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Buchmesse: Selenskyj meldet sich zu Wort

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Von: Timur Tinç

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht zum Publikum bei der Buchmesse.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht zum Publikum bei der Buchmesse. © Renate Hoyer

Der ukrainische Präsident spricht auf der Frankfurter Buchmesse. Die russische Opposition sucht nach Hoffnung.

Der ukrainische Präsident Wolodmyr Selenskyj hat am Donnerstagmittag auf der Frankfurter Buchmesse die Bedeutung von Wissen und Büchern im Kampf um Freiheit betont. „Wissenist die Antwort“, sagte Selenskyj in seiner Rede. Sie war am Tag zuvor aufgezeichnet und gestern im Saal Harmonie im Congress Center mit englischen Untertiteln eingespielt worden. Unwissende Menschen seien leichter zu manipulieren. „

Deshalb ist es umso wichtiger, dass Menschen informiert sind über den Terror, den Russland in die Ukraine gebracht hat“, sagte Selenskyj. Er rief die Verleger:innen, Autor:innen und Journalist:innen dazu auf, Bücher zu schreiben, zu veröffentlichen und zu verteilen über diejenigen, die Europa schwächer machen.

Selenskyj: Russland und Iran exportieren den Tod

Der ukrainische Präsident beschränkte sich aber nicht nur auf Russland, sondern nannte auch explizit den Iran und verwies auf das Fehlen der beiden Länder bei der diesjährigen Buchmesse. „Sie sind weniger präsent im kulturellen Bereich und zugleich dort präsenter, wo alles zerstört wird. Anstatt Kultur zu exportieren, exportierten sie Tod“, sagte Selenskyj, dessen Frau Olena Selenska am Samstag persönlich zur Buchmesse kommen wird und nicht nur zugeschaltet. Am Nachmittag wird sie zu einem Gespräch der Zeitschrift „Brigitte“ erwartet.

Eingeladen zu der Veranstaltung am Donnerstag hatte die Federation of European Publishers (FEP). „Es ist komplett anders als unsere sonstigen Rendezvous, zu denen wir jährlich einladen“, sagte Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Normalerweise werde darüber gesprochen, was in Brüssel und Straßburg passiere, „jetzt sind wir hier, um unsere Solidarität mit unseren ukrainischen Kollegen zu zeigen.“

Buchmesse-Direktor Boos: „Der gegenseitige kulturelle Austausch darf niemals abbrechen“

Man habe nicht auf die ukrainischen Nachbar:innen gehört, als die russische Armee im Jahr 2014 die Ostukraine angegriffen und die Krim annektiert habe. Um der Ukraine zu helfen, habe man eine Crowdfunding-Aktion gestartet, bei der bereits 52 000 Euro gesammelt wurden.

Buchmesse-Direktor Jürgen Boos betonte, dass die Buchmesse der Wahrheit und den ukrainischen Stimmen „Gehör schenkt und das ausnahmslos an jedem Tag“. 30 ukrainische Verlage seien in Frankfurt dabei. „Wir pflegen seit langem Kontakte zu den Ausstellern auf der Kiewer Buchmesse Arsenal. Der gegenseitige kulturelle Austausch darf niemals abbrechen“, betonte Boos.

Friedensnobelpreis für Memorial ein „Zeichen der Hoffnung“

Oleksander Afonin berichtete, dass Bücher in Bibliotheken, Schulen und Universitäten in den besetzten Gebieten massiv zerstört worden seien. „Trotz des aggressiven Wahnsinns macht die Verlagsindustrie in der Ukraine weiter“, sagte der Vorsitzende der ukrainischen Verlagsorganisationen. „Wir arbeiten weiter unter dem massiven Verlust von menschlichem Leben und wirtschaftlichen Verlusten.“

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ist eines der zentralen Themen bei der Buchmesse. Über die Situation der russischen Opposition wurde im Frankfurt Pavillon unter der Fragestellung „Wie viele sind wir?“ diskutiert. „Es gibt Organisationen im Ausland, aber auch in Russland, die weiterarbeiten“, sagte Irina Sherbakowa von Memorial. Die Menschenrechtsorganisation hat in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhalten. Ein Zeichen der Hoffnung für diejenigen, die gegen das Regime von Präsident Putin kämpfen.

Memorial-Menschenrechtlerin Sherbakowa: „Die Ukraine muss den Krieg gewinnen“

Oppositionspolitiker Leonid Wolkow erklärte, dass es nach wie vor Proteste im Land gebe. „Es herrscht keine Ruhe. 20 000 Menschen wurden festgenommen. Aber Massenproteste sind zu gefährlich“, sagte der Vertraute von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Er gab dem Westen die Schuld, dass Russland ein faschistisches Land geworden sei. Autor Michail Schischkin sah das anders. „Der mögliche Anfang eines neuen Russlands ist nur möglich mit der Anerkennung der Schuld.“

Ob seine Landsleute den Schritt für einen demokratischen Neuanfang finden, könne er nicht sagen. „Die Leute funktionieren irgendwie anders. Sie wissen nicht, wo die Grenzen und die Macht sind“, erklärt Schischkin. Er habe gehofft, dass die Mütter der getöteten russischen Soldaten Putin für ihren Tod verantwortlich machen. Stattdessen werde die Ukraine beschuldigt. „Die Ukraine muss den Krieg gewinnen“, sagte Sherbakowa. „Sonst wird sich in Russland nichts ändern. Da sind wir uns alle einig.“

Wie viele sind wir? Zur Situation der russischen Opposition diskutieren: Leonid Wolkow, Autor Michail Schischkin, Irina Scherbakowa von Memorial (v.l.n.r.).
Wie viele sind wir? Zur Situation der russischen Opposition diskutieren: Leonid Wolkow, Autor Michail Schischkin, Irina Scherbakowa von Memorial (v.l.n.r.). © Renate Hoyer

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