse eintreten, „unter Maßgabe des entsprechenden Hygienekonzepts“. Vorausgegangen war ein „konstruktives Gespräch“ zwischen Börsenverein, Buchmesse, Messe und Landesregierung.

Die Buchmesse soll nach derzeitiger Planung zwar stattfinden, allerdings haben bereits zahlreiche große und kleinere Verlage ihre physische Präsenz abgesagt. Derzeit ist nicht auszuschließen, dass die Veranstaltung deshalb doch noch gestrichen werden muss. Nach Informationen der FR kalkuliert die Buchmesse mit einem Verlust in Höhe von sechs bis zehn Millionen Euro, auch wenn die Schau in stark reduzierter Form eröffnet werden könnte. Es wird maximal mit einem Drittel der sonst 7000 anwesenden Verlage gerechnet.

16.500 Besucher gleichzeitg

Für die Aussteller und die Besucher will der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) während der Messetage ein „attraktives Paket“ schnüren, sagte Feldmann, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des RMV ist. Nach dem von den Gesundheitsbehörden genehmigten Hygienekonzept könnten 16 500 Menschen gleichzeitig das Messegelände betreten. Sie müssen sich vorher anmelden und brauchen einen Gesundheitsnachweis.

Indessen hat die Stadt überprüft, in welcher Weise die Verleihung des Deutschen Buchpreises am 12. Oktober im Römer und die des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 18. Oktober in der Paulskirche organisiert werden könnte. Wie der OB sagte, gab es mit den Gesundheitsbehörden Begehungen sowohl der Paulskirche als auch des Kaisersaals im Rathaus. Falls die heutigen Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie im Oktober noch gelten, könnten an der Buchpreisverleihung nur 35 Personen teilnehmen. Üblicherweise ist der Kaisersaal zu diesem Anlass mit 400 Personen ausgebucht.

In der Paulskirche beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wären nur 130 Personen statt sonst 700 erlaubt. Auch eine Minimalvariante wurde schon durchgespielt: Da die Verleihung live in der ARD übertragen wird, wären nur ein kleines Fernsehteam, die Preisträgerin oder der Preisträger, der Laudator, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, und der OB anwesend. Bei beiden Preisverleihungen müssten die Gäste einen Mund-Nasen-Schutz tragen, bis sie ihren Sitzplatz erreichen. Die Stadt setzt allerdings darauf, dass diese Vorschriften im Oktober aufgehoben sind.

Feldmann hat sich nach eigenen Worten eng mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) abgestimmt. Der Oberbürgermeister ist erkennbar bemüht, sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, er habe zu wenig für die Buchmesse getan. Nachdem die Stadt im Januar die Internationale Automobilausstellung (IAA) verloren hatte, sah sich Feldmann heftigen Vorwürfen ausgesetzt, er habe mit autokritischen Statements diese Entscheidung forciert. Christoph Schmitt, der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, äußerte im Gespräch mit der FR die Sorge, dass „das bisherige Konzept einer Präsenzbuchmesse“ in Frankfurt durch die Ereignisse „dauerhaft“ infrage gestellt werden könnte.

Dies würde nach der IAA einen weiteren schmerzhaften Verlust für den Messestandort bedeuten. Buch- und Verlagsbranche befänden sich ohnehin in einem Digitalisierungsprozess, der nun beschleunigt werde. Dies zeige erneut, wie „fahrlässig“ Oberbürgermeister Feldmann im Falle der IAA gehandelt habe.

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