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Moses mag die Israeliten durchs Rote Meer geführt haben. Durch die Halle 3.0 führt er dieses Jahr niemanden.

Programm

In diesem Jahr ist nichts wie sonst

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Frankfurter Buchmesse 2020 ringt um Normalität und ihre Zukunft.

Nichts ist in diesem Jahr wie sonst rund um die Frankfurter Buchmesse. Die Corona-Pandemie hebt alle vertrauten Gewohnheiten aus den Angeln. Umso mehr bemühen sich die politisch Verantwortlichen, Zuversicht zu verbreiten. Etwa Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), als sie das städtische Literaturfest Open Books ankündigt. Unter Corona-Bedingungen werde möglich, was die Buchmesse von jeher auszeichne: die persönliche Begegnung mit Autorinnen und Autoren, verspricht die Stadträtin.

Knapp 100 Lesungen und Podien bietet das Fest vom 13. bis 18. August, wie stets ohne Eintritt. Damit das sein kann, muss die Stadt neue Orte einbeziehen, die Veranstaltungen unter Corona-Regeln überhaupt möglich machen. Dazu zählen etwa das Goethehaus und die Fliegende Volksbühne am Großen Hirschgraben, aber auch das Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde im Westend. Open Books verlässt also zum ersten Mal die Innenstadt.

Eine absolute Neuerung ist der Aktionstag am Buchmessensamstag, 17. August, an dem sich etwa 30 Buchhandlungen in Frankfurt und Offenbach beteiligen. Sie alle bieten an diesem Tag verlängerte Öffnungszeiten und kleine Aktionen vor Ort, zum Beispiel eine Lesung oder den Besuch eines prominenten Verlegers. Wenn die Buchmesse also schon wegen Corona nicht zentral auf dem Messegelände die Menschen anlocken kann, sollen es dezentral die Buchhandlungen tun; so denkt sich das Sonja Vandenrath, die Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt.

Vandenrath ist auch die Erfinderin und Organisatorin von Open Books. Sie spricht vom „Spagat zwischen Lesenormalität und Gesundheitsschutz“. Auch „Literatur im Römer“, die älteste Live-Leseveranstaltung Deutschlands, wird es in den Römerhallen am Buchmessenmittwoch und –donnerstag wieder geben.

Aber natürlich kann in Wahrheit von Normalität bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse nicht die Rede sein. Die Veranstaltung selbst wird einen hohen zweistelligen Millionenbetrag als Verlust einfahren, wie Buchmessendirektor Juergen Boos zugibt. Und sie wird Jahre brauchen, um sich wirtschaftlich von diesem Einbruch zu erholen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigt sich erleichtert, dass die Buchmesse als Markenzeichen der fünftgrößten deutschen Stadt auch in diesem Corona-Jahr überhaupt stattfindet. Die Kommune werde „weiterhin alles dafür tun“, dass diese Messe „führender Treffpunkt des freien Worts“ bleibe. Der Oberbürgermeister hatte versprochen, dass die Buchmesse keine Miete an die Frankfurter Messegesellschaft zahlen müsse, wenn es zur Absage der physischen Veranstaltung komme. „Es bleibt dabei, was vereinbart wurde“, sagt OB-Sprecher Olaf Schiel auf Anfrage der FR. Mit der Messe stehe Frankfurt „in einer stolzen Tradition“, ergänzt Kulturdezernentin Hartwig.

Die Grünen im Römer fordern die Buchmesse auf, schon jetzt für einen „kreativen Neuanfang“ im Jahre 2021 zu planen. Die Entscheidung, auf eine physische Veranstaltung auf dem Messegelände zu verzichten, sei „richtig und überfällig“ gewesen, sagt ihr Fraktionsvorsitzender Sebastian Popp. Eine Annäherung an die Musikmesse im Jahr 2021 bedeute aber „alles andere als ein Konzept“. Nach wie vor ist geplant, dass die Buch- und die Musikmesse im Oktober 2021 zeitgleich auf dem Frankfurter Messegelände organisiert werden. Dies hatte vor Wochen in der Buchbranche für Aufregung gesorgt, weil man befürchtete, dass das eigenständige Profil der Buchmesse darunter leiden werde.

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