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Weite Landschaft, klare Seen: die „Island of Love“ in Manawan am Ufer des Sees Metapeckeka.

Buchmesse

„Kanada wird sich von seiner stärksten Seite zeigen“

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Der kanadische Botschafter Stéphane Dion über den doppelten Gastlandauftritt seines Landes in 2020 und 2021 auf der Frankfurter Buchmesse.

Der kanadische Botschafter in Deutschland, Stéphane Dion, beginnt das Gespräch auf Deutsch, lässt ein paar französische Worte einfließen und wechselt dann ins Englische. Unermüdlich wirbt er für den Auftritt des Ehrengastlands Kanada bei der Frankfurter Buchmesse, in digitaler und physischer Form.

Ihre Exzellenz, Botschafter Dion, freuen Sie sich auf die Frankfurter Buchmesse 2020?

Natürlich. Ich weiß zwar, dass die digitale Frankfurter Buchmesse ganz anders sein wird als die physische Frankfurter Buchmesse, aber Kanada wird sich von seiner stärksten Seite zeigen. Wir sind Ehrengastland im Jahr 2020 und im Jahr 2021, und wir werden die Frankfurter Buchmesse darin unterstützen, so viele Menschen wie möglich zu erreichen und ihnen die Literatur aus Kanada näherzubringen. Das motiviert uns sehr.

Kajakfahrt auf dem Fluss Saguenay in Quebec.

Kanada ist das erste Land in der Geschichte der Frankfurter Buchmesse, das gleich zwei Gastland-Auftritte bekommt. Macht Sie das eher glücklich oder unglücklich?

Ehrengastland zu sein ist uns natürlich eine Freude. Aber unter den Umständen der Pandemie, die Millionen von Menschen auf dem gesamten Planeten betrifft, einschließlich Deutschland und Kanada, kann ich nicht wirklich glücklich sein. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau und der kanadische Minister für kulturelles Erbe Steven Guilbeault sind sehr stark motiviert, die Buchmesse zum Erfolg zu führen. Sehen Sie, derzeit sind viele Menschen auf der ganzen Welt, in Kanada und Deutschland, isoliert und einsam. Mit einem guten Buch in der Hand ist man aber immer in guter Gesellschaft. Die Pandemie stärkt die Bedeutung von Literatur und Kunst. Wenn wir es schaffen, den Menschen, die isoliert und einsam sind, über die kanadische Literatur und Kunst ein wenig Glück zu verschaffen, dann würde das auch mich glücklich machen.

Welche Bedeutung hat die Teilnahme an der weltweit größten Literaturmesse in Frankfurt für Kanada?

Die Frankfurter Buchmesse ist bei weitem die größte Buchmesse auf der Welt. Normalerweise kommen rund 300 000 Besucherinnen und Besucher, 7000 Aussteller aus 100 Ländern, 10 000 Journalisten. Den Gastland-Auftritt gibt es seit 1988, und seit den 1990er Jahren gab es Gespräche mit Kanada, Ehrengastland zu werden. 2020 hat es endlich geklappt, was uns sehr glücklich machte. Dann brach die Pandemie aus. Aber wir tun unser Bestes unter den Umständen und lassen uns diese wunderbare Möglichkeit, kanadische Literatur und Kunst zu präsentieren, nicht entgehen. 2021 wird dann das ganz große Jahr für das Ehrengastland Kanada. Bis dahin sollte auch ein Impfstoff verfügbar sein.

Botschafter Stéphane Dion.

Der Gastland-Pavillon ist für die Besucherinnen und Besucher immer ein Highlight der Frankfurter Buchmesse. Wie wird der Pavillon im Jahr 2021 aussehen?

Wir hatten unser Konzept für den Gastland-Pavillon noch nicht veröffentlicht, und nun müssen wir es vor dem Hintergrund der Pandemie weiter anpassen. Wir wissen einfach noch nicht, ob wir 2021 die Menschen immer noch durch Abstandsregeln schützen müssen. Deswegen können wir heute noch nicht sagen, wie der Pavillon aussehen wird. Das Motto unseres Auftritts lautet passenderweise „singular plurality“ – wir sind alle singuläre, eigenständige Menschen und sitzen doch alle im selben Boot. In Kanada gibt es eine starke Diversität, was dazu führt, das wir viel von den anderen lernen. Wir haben beides gleichzeitig, eine Gemeinschaft in Diversität, darum geht es in Kanada. Unser Ehrengastland-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse soll nicht nur die Kanadier motivieren, sondern die Menschen auf der gesamten Welt.

Zur Person

Stéphane Dion, Jahrgang 1955, ist Botschafter von Kanada in Deutschland und Sondergesandter für die Europäische Union und Europa.

Welche Mehrkosten kommen durch die Verschiebung des Gastland-Auftritts auf Kanada zu?

Wir haben natürlich Mehrkosten. Wer Veranstaltungen absagt und Flüge streicht, hat Mehrkosten, ob das nun eine Privatperson oder eine Regierung macht. Natürlich waren die zahlreichen Absagen sehr traurig. Aber unser Anspruch bleibt so entschieden wie vorher: Wir wollen ein starkes Ehrengastland sein. Wir engagieren uns für Kunst und Literatur in diesen harten Zeiten umso mehr. Gute Kunst, gute Literatur, gute Musik – Kanada wird sein Bestes tun, um dies zu gewährleisten.

Können Sie die Kosten beziffern?

Wir geben Millionen von kanadischen Dollars für den Ehrengastland-Auftritt aus, aber die genaue Zahl muss unser Budgetkomitee noch ermitteln.

Radtour über die Wiesen von Quebec.

Die Organisation FBM2020 der kanadischen Verlage konnte seit Frühjahr kaum einen ihrer vorgesehenen Termine veranstalten. Kanadische Autorinnen und Autoren und Verlage sind auf der Buchmesse 2020 nur digital präsent. Kann das den physischen Auftritt ersetzen?

Natürlich nicht, aber wir müssen uns den Umständen anpassen. So wie Lehrer, die nun E-Learning anbieten. Das ist doch besser, als überhaupt keinen Unterricht zu haben. E-Learning erreicht die Schülerinnen und Schüler und die Studierenden, wenn es gut vorbereitet ist. Und wir werden sehr gut vorbereitet sein. Freuen Sie sich auf die kanadische Kunst, die im Frankfurter Kunstverein, dem Mousonturm, Weltkulturenmuseum, der Schirn Kunsthalle, dem Museum für Kommunikation gezeigt werden wird. Und 2021 wird für uns dann das ganz große Jahr. Dann werden mehr als 200 Bücher aus Kanada ins Deutsche übersetzt und dem deutschen Lesepublikum zugänglich gemacht sein. Es ist eine aufstrebende, facettenreiche Literatur, die die Leserinnen und Leser erwartet. Viele neue Titel sind schon in diesem Jahr im Buchhandel.

Eine Schule Orcas im Nimmo Bay Wilderness Resort an der Westküste British Columbias.

Derzeit rät das Auswärtige Amt davon ab, nach Kanada zu reisen. Wie sieht die Covid-19-Situation in Kanada aus?

Die Lage ist ähnlich wie in Deutschland, ernst zu nehmen, aber unter Kontrolle. Die Mortalitätsrate lag in Kanada zuletzt etwas höher als in Deutschland, aber niedriger als in Spanien, Frankreich oder Italien. So wie in Deutschland und im Rest der Welt sind eher die Älteren betroffen, weswegen gerade die Jüngeren aufgefordert sind, auf ihre älteren Mitmenschen zu achten. Aber die Wissenschaftler sind nahe daran, einen Impfstoff zu entwickeln, und dem schaue ich mit Hoffnung entgegen.

Interview und Übersetzung aus dem englischen: Florian Leclerc

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