Sonja Vandenrat ist Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt.  
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Sonja Vandenrat ist Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt.  

Interview

Buchmesse Frankfurt: „Resignation wäre der falsche Weg“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt, Sonja Vandenrath, zum Lesefest „Open Books“ in Zeiten von Corona.

Sonja Vandenrat ist Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt.

Frau Vandenrath, wie sehen Sie als Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt die Entscheidung, die Frankfurter Buchmesse im Jahr 2020 trotz der Corona-Pandemie auszurichten?
Ich finde diese Entscheidung richtig und unterstütze sie. Wir müssen mit dieser Pandemie umgehen und dabei versuchen, das Beste für die Literaturstadt Frankfurt zu erzielen. Resignation wäre der falsche Weg. Für Frankfurt ist der Beschluss, die Buchmesse zu organisieren, ein gutes Signal. Diese Veranstaltung besitzt eine große Tradition, die man hegen und pflegen muss. Es ist auch ein wichtiges Lebenszeichen der Branche, in einer Zeit, in der es etlichen Verlagen und auch Buchhandlungen nicht so gut geht.

Sie haben vor mehr als zehn Jahren Open Books entwickelt, das große Lesefest der Stadt parallel zur Buchmesse. Wie wird es in diesem Jahr sein?
Es wird Open Books mit seinen Lesungen aus den Neuerscheinungen des Herbstes auch in diesem Jahr geben. Wir möchten als Stadt dieses Angebot, das sich ja an ein breites Publikum richtet und keinen Eintritt kostet, in jedem Fall aufrechterhalten.

Aber sind in Zeiten der Pandemie tatsächlich Lesungen live möglich?
Ja. Wir wollen Lesungen auch vor Publikum anbieten, wir werden aber natürlich auch Streaming-angebote im Internet machen. Wir prüfen zurzeit, welche Orte es gibt, die genug Raum bieten, um bei Lesungen die Abstandsregeln einzuhalten, die in Zeiten der Pandemie gelten.

Es gibt ja Zweifel daran, dass sich überhaupt viele Verlage an der diesjährigen Buchmesse unter den Corona-Vorschriften beteiligen werden. Wie reagieren denn die Verlage auf die Nachricht, dass Open Books stattfinden wird?
Wir haben schon vor einiger Zeit begonnen, die Verlage zu fragen, ob sie dabei sind. Und es gibt bereits jetzt Anmeldungen. Natürlich werden wir nicht die übliche Größenordnung erreichen, die wir bei Open Books hatten. Im vergangenen Jahr hatten wir 170 Veranstaltungen mit mehr als 200 Autorinnen und Autoren. Wir werden uns wohl räumlich etwas entgrenzen müssen und diesmal nach Orten schauen, die außerhalb unseres Kerngebiets, dem Römer und der neuen Altstadt, liegen, um Lesungen vor Publikum anzubieten. Aber Open Books bleibt das Lesefest im Herzen der Stadt.

Was wird denn in diesem Jahr aus Literatur im Römer in den Römerhallen? Das ist ja für seine Atmosphäre von drangvoller Enge bekannt, das ist doch kaum vorstellbar.
Literatur im Römer ist die älteste Live-Literatur-Veranstaltungsreihe in Deutschland. Sie wurde in den 70er Jahren von dem damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann ins Leben gerufen. Auch damals war die Idee, für viele Menschen einen freien Zugang zur Literatur zu schaffen. Sie können sich vorstellen, dass wir dieses Format in jedem Fall auch in diesem Jahr erhalten wollen. Das heißt aber, dass wir Literatur im Römer räumlich anders organisieren müssen. Es wird nicht so sein können wie bisher. Wir arbeiten da an einem anderen Format, mehr kann ich noch nicht verraten.

Sie klingen entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen, trotz der Pandemie.
So ist es. Unser Motto heißt: Wir wollen maximale Sichtbarkeit für das Buch und die Literatur, für die Autorinnen und Autoren in diesem Herbst erzielen. Das ist unsere Aufgabe in Frankfurt, nachdem in diesem Jahr bereits so viele Veranstaltungen abgesagt werden mussten, angefangen von der Leipziger Buchmesse bis zu unserem eigenen Literaturfestival Literaturm.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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