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Buchmesse Frankfurt reagiert auf Anschlag in Halle - Polizei fürchtet Nachahmer

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Nach dem Anschlag von Halle gibt es höhere Sicherheitsvorkehrungen bei der Frankfurter Buchmesse. Jüdische Verlage stehen unter besonderem Schutz.

Nach dem Anschlag von Halle, bei dem zwei Menschen getötet worden waren, sind die Sicherheitsvorkehrungen für die Frankfurter Buchmesse noch einmal verschärft worden. „Wir haben alles noch einmal analysiert und ein wenig an der Schraube gedreht“, sagte Polizeisprecher Alexander Kießling im Gespräch mit der FR.

Die große Sorge der Sicherheitsbehörden sei, dass ein rechter Amokläufer wie der von Halle „Nachahmungstäter“ finde. In der Stadt in Sachsen-Anhalt hatte der Täter die Synagoge attackiert. Jüdische Buchhändler und Verlage werden auf der Buchmesse daher in besonderer Weise geschützt sein.

Wie Kießling erklärte, wird die Polizei in den Messehallen und auf dem Freigelände in bewaffneten Doppelstreifen unterwegs sein. Die Beamtinnen und Beamten trügen Maschinenpistolen sowie Handfeuerwaffen. Die Polizei setze außerdem auch zivile Kräfte ein.

Das besondere Augenmerk der Sicherheitsbehörden gilt den vier als rechtsradikal eingestuften Verlagen, die unter den 7100 Ausstellern vertreten sind. Sie werden in einer abgelegenen Sackgasse untergebracht, die gut zu kontrollieren ist.

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Die hochrangigen ausländischen Gäste der Buchmesse bringen eigenes Sicherheitspersonal mit. Das gilt etwa für die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, die am heutigen Dienstag um 14 Uhr mit einem Sonderzug am Frankfurter Hauptbahnhof eintrifft. Die norwegischen Sicherheitskräfte führten auch eigene Waffen mit sich, sagte Kießling. Die Besucherinnen und Besucher der Frankfurter Buchmesse müssen an den Eingängen mit scharfen Kontrollen rechnen, die auch längere Warteschlangen verursachen können.

Die Frankfurter Buchmesse 2019 wird am heutigen Dienstagabend offiziell eröffnet.

Vom morgigen Mittwoch an sind Fachbesucherinnen und Fachbesucher auf dem Gelände zugelassen.

Von Samstag an darf dann das

allgemeine Publikum die Hallen und das Freigelände betreten.

Am Samstag und am Sonntag können Bücher und andere Medien auf dem Gelände erworben werden. jg

Natürlich dürfen Waffen jeder Art nicht mit aufs Messegelände gebracht werden. In der Vergangenheit, so Kießling, habe es durchaus den Fall gegeben, dass ein bewaffneter Messegast Zutritt verlangt habe.

Bei den mitgeführten Taschenmessern komme es auf die Klingenlänge an, sagte der Polizeisprecher. Die Buchmesse erklärt dagegen alle Taschenmesser für „verboten“. Bei Flaschen ist laut Polizei nicht jeder Typ von vorneherein ausgeschlossen. Schwierigkeiten könne es bei Glasflaschen geben, Plastik könne dagegen durchgehen. „Die endgültige Entscheidung obliegt dem Sicherheitspersonal vor Ort“, so der Experte der Polizei.

Die Besucherinnen und Besucher werden mit Scannern abgetastet, ihre Rucksäcke und Taschen werden in der Regel durchsucht. „Wir empfehlen, Rücksäcke und Trolleys zuhause zu lassen, da dies die Wartezeiten am Eingang verlängern kann“, sagt Gabi Rauch-Kneer, Geschäftsleitung Messemanagement bei der Buchmesse. Allerdings führen häufig kleinere und kleinste Verlage fast ihre gesamte Standausrüstung mit sich.

Bisher sind der Polizei keine besonderen Gäste der Buchmesse bekannt, die eine größere Auseinandersetzung vor Ort provozieren könnten. So gebe es etwa keine Hinweise darauf, dass der frühere italienische Innenminister Matteo Salvini, Vertreter der rechten Lega Nord, die Messe besuchen werde.

Lesen Sie hier die aktuellen Ereignisse auf der Buchmesse

Auch der Spitzenkandidat der rechtspopulistischen AfD bei der bevorstehenden Landtagswahl in Thüringen, Björn Höcke, hat sich nach Polizeiangaben bisher nicht angekündigt. Höckes Auftreten bei der Messe 2018 hatte Proteste auf dem Gelände ausgelöst.

Die Polizei verfügt über eine eigene Wache auf dem Messeareal. Die Sicherheitskräfte koordinieren ihren Einsatz vom verborgenen „Operation and Security Centre“ aus. Die Buchmesse setzt private Sicherheitsleute ein.

Insgesamt werden bis zum kommenden Sonntagnachmittag rund 280 000 Besucherinnen und Besucher auf dem Frankfurter Messegelände erwartet.

Von Claus-Jürgen Göpfert

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