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Buchmesse Frankfurt: Zurück in der Normalität

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Von: Sandra Busch

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Eine Maskenpflicht gibt es auf der Buchmesse nicht – und die meisten tragen auch keine. renate hoyer
Eine Maskenpflicht gibt es auf der Buchmesse nicht – und die meisten tragen auch keine. © Renate Hoyer

Nach zwei Jahren im Corona-Modus ist die Wiedersehensfreude auf der Buchmesse groß. Alles ist so früher. Fast.

Ein Bild wie aus früheren Zeiten: An den Ständen auf der Frankfurter Buchmesse sitzen an kleinen Tischen Menschen und reden. Es gibt Kaffee, Unterlagen werden durchgesehen, Notizen gemacht. So sah es vor Corona auf der Buchmesse aus – und nun wieder. Zwei Jahre lang hat die Messe pandemiebedingt nur eingeschränkt stattgefunden, jetzt ist wieder Normalität angesagt. Auflagen gibt es kaum. „Man freut sich, den Menschen wieder zu begegnen, die man jahrelang nicht gesehen hat“, sagt Margit Knauer vom Campus-Verlag.

In den Armen liegt man sich aber nicht vor Wiedersehensfreude. „Es wird bei aller Freude schon auch noch auf Abstand geachtet“, sagt Knauer. Aber Autor:innen, Buchhänder:innen, Agent:innen, Lektor:innen – „alle sind wieder da“. Und drängten schon am Morgen, als die Türen geöffnet wurden, in großer Menge in die Hallen zu den rund 4000 Ausstellern aus 95 Ländern. Der Satz „Es ist so schön, dich nach langer Zeit wiederzusehen“, er fällt sehr oft an diesem Tag.

Eine Maskenpflicht gibt es nicht. Die Buchmesse empfiehlt, den Schutz vor allem in Gedrängesituationen zu tragen. Aber der größte Teil der Menschen in den Hallen verzichtet darauf. Auch wenn die Maske nicht das Bild beherrscht, ist es auf der Buchmesse im Jahr 2022 doch nicht so ganz wie früher. „Unser Stand ist nicht mehr so groß wie vor Corona“, sagt etwa Moritz Reissing von der Verlagsgruppe Beltz. Aber die Größe sei eigentlich nicht schlecht.

Über Corona habe man sich im Vorfeld dieser Messe schon auch noch Gedanken gemacht. So hatte die Verlagsgruppe im Jahr zuvor, als die Messe in einer Mischform aus digital und präsent daherkam, nur ganz wenige Tische und die auch noch mit einer Spuckschutzscheibe versehen. „Jetzt haben wir wieder mehr Tische und uns gegen den Spuckschutz entschieden“, sagt Reissing. „Der hat einfach so ein Gefängnisflair.“ Die Stimmung in Öffentlichkeit und Politik, mit dem Virus leben zu müssen, habe sich auch auf die Buchmesse niedergeschlagen.

Für Herwig Bitsche vom Züricher Nord-Süd-Verlag ist die Messe „oberflächlich normal“, habe aber weniger Tiefe. „Sie ist kleiner, vor allem sind weniger internationale Aussteller gekommen.“ Dennoch ist er froh, dass wieder Messe ist. „Mit vielen Menschen hat man über die Jahre Vertrauen aufgebaut, da kann man sich auch einmal zwei Jahre nicht sehen“, sagt Bitsche. „Aber der persönliche Kontakt ist doch das Entscheidende.“ Das sieht auch Reissing so: „Nur telefonieren und schreiben hat nicht dieselbe Qualität wie Begegnung.“

Begegnung kann auf der Buchmesse erfahrungsgemäß schnell in Gedränge übergehen. Aber so groß ist das Getümmel in den meisten Gängen nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Gänge breiter sind als in Vor-Corona-Zeiten. Und das finden alle gut. „Es ist viel mehr Platz, ich werde die engen Gänge nicht vermissen“, sagt Reissing. Für Knauer ist es nun „für alle entspannter und die Luftqualität besser“.

Auf der Agora steht Bärbel Schäfer. Sie wird nachher auf der ARD-Bühne moderieren. Vor Publikum. Darüber ist sie ziemlich froh. „Vor zwei Jahren saß ich ganz alleine in der Festhalle.“ Damals fand die Buchmesse rein digital statt. „Ich freue mich jetzt auf die Nähe zum Publikum, auf den Austausch.“ Für sie fühlt sich die Buchmesse nun schon wieder ganz normal an.

Normal ist auf der Buchmesse auch, immer wieder in Prominente quasi hineinzulaufen. Am Mittwochmorgen etwa ins spanische Königspaar. Es macht einen Rundgang über die Messe, bei der Spanien Gastland ist. Um elf Uhr schreiten König Felipe und Königin Letizia über die Agora, begleitet von Buchmesse-Direktor Jürgen Boos und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) – sowie einer Menge Security und Kameras. Das Königspaar betrachtet die Bilder flämischer Maler, die auf der Agora ausgestellt sind. „I love your style“, ruft Bärbel Schäfer der Königin zu. Es gibt ein königliches „Thank you“ als Antwort.

Nach zwei Jahren Corona-Modus ist die Buchmesse fast so wie früher. Am heutigen Donnerstag ist sie erneut nur für Fachpublikum geöffnet, von Freitag bis Sonntag dann fürs allgemeine Publikum.

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